Sie rollt und rollt und rollt…

Kurzer Halt in der Schlossstraße. Danke fürs Foto, Sandra! (Weitere Bilder am Ende des Artikels)

Und es ist kein Ende abzusehen. Das ist gut so. Die Juli-Critical Mass 2017 in Kiel ist gefahren. Genau, wie (nahezu) zeitgleich in dutzenden anderen Städten dieses Landes – vom Rest der Welt mal ganz abgesehen – haben sich hunderte bzw. tausende Menschen zusammen gefunden, um für eine großartige Sache einzutreten. Kein träges auf dem Sofa abhängen und highly important Comments posten – nein, raus und rauf aufs Bike und rein in die direkte Aktion! Ihr seid alle so was von großartig da draußen!

Was war?

Nachdem die Juni-CM ja so was von ins Wasser gefallen war, kamen diesmal (für mich und andere) überraschend etwas über 200 FahrerInnen zusammen. Und das, obwohl das Wetter im Vergleich zum Vormonat eigentlich nicht so wirklich besser war. Zu Beginn regnete es ebenfalls recht heftig, was sich aber zum Glück als einzelner Schauer erweisen sollte. Der Rest der Fahrt war dann zwar trocken, aber relativ kühl und fand durchweg unter bedecktem Himmel statt. Die Stimmung war dennoch super und wir hatten diesmal eine besonders groovy-Mischung: Viele Kinder, die Chopper waren endlich mal wieder mit dabei und insbesondere waren – für PassantInnen besonders nett anzusehen – viele witzige Rad-Typen (wozu die Chopper natürlich auch gehören) zu sehen. Die Hochräder sorgen hier immer wieder für Aufsehen. Ach ja – fast vergessen: Allen Soundrädern heißen Dank!

Die guten »Anderen«

Was lief so mit den anderen VerkehrsteilnehmerInnen? Hier möchte ich heute einmal ausdrücklich die KraftfahrzeuglenkerInnen für die aufgebrachte Geduld und vornehmlich vorsichtige Fahrweise in der Nähe des Verbandes loben! Ein solches vorbildliches Verhalten erleben wir nicht allzu oft – gerade im Bereich Westring, welcher von vielen Autofahrenden als Eigentum und allzu gern auch als Autobahn (da vierspurig) betrachtet wird, ist dies keine Selbstverständlichkeit. Vielen Dank dafür!

Die anderen »Anderen«

Mich persönlich stört es gewaltig, dass ich jetzt zum wiederholten Male feststellen musste, dass BussfahrerInnen der KVG sich dem Verband gegenüber sehr gefährlich verhalten haben, indem sie in den Verband einfuhren oder es versuchten – und dies mit manchmal beachtlicher Geschwindigkeit. Dies ist aus zweierlei Gründen ein unglaublicher Umstand – zum einen, ist die Masse eines Busses so groß, dass der oder die FahrerIn es nicht mal mitbekommen würde, wenn dieses Gefährt im hinteren Bereich einen Menschen vom Rad holt und überrollt. Und zum anderen, sollte gerade die KVG eine Verbundenheit mit uns erkennen, denn wir treten dafür ein, dass die Menschen aus ihren Karren raus kommen. Solche »UmsteigerInnen« fahren in der Regel dann nicht nur Rad, sondern auch immer wieder mal Bus.

Unter den Pkw gab es (selbstverständlich) zudem einige Knallköppe (unter anderem auch ein Fahrzeug der Malteser), die der Meinung waren, ihre Karossen als Waffe benutzen zu müssen, um es uns mal wieder so richtig zu zeigen. Die Glanzleistung vollbrachte allerdings der Typ in seinem VW Passat am Westring, Ecke Olshausenstraße. Dieser fuhr bereits extrem dicht mit immer wieder aufheulenden Motor hinter dem Verband her, um dann in eine Lücke vor zu stoßen und den Verband auf der Abbiegspur zur überholen. Dabei fuhr er ganz eindeutig vorsätzlich Schlangenlinien und benutzte exzessiv die Scheibenwaschanlage. Bei diesem Manöver hätte dieses Arschloch (Mensch muss die Dinge beim Namen nennen) fast eine Fahrerin vom Rad geholt.

Wer mich kennt, der weiß oder ahnt es zumindest, dass ich solcherlei Dinge selbst regle. Allerdings kann dies für die Sache und den Geist der Critical Mass hinderlich sein, denn wir sind zunächst einmal eine friedliche Gruppe, die nichts verbotenes macht. Daher werde ich in Zukunft die Fahrzeuge, die im Sinne § 315 (speziell § 315c) StGB u.a. auffällig werden und MitfahrerInnen gefährden, fotografieren und konsequent Strafantrag bei der Staatsanwaltschaft Kiel stellen. Die Zeit nehme ich mir sehr gern, zumal ich aus eigener Erfahrung weiß, dass die Sta Kiel, gerade wenn es um Gefährdung geht und zudem auch noch Kinder im Verband mitfahren, tatsächlich mit Aufwand ermittelt. Des Weiteren werde ich die KVG schriftlich dazu auffordern, auf ihre verwirrten Heißsporne in den großen Roten einzuwirken.

Hier kann ich nur alle ermuntern, es mir gleich zu tun. Gern auch in Abstimmung mit mir.

Jeden Monat versuche ich ja einen größeren Beitrag zu veröffentlichen. Dieses mal wird es um genau solche Themen gehen und wie wir darauf reagieren könnten. Dazu habe ich bereits vor einigen Wochen Kontakt zum Kieler Ordnungsamt aufgenommen – dazu aber, wie gesagt, in den nächsten Tagen mehr. Aber: Da ich weiß, dass es hinten immer mal wieder aufgrund solcher Vorfälle hirnloser AutofahrerInnen brennt, fahre ich in der Regel eh meist hinten oder im hinteren Bereich. Klar ist für mich hierbei, dass ich bei aller Nachsicht in einer Situation, in der ein durchgeknallter Kfz-Lenker (und es sind fast immer Männer oder die, die es noch werden wollen) das Auto verlässt und eine Mitfahrende oder einen Mitfahrer tätlich angreift, ich dabei nicht tatenlos zuschauen werde. Hier ist meine Grenze dann erreicht.

Was noch?

Gerade im hinteren Bereich ist es dieses mal zu größeren Lücken gekommen. Einmal so groß, dass ich ehrlicherweise zugeben muss, dass das Ende der Mass nicht mehr zum Verband gehörte. Die Lücke war ausreichend, dass ein Pkw ohne uns zu gefährden links abbiegen konnte. Daran sollten wir arbeiten – Lücken schließen, den Verband zusammen halten. Dies dient der Sicherheit Aller.

Ansonsten – an alle noch mal einen heißen Dank für diese schöne Fahrt! Wir sehen uns am 25. August!

Danke an Sandra und Frank für die Bilder!

Rückschau auf die Januar – Critical Mass

polizeikiel
Gut gemacht, Kieler Polizei!

2017. Die Januar – Critical Mass ist gefahren. Fein war diesmal das Wetter – zwar kalt mit etwa -2 C°, aber dafür absolut trocken. Mit dabei waren diesmal 40 Räder, gefahren von den Besten der Besten, welche diese Fahrradstadt hervorbringt.

Denn wer am Freitag Abend, bei diesen Temperaturen, für eine lebenswertere Stadt eintritt und Monat für Monat ein Zeichen setzt – auch wenn einige wenige Autofahrende dieses Zeichen vollkommen missverstehen, aber dazu gleich – der oder die verdient einfach nur Respekt. Ich wiederhole mich, aber das ist mir schnuppe: »Riesen Respekt vor allen Fahrerinnen und Fahrern!«

Knapp dran ist immer noch rechtzeitig genug

Die Atmosphäre war diesmal deutlich gelöster, da die Fahrerinnen und Fahrer nicht mit der ekligen Nässe der letzten beiden Fahrten konfrontiert wurden. Dabei sah es bis 5 Minuten nach 19 Uhr noch so aus, als könne die Fahrt dieses mal gar nicht stattfinden, da sich bis dahin nur 14 Leute versammelt haben und 15 Leute ja das Minimum darstellen. Nach dem Motto: »Knapp ist immer noch rechtzeitig genug«, kamen dann aber in den nächsten 10 Minuten doch noch 40 Fahrerinnen und Fahrer zusammen. Nun, vielleicht schaffen wir es das nächste mal ja ein wenig Nerven schonender. Persönlich hat mich übrigens sehr gefreut, dass auf einmal wie aus dem Boden gewachsen eine vierköpfige Familie aus meiner Nachbarschaft neben mir auftauchte und ihre erste Mass fuhr – großartig! Wir sollten alle versuchen noch mehr Werbung für uns zu machen, denn wer erinnert sich nicht voller Schwärmerei an die Fahrten im Frühjahr und Sommer mit über 300 Leuten?

Was lag so an?

Richten wir unseren Blick auf außergewöhnliches. Die Strecke wurde diesmal nach meinem Geschmack anfänglich und später noch einmal ein wenig zu sehr in die Peripherie verlegt, fand dann aber wieder in die Innenstadt zurück. Bei Dunkelheit ist es nach meinem dafürhalten einfach angenehmer auf den gut ausgeleuchteten Straßen der Innenstadt zu fahren. Zudem ist die Innenstadt belebter und so ist auch das Feedback, welches die Mass dort von den Menschen auf den Gehewegen erhält, deutlich zahlreicher. So auch gestern – freundliches Winken von Gehsteigen, aus vielen Autos und Bussen – man kennt uns halt und es ist allen klar, wofür wir einstehen und radeln. Die lebenswertere Stadt kommt auch ihnen zu gute.

Freilich war auch der Westring wieder mit im Programm. Ja, der Westring – immer wieder gern gefahren von uns allen, aber immer wieder auch Ort der durchgehenden Nerven einiger weniger Verkerskasper. Während sich alle hinter dem Verband herfahrenden Autofahrenden entweder an dem lustigen Zug erfreuten, oder ihn zumindest als gleichwertige Verkehrsteilnehmer akzeptierten, mussten natürlich wieder mal zwei oder drei Deppen ins Kindergartenalter zurückfallen: Mit Dauertonhupen verliehen diese Figuren ihrem infantilem Weltbild Ausdruck, dass nur klimakillende Kraftfahrzeuge das Recht hätten, öffentliche Fahrbahnen zu befahren. Diese Einzelwesen hatten vermutlich sogar Schaum vor dem Mund, denn sie hupten so lange, bis die rausfliegenden Sicherungen ihrer Blechbüchsen dem Ton ein Ende brachten und uns, sowie Anwohnenden die Ruhe zurück gaben. Endkrank.

Liebe Autofahrende mit Dauerhupe: Ja, es ist richtig – die Fahrbahnen des Westrings sind vierspurig angelegt. Aber, der Westring ist dennoch keine Autobahn, auch wenn ihr euch das in euren skurrilen Köpfen anders ausmalt! Der Westring bleibt eine Fahrbahn innerhalb einer geschlossener Ortschaft, mit einer erlaubten Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h. Das bedeutet – und nun zum Mitschreiben für die Lernresitenten – dass unser Verband, da mehr als 15 Radfahrende zusammen gekommen sind, als ein Fahrzeug gilt und nach § 27 Abs. 1 der StVO die Fahrbahn benutzen darf, selbst wenn Fahrradwegebenutzungspflicht durch Zeichen 237, 240 oder 241 vorgegeben sein sollte. Ferner bedeutet dies ebenfalls, dass auch das letzte Fahrzeug im Verband eine inzwischen wieder auf rot umgesprungene Ampel überfahren darf, sofern das erste Fahrzeug im Verband diese Ampel noch bei Grün überfahren hat (der Verband ist halt ein Fahrzeug).

Also Freunde der Sonne – bleibt gefälligst auf dem Teppich und schämt euch lieber für eure Ignoranz! Wobei natürlich nicht jeder alles Wissen muss und kann – gar keine Frage. Aber wenn man schon ahnungslos ist, dann führt man sich nicht noch auf wie der letzte Depp und macht sich lächerlich.

Die Kieler Polizei

Das es auch anders geht, offenbarte uns ein junger Vertreter der Kieler Polizei vorbildlich. In der Holtenauer Straße, kurz vor dem Verlassen der Wik in Richtung Innenstadt, überholte uns ein Dienstfahrzeug der Polizei, um uns freundlich beim nächsten Ampelstopp, anzusprechen. Der sehr junge Polizist kannte offenbar die Critical Mass noch nicht und auch der zuvor erwähnte Abschnitt der StVO schien ihm im Augenblick nicht geläufig, da er uns bat, auf dem Radweg zu fahren. Kein Problem, denn wie gesagt – Supermänner sucht das Land vergebens, und auch ein Polizist kann nicht jeden Paragrafen kennen. Was wir alle aber an seiner Aktion durchweg super fanden, war die deeskalierende, freundliche Art und Weise, wie wir durch diesen Ordnungshüter angesprochen wurden! Dies ist nebenbei bemerkt nicht die erste positive Erfahrung mit der Kieler Polizei – so verdient man sich Respekt.

Nachdem ich dem jungen Kollegen (nein, ich selbst bin kein Polizist – »Kollege« im Gebrauch einfach nur im Sinne eines »freundlichen Mitmenschen«) kurz den Sachverhalt über die Critical Mass und die Rechtssituation schilderte und ich ihm bat, sich in der Leitstelle nach uns zu erkundigen, begleitete der Streifenwagen den Zug als letztes Fahrzeug des Zuges bis zum Ende der Fahrt. 🙂 Als ich kurz vor Schluss die Mass verließ, wurde mein freundliches Winken vom Beamten ebenso freundlich erwidert. Erstklassig.

Die nächste Mass findet am 24. Februar statt. Vielleicht ja mal bei Plusgraden.