Zeugen gesucht!

Ein Mitfahrender wurde auf dem Weg zur letzten CM von einem Autofahrer tätlich angegriffen. Es werden Zeugen gesucht! Zum Hergang:

Der Mitfahrende war auf der Kieler Bahnhofstraße auf dem Radweg unterwegs Richtung Treffpunkt. Der Radweg war (wie so häufig) durch Fahrzeuge zugeparkt. In diesem Fall allerdings ausnahmsweise nur einmal durch ein einzelnes Fahrzeug. Der Mitfahrende wollte keine Fußgänger gefährden, sodass er auf die Fahrbahn auswich (Einbahnstraße entgegen der Fahrtrichtung!). Nach der Passage des falschparkenden Fahrzeuges wollte er diese als Beweismittel fotografieren, um anschließend die Polizei zu rufen. Es handelte sich um einen anthrazitfarbenen Mercedes Kombi mit dem Kennzeichen KI-CF 90, soweit er sich erinnert. Der Fahrer war ein rothaariger, bärtiger, bierbäuchiger Mann mit hellblauem Pullover, der dann aber ausstieg, den Mitfahrenden erst bepöbelte, dann jagte, ihn angriff und zwei Mal zu Boden geworfen hat. Er wollte die Angelegenheit – Zitat: »Wie ein richtiger Mann mit ihm klären«. Der Fahrer war in Begleitung einer blonden älteren Frau (seine Mutter) mit graubrauner Strickjacke. Die beiden haben versucht, ihm das Handy und Portemonnaie zu entreißen. Zum Glück ist der der Mitfahrende bei all dem nur leicht verletzt worden und sein Sachschaden am Fahrrad und Klamotten ist gering. Es waren einige Passanten zugegen, die, soweit ohne eigene Gefährdung möglich, die Situation zu deeskalieren versuchten. Als die Polizei dann eintraf, wurde durch den Mitfahrenden Anzeige erstattet und Strafantrag gestellt.

Es werden Zeugen gesucht! Denn natürlich hat der Typ bei der Polizei angegeben, dass der Mitfahrende, der vom Angreifer selbst als »schmächtiger Affe« beschrieben wird, den Mercedesfahrer und seine Mutter zuerst angegriffen hätte und hat sofort Gegenanzeige erstattet. Hier werden wirklich dringend Zeugen gesucht, denn durch diese (und sei sie noch so abwegig) Gegenanzeige werden ermutlich beide Verfahren nach zwei Briefen von der Polizei bzw. Staatsanwaltschaft eingestellt und solch ein Horst darf mit so was einfach nicht durchkommen. Solchen Neandertalern gehört wegen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr in Verbindung mit Körperverletzung und Sachbeschädigung der Lappen für ein paar Monate oder länger entzogen, damit die »Schwanzverlängerung für den richtigen Mann« mal ein bisschen Pause bekommt. Wer weiß, was solche Typen sonst noch damit auf öffentlichen Wegen so anstellen. Nicht zu fassen.

Wer helfen kann, schickt mir bitte eine E-Mail. Ich stelle dann die Verbindung umgehend her. 

Update vom 11. April, 9:20 Uhr:

  1. Die Beurteilung »schmächtiger Affe« stammte vom Angreifer und nicht vom Angegriffenen über sich selbst – das wurde im Text berichtigt.
  2. Hinzufügung eines Fotos über »kreative Gegenmaßnahmen«, um das (asoziale) Zuparken des Radwegs zu erschweren…
„Kreative Gegenmaßnahmen“. Asoziales Zuparken des Radwegs erschwert.

Strafantrag stellen – jetzt!

Auf Fahrrad- und Gehwegen werden mitunter Stickstoffdioxid-Werte bis zu 500 μg/m³ Luft gemessen – der zulässige Grenzwert von 40 μg/m³ Luft wird also um ein Vielfaches überschritten. Stickstoffdioxid ist sehr giftig und macht krank: Es löst Kopfschmerzen und Schwindel aus, höhere Konzentrationen verursachen Atemnot und führen langfristig zu Lungenödemen. Wird Stickstoffdioxid in Konzentrationen von 40–100 µg/m³ über längere Zeit eingeatmet, kommt es zwangsläufig zu gesundheitlichen Schäden: Asthma und Bronchitis, das Herzinfarktrisiko wird erhöht und es steigert die Todesrate. All dies ist wissenschaftlich eindeutig belegt.

Die meisten von uns sind schon lange mehr als sauer – in den Städten gibt es zu viel Stickstoffdioxid. Durch diese Abgase sterben jedes Jahr tausende Menschen – die Verursacher aber bleiben desinteressiert und denken nicht einmal im Traum daran, ihre (auch für sie) schädlichen Gewohnheiten zu überdenken. Wo Vernunft nicht von alleine kommt, muss (leider) angeordnet werden. Doch die Politik bleibt tatenlos. Es ist an der Zeit, das wir den Druck erhöhen.

Bereits im Herbst letzten Jahres hat die Deutsche Umwelthilfe als Verband im Namen aller, die Verantwortlichen aus der Politik aus eben diesem Grund mit einer Klage besehen. Sie werden damit vermutlich Erfolg haben, denn die Vorgaben der 39. BimSchV sind klar.

Aber neben einer solchen Verbandsklage hat aber auch jeder von uns die Möglichkeit, sich für seine Rechte einzubringen und dabei den Druck auf die Verantwortlichen zu erhöhen, denn alle von uns werden durch die Untätigkeit der politisch Verantwortlichen gesundheitlich geschädigt. Hier kann durchaus von (fahrlässiger) Körperverletzung gesprochen werden und somit ist es fraglos legitim eine Strafanzeige und/oder einen Strafantrag bei Polizei oder Staatsanwaltschaft (ich empfehle die StA Kiel) gegen den oder die Verantwortlichen zu stellen. Beide Exekutivorgane sind bei Kenntniserlangung einer (möglichen) Straftat verpflichtet, tätig zu werden und ggf. zu ermitteln.

Jetzt handeln!

Ich habe dies getan. Ich habe Strafanzeige und Strafantrag gegen die Verursacher gestellt.

Aber dabei soll es nicht bleiben, denn ich möchte hiermit alle bestärken, es mir gleich zu tun und darüber hinaus alle, die sich im Freundes- und Bekanntenkreis ebenfalls als Geschädigte sehen, zu motivieren, dies gleichermaßen zu tun!

Nutzt dazu gern meine Vorlagen oder schreibt selbst etwas – aber tretet für euer Recht ein, nicht tagtäglich auf unseren Straßen vergast werden zu müssen! Macht mit, holt andere ins Boot – bedecken wir sie reich mit unserem Unwillen. MACHT MIT!

Warum diese Aktion nicht ohne Wirkung bleiben wird.
Diese Aktion geschieht nicht etwa blauäugig. Nein, denn mit einer ähnlichen Aktion erwirkte ich mit etwa 1000 weiteren Menschen vor einigen Jahren bereits einen beachtlichen Erfolg. Der Erfolg war so bemerkenswert, dass mich nach dem Abschluss der Aktion der damalige Umweltminister (gegen sein Ministerium richtete sich der Protest) anrief und zu einem persönlichen Gespräch in sein Büro einlud, bei dem er mir gratulierte und ein bisschen aus dem Nähkästchen über die Wirksamkeit solcher »Massenproteste/Massenanzeigen« plauderte. An dieser öffentlicher Stelle werde ich nicht ins Detail gehen (können) – wer an weiteren Infos interessiert ist, darf mir gern schreiben – aber es ist sicher für alle leicht vorstellbar, was es für eine Behörde bedeuten kann, wenn diese sich urplötzlich mit mehreren hundert (oder gar tausenden?) Fällen konfrontiert sieht, wovon jeder einzelne Fall per Akte mit Geschäftszeichen angelegt, geprüft und beantwortet werden muss… Dieser »Zauber« kann mitunter erstaunliche Auswirkungen auf im Raum stehende Entscheidungen mit sich ziehen und dabei ist es überdies noch nicht einmal unbedingte Voraussetzung, ob eine Sache selbst (hier die Strafanträge/Strafanzeigen) in ihrer Eigenschaft Erfolg haben, oder nicht. Allein der entstehende Mehraufwand (der gern vermieden werden will) kann hinter den Kulissen bestimmte Dinge wie von Geisterhand anstoßen.

Downloads Vorlagen

Strafanzeige/Strafantrag StA Kiel (Open Dokument Text, .odt, mit eingebetteter Schriftart, 8.8 MB)

Strafanzeige/Strafantrag StA Kiel (Open Dokument Text, .odt, ohne eingebetteter Schriftart, 18.9 KB)

Strafanzeige/Strafantrag StA Kiel (Portable Document Format, .pdf, 58.4 KB)

Adresse/Kontakt Staatsanwaltschaft Kiel

Staatsanwaltschaft Kiel
Schützenwall 31-35
24114 Kiel

Tel.: 0431 604-0
Fax: 0431 604-3469
E-Mail: kontakt@staki.landsh.de

Sie rollt und rollt und rollt…

Kurzer Halt in der Schlossstraße. Danke fürs Foto, Sandra! (Weitere Bilder am Ende des Artikels)

Und es ist kein Ende abzusehen. Das ist gut so. Die Juli-Critical Mass 2017 in Kiel ist gefahren. Genau, wie (nahezu) zeitgleich in dutzenden anderen Städten dieses Landes – vom Rest der Welt mal ganz abgesehen – haben sich hunderte bzw. tausende Menschen zusammen gefunden, um für eine großartige Sache einzutreten. Kein träges auf dem Sofa abhängen und highly important Comments posten – nein, raus und rauf aufs Bike und rein in die direkte Aktion! Ihr seid alle so was von großartig da draußen!

Was war?

Nachdem die Juni-CM ja so was von ins Wasser gefallen war, kamen diesmal (für mich und andere) überraschend etwas über 200 FahrerInnen zusammen. Und das, obwohl das Wetter im Vergleich zum Vormonat eigentlich nicht so wirklich besser war. Zu Beginn regnete es ebenfalls recht heftig, was sich aber zum Glück als einzelner Schauer erweisen sollte. Der Rest der Fahrt war dann zwar trocken, aber relativ kühl und fand durchweg unter bedecktem Himmel statt. Die Stimmung war dennoch super und wir hatten diesmal eine besonders groovy-Mischung: Viele Kinder, die Chopper waren endlich mal wieder mit dabei und insbesondere waren – für PassantInnen besonders nett anzusehen – viele witzige Rad-Typen (wozu die Chopper natürlich auch gehören) zu sehen. Die Hochräder sorgen hier immer wieder für Aufsehen. Ach ja – fast vergessen: Allen Soundrädern heißen Dank!

Die guten »Anderen«

Was lief so mit den anderen VerkehrsteilnehmerInnen? Hier möchte ich heute einmal ausdrücklich die KraftfahrzeuglenkerInnen für die aufgebrachte Geduld und vornehmlich vorsichtige Fahrweise in der Nähe des Verbandes loben! Ein solches vorbildliches Verhalten erleben wir nicht allzu oft – gerade im Bereich Westring, welcher von vielen Autofahrenden als Eigentum und allzu gern auch als Autobahn (da vierspurig) betrachtet wird, ist dies keine Selbstverständlichkeit. Vielen Dank dafür!

Die anderen »Anderen«

Mich persönlich stört es gewaltig, dass ich jetzt zum wiederholten Male feststellen musste, dass BussfahrerInnen der KVG sich dem Verband gegenüber sehr gefährlich verhalten haben, indem sie in den Verband einfuhren oder es versuchten – und dies mit manchmal beachtlicher Geschwindigkeit. Dies ist aus zweierlei Gründen ein unglaublicher Umstand – zum einen, ist die Masse eines Busses so groß, dass der oder die FahrerIn es nicht mal mitbekommen würde, wenn dieses Gefährt im hinteren Bereich einen Menschen vom Rad holt und überrollt. Und zum anderen, sollte gerade die KVG eine Verbundenheit mit uns erkennen, denn wir treten dafür ein, dass die Menschen aus ihren Karren raus kommen. Solche »UmsteigerInnen« fahren in der Regel dann nicht nur Rad, sondern auch immer wieder mal Bus.

Unter den Pkw gab es (selbstverständlich) zudem einige Knallköppe (unter anderem auch ein Fahrzeug der Malteser), die der Meinung waren, ihre Karossen als Waffe benutzen zu müssen, um es uns mal wieder so richtig zu zeigen. Die Glanzleistung vollbrachte allerdings der Typ in seinem VW Passat am Westring, Ecke Olshausenstraße. Dieser fuhr bereits extrem dicht mit immer wieder aufheulenden Motor hinter dem Verband her, um dann in eine Lücke vor zu stoßen und den Verband auf der Abbiegspur zur überholen. Dabei fuhr er ganz eindeutig vorsätzlich Schlangenlinien und benutzte exzessiv die Scheibenwaschanlage. Bei diesem Manöver hätte dieses Arschloch (Mensch muss die Dinge beim Namen nennen) fast eine Fahrerin vom Rad geholt.

Wer mich kennt, der weiß oder ahnt es zumindest, dass ich solcherlei Dinge selbst regle. Allerdings kann dies für die Sache und den Geist der Critical Mass hinderlich sein, denn wir sind zunächst einmal eine friedliche Gruppe, die nichts verbotenes macht. Daher werde ich in Zukunft die Fahrzeuge, die im Sinne § 315 (speziell § 315c) StGB u.a. auffällig werden und MitfahrerInnen gefährden, fotografieren und konsequent Strafantrag bei der Staatsanwaltschaft Kiel stellen. Die Zeit nehme ich mir sehr gern, zumal ich aus eigener Erfahrung weiß, dass die Sta Kiel, gerade wenn es um Gefährdung geht und zudem auch noch Kinder im Verband mitfahren, tatsächlich mit Aufwand ermittelt. Des Weiteren werde ich die KVG schriftlich dazu auffordern, auf ihre verwirrten Heißsporne in den großen Roten einzuwirken.

Hier kann ich nur alle ermuntern, es mir gleich zu tun. Gern auch in Abstimmung mit mir.

Jeden Monat versuche ich ja einen größeren Beitrag zu veröffentlichen. Dieses mal wird es um genau solche Themen gehen und wie wir darauf reagieren könnten. Dazu habe ich bereits vor einigen Wochen Kontakt zum Kieler Ordnungsamt aufgenommen – dazu aber, wie gesagt, in den nächsten Tagen mehr. Aber: Da ich weiß, dass es hinten immer mal wieder aufgrund solcher Vorfälle hirnloser AutofahrerInnen brennt, fahre ich in der Regel eh meist hinten oder im hinteren Bereich. Klar ist für mich hierbei, dass ich bei aller Nachsicht in einer Situation, in der ein durchgeknallter Kfz-Lenker (und es sind fast immer Männer oder die, die es noch werden wollen) das Auto verlässt und eine Mitfahrende oder einen Mitfahrer tätlich angreift, ich dabei nicht tatenlos zuschauen werde. Hier ist meine Grenze dann erreicht.

Was noch?

Gerade im hinteren Bereich ist es dieses mal zu größeren Lücken gekommen. Einmal so groß, dass ich ehrlicherweise zugeben muss, dass das Ende der Mass nicht mehr zum Verband gehörte. Die Lücke war ausreichend, dass ein Pkw ohne uns zu gefährden links abbiegen konnte. Daran sollten wir arbeiten – Lücken schließen, den Verband zusammen halten. Dies dient der Sicherheit Aller.

Ansonsten – an alle noch mal einen heißen Dank für diese schöne Fahrt! Wir sehen uns am 25. August!

Danke an Sandra und Frank für die Bilder!

Vom gemeinsamen Miteinander

Auto gegen Fahrrad, anstatt Auto gemeinsam mit dem Fahrrad. Was den Kindern der kapitalistischen Wettbewerbswelt bereits seit dem Kindergarten eingebleut wird und sich fortan bis in alle Lebensbereiche zieht, wird folgerichtig und konsequent als Erwachsene auf den Straßen ausgelebt. Geistige Weiterentwicklung zu einem gemeinsamen Miteinander? Nur zu oft Fehlanzeige.

Wie gefährlich in einem solchen Klima Radfahren im Straßenverkehr sein kann, wissen alle, die täglich auf dem Bike unterwegs sind. Das »Duell« Autofahrer gegen Radfahrer ist ungleich, denn wenn motorisierte Gefährte mit Gewichten von mehr als einer Tonne gegen schlappe 80 Kilogramm antreten, ist das kein Spiel mehr – immer wieder missbrauchen Autofahrer (in der Regel sind dies tatsächlich Männer) ihre Masse-Überlegenheit für unfaire bis gefährliche Fahrmanöver: Ohne jede Rücksicht werden Wege abgeschnitten, mit zu geringem Abstand überholt oder ganz einfach unachtsam gefahren und gnadenlos die Vorfahrt genommen.

Primitivste Triebe

Betrachtet man dieses zumeist männliche Gebaren aus soziologischer und psychologischer Sicht, manifestieren sich primitivste Triebe als Antrieb solcher Handlungen. Allein die Tatsache, dass Räder auf der Fahrbahn fahren, bringt einige Autofahrer in Rage. In Foren liest sich das so: »Ich hupe Radfahrer immer an, wenn sie so ein Verhalten an den Tag legen.« oder »Das mach ich auch. Wenn sie sich erschrecken ist es besonders lustig.« Ha ha! Wenn sich im Netz Anleitungen finden, wie man die Auto-Scheibenwaschdüsen auf der Beifahrerseite so einstellt, dass neben dem Auto radelnde »getauft« werden, dann mag dies noch als Kinderei verbuchbar sein. Wenn hingegen aber ein Unfall zwischen Auto und Rad im ›Freaksearch-Forum‹ mit »Haste nachgetreten? Finalen Rettungsschuss angesetzt? Zwei Warnschüsse in den Rücken? Radfahrer muss man ausrotten, wo immer und wann immer man sie trifft.« kommentiert wird, dokumentiert dies schlicht Dummheit ebenso wie Verrohung und macht klar, dass solch ein Mensch niemals die Erlaubnis hätte bekommen dürfen, ein Fahrzeug zu lenken, mit welchem er so leicht sehr großen Schaden anrichten kann.

Mag solch dokumentierter Mangel an sozialer Intelligenz vielleicht keine Allgemeingültigkeit bekunden, ist dieses defekte Denken und Fühlen dennoch in seinen diversen Abstufungen täglich ortbar. Es geht um viel: Es ist die letzte Bastion gefühlter und durch die Werbung der Autoindustrie eingetrichterte Freiheit/Freiraum in Gefahr – je länger Autofahrer hinter einem Fahrrad herfahren müssen, desto gereizter reagieren sie beim Überholen oder beim Zusammentreffen an der nächsten Kreuzung. »Überholen, Vollgas geben und schön einräuchern.«, ist die Strategie eines ›Motor-Talk‹-Teilnehmers. Wenn sich das schlichte Gemüt in seiner persönlichen Freiheitsausübung eingeschränkt fühlt, wird es zum Arschloch gegenüber dem anderem, und die Tatsache, dass die persönliche Freiheitsausübung durch einen vermeintlich schwächeren eingeschränkt wird, ist derbei das Startsignal zum (dummen) Handeln. Was weit verbreitet fehlt, ist Gelassenheit, welche im täglichen Konkurrenzhandeln dieser Gesellschaft zwangsläufig auf der Strecke bleibt.

dummheitimkopf
Der Blick auf das Armaturenbrett bringt den Blick in die Geisteswelt des Besitzers. Wie muss Mensch ticken, um so etwas cool zu finden?

Dass all diese »erzieherischen Maßnahmen« durch den Autofahrer am Radfahrenden häufig nicht nur gefährlich sind, sondern auch strafrechtliche Relevanz haben, wird von Rechtsexperten und Polizei immer wieder betont – Autofahrer werden vor solchem »Maßnahmen« gewarnt. Aber auch ganz allgemein hat sich die veränderte Rechtssituation im Straßenverkehr für den Radverkehr noch nicht bei allen Autofahrenden herumgesprochen: Jeden Tag zeigt sich, wie viele von ihnen bis heute denken, dass Räder jeden Radweg zu benutzen haben, direkt neben dem Kantstein zu fahren haben oder das Radschutzstreifen grundsätzlich vom Auto befahren werden dürfen usw.

gehewegmein
Mir gehört nicht nur die Fahrbahn, sondern die ganze Stadt. Wenn der SUV gesaugt werden will, dann rollen die Panzer eben auch auch den Gehweg.

Die Frage die sich der Radfahrerin und dem Radfahrer stellt ist, wie wir auf all dies reagieren sollen. Wie sollen wir cool und freundlich bleiben, wenn wir Tag ein Tag aus entweder aus Unüberlegtheit oder gar aus Vorsatz in für unser Leib und Leben gefährliche Situationen gebracht werden? Dem Arschloch den Spiegel abtreten oder ihm zeigen, dass radelnde Menschen in der Regel fitter und sportlicher sind bringt nichts und es würde zudem bedeuten, sich auf dieses Homo neanderthalensis-Niveau zu herab zu begeben. Was also sollen wir tun?

Konsequentes Handeln auf allen Ebenen

Wollen wir intelligent handeln, bleibt uns nur, unsere Rechte konsequent einzufordern, dafür einzutreten und über sie aufzuklären – ob auf unseren täglichen Touren oder im Gespräch. Aber nicht nur das – gleichfalls sind wir gegen die Untaten der Blech-Panzer nicht schutzlos: Die Rechtslage steht eindeutig zu unseren Gunsten. Hier die ganz klare Ansage: Nutzt das Recht aus, steht ein für euer Recht! Werdet ihr genötigt und oder gefährdet, stellt einen Strafantrag (Aufforderung zur Strafverfolgung) wegen Nötigung im Straßenverkehr, Gefährdung des Straßenverkehrs und aller in Frage kommenden Tatbestände bei der Staatsanwaltschaft oder der Polizei! Auf jeden Fall solltet ihr dies tun, wenn ihr zu zweit oder noch mehr Zeugen seid – vielleicht habt ihr sogar noch ein Foto vom Fahrzeug gemacht. Schildert den Sachverhalt, benennt die Zeugen und stellt am Ende als Geschädigte einen Antrag gemäß § 406d Abs. 1 StPO und bittet um die Mitteilung des Geschäftszeichens, die telefonische und schriftliche Erreichbarkeit des zuständigen Sachbearbeiters bzw. Sachbearbeiterin und die Mitteilung über den Fortgang und Ausgang des Verfahrens.

Den strafrechtlichen Weg zu gehen ist kein Hexenwerk und bringt zwei gewinnbringende Aspekte mit sich, die nicht zu unterschätzen sind! Zum einen wird der Beschuldigte oder die Angeklagte mit dem eigenen Handeln, ganz gleich des Ausgangs des Verfahrens, unangenehm konfrontiert und kommt vielleicht (auch nur) so zur Einsicht über das eigene Fehlverhalten – und sei es nur durch Strafe oder der Angst vor Strafe. Zum anderem zeigt ein verstärktes Aufkommen solcher Fälle den Strafverfolgungsbehörden auf, dass hier Handlungsbedarf besteht und seitens Polizei, Ordnungsämter und ggf. durch Politik und öffentliche Organe präventiv mehr getan werden muss, um solcherlei gefährlichen Fehlverhalten entgegen zu treten.

Wichtig ist halt, dass wir handeln! Handeln heißt aber ebenfalls mit gutem Beispiel voran zu gehen: Wir wollen keine Räder auf Gehwegen sehen – hier werden die noch ungeschützteren, die zu Fuß gehenden, durch uns gefährdet. Ebenso wollen wir keine Rad-Rambos sehen, die sich genau so asozial verhalten, wie die motorisierten Spatzengehirne (auf euch können wir verzichten!). Geht mit gutem Beispiel voran, fahrt defensiv und rücksichtsvoll, zeigt mit jedem Pedal-tritt, dass ihr die cooleren, sozialeren und besseren seid! Haltet die rudimentären Verkehrsregeln ein (ja, natürlich wissen wir es – viele Regeln die für den Autoverkehr gemacht sind, sind für den Radverkehr tatsächlich unsinnig – dennoch schreiben wir dieses) – nur so können wir vorteilhaft Werbung für das Radfahren machen!

Wir wollen die Welt positiv verändern – reclaim the streets!

fahrfahrrad
Mehr als nur eine Art der Fortbewegung – es ist eine Lebensart die immer mehr angesagt ist. Sei aktiv, sei ein Teil der Zukunft!