Rot ist nur die Farbe der Revolution

Achte mal auf das Schild, worauf der Autoverkehr achten soll…

Der Mut zu eigenen Entscheidungen und zur eigenen Verantwortung ist in Deutschland eine rare Tugend, wie bereits Bismarck in bekanntem Ausspruch bemerkt hat. Vollkommen verlässt sie den Deutschen übrigens, wenn er oder sie sich eine Uniform anzieht – aber das nur nebenbei. So finden sich in diesem Land etliche Untertanen, welche dem selbst-denkenden Menschen so etwas wie »Es ist roooot!« zurufen, wenn dieser durch seine bewusste Entscheidung, das Rotlicht zu missachten, den Untertanen daran erinnert, dass dieser das selbständige Denken aufgegeben hat und sein Leben von einem elektronischen Schaltkreis takten lässt – und sei die Fahrbahn, die es zu überqueren gilt, auch noch so leer.

Uns begegnen diese konformistischen Menschen mit ihrer servilen Ergebenheit jeden Tag. Sie pochen auf die Einhaltung von Vorschriften, ohne dass sie diese jemals einer ganzheitlichen Bewertung unterzogen haben. Dinge hinterfragen, welche durch den Staat oder Gesetzgeber vorgegeben werden? Nicht in Deutschland, wo der »Führerbefehl« schon immer vor der Vernunft stand: »Das wird schon seine Richtigkeit haben!« Nur für wen, das wird zu selten gefragt.

Wir wissen natürlich, woher der Wind kommt und vor allem auch, wohin er weht: Es gilt, dem Autoverkehr gnadenlos Vorrang zu geben. Die Autolobby ist bereits seit den 1920er Jahren dabei, dies mit Einfluss auf die Politik und Gesetzgebung zu gewährleisten, um ihre Absätze zu sichern. Es geht um nichts anderes, als dem kapitalistischen (Auto)Markt mit seinem Mehrwertprinzip, stets ausreichend autogeile, zahlende AbnehmerInnen zuzuführen. Und so zielen auch nahezu sämtliche, in der Straßenverkehrsordnung (StVO) festgelegten Verhaltensregeln darauf ab, dies umzusetzen: Um dem motorisierten Verkehr höchstmögliche Geschwindigkeiten und ein gutes Fortkommen in der Stadt zu ermöglichen, wird dieser räumlich, also durch Unterteilung in Fahrbahn hier und Geh/Radweg dort, und zeitlich durch Ampeln, vom nicht-motorisierten Verkehr getrennt. Ampeln sind grundsätzlich dafür da, den Autoverkehr besser und flüssiger zu machen! In dieser Logik gilt, dass alles was langsamer oder schwächer ist (zu Fuß Gehende oder Radfahrende), als Störfaktoren gelten und einfach an den Rand des öffentlichen Raums gedrängt werden können – natürlich nur zu deren Sicherheit, aber eben nicht selten, ohne den versprochenen Schutz auf diesen »Schutzwegen« zu erfahren.

Wir Radfahrende werden dabei gesetzlich auf oft viel zu schmale Mehrzweckstreifen gezwungen, die uns allein durch ihre Anlage in Lebensgefahr bringen – von rechts durch sich öffnende Autotüren, von links durch viel zu knapp überholende Kraftfahrzeuge. Mit anderen Worten: Unsere Leichtigkeit und Flüssigkeit – und oft auch unsere Sicherheit – wird der Leichtigkeit und Flüssigkeit des Autoverkehrs untergeordnet. Dies ist diskriminierend und es ist nicht einzusehen, warum sich Radfahrende und zu Fuß Gehende dem unterordnen sollten. Das dies übrigens nicht nur ein paar Menschen so sehen, belegte bereits 2014 eine Studie des Bundesumweltamtes, bei der sich 82 Prozent der Deutschen dafür ausgesprochen haben, Städte und Gemeinden so umzugestalten, dass Wege besser zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln erledigt werden können. 82 Prozent!

Stattdessen droht Radfahrenden, die bei Rot über eine Ampel fahren, in Deutschland (im Gegensatz zu vielen anderen Ländern) ein Bußgeld von bis zu 180 Euro und ein Punkt in Flensburg. Wie dumm-blöd diese Regelung ist und warum diese Regelung abgeschafft gehört, werde ich anhand einiger Punkte begründen:

  • Radfahrerende sind viel flexibler, langsamer und bewegen sich viel aufmerksamer, als Kraftfahrzeuglenkende. Dies ist für uns überlebenswichtig, da wir keine Knautschzonen besitzen und wir es daher sowieso gewohnt sind, genaustens auf unsere Umgebung zu achten. Wir fahren mit offenen Augen und Ohren durch den Verkehr, denn aus jeder Einfahrt könnte ein Auto kommen, welches uns nicht auf der Rechnung hat. Dadurch, dass wir, anders als Autofahrer, keine Hülle um ums herum haben, nehmen wir zudem viel besser wahr, was um um uns herum geschieht. Und auch durch die fehlende Motorhaube können wir uns viel näher an Kreuzungen herantasten, als Autos. Kurz: Wir kriegen viel mehr mit, als Autofahrende und sind zudem aus überlebenswichtigen Selbstschutz gezwungen, viel genauer aufzupassen, als der Mensch im Blechpanzer.

Diese Argumente wiegen schon extrem schwer und alle, die schon mal Rad gefahren sind, wissen das. Aber es gibt noch weitere Punkte…

  • Selbst grüne Ampeln schützen uns Radfahrende nicht vor Unfällen, denn jedes rechts-abbiegende Fahrzeug ist für uns eine potenzielle Gefahr. Es ist daher für uns egal, ob wir bei rot oder grün über die Ampel fahren, denn wie wir alle wissen, gibt es tote RadfahrerInnen auch haufenweise an grünen Ampeln.
  • Ampeln machen den Radverkehr langsamer, und dadurch wird das alternative Verkehrsmittel auch weniger attraktiv. Müssen wir an einer roten Ampel halten (welche, wie bereits erklärt, für uns Radfahrende zumeist sinnlos sind), verlieren wir die Energie, die wir vorher mühsam aufgebaut haben. Das verlängert auch unsere Fahrtwege zeitlich. Und natürlich müssen wir beim Warten an (für uns unnötigen) roten Ampeln auch noch die Abgase der Autos einatmen – besonders dann, wenn der Verkehr wieder anrollt.

Es ist also ziemlich klar – wir sollten nicht an (allen) roten Ampeln halten (müssen). Ach, und übrigens – auch das Sicherheitsargument ist Blödsinn: Mindestens genauso gefährlich sind sich schnell öffnende Autotüren neben den Radwegen. Aber hier schreit kein Hahn nach.

Das dumpfe Befolgen von sinnlosen Regeln, ohne selbständig zu Denken und ohne eigene Aufmerksamkeit birgt aber auch andere Gefahren. Gehirnforscher Manfred Spitzer belegt in den von ihm diskutierten Forschungsergebnissen, dass, wenn wir unsere Hirnarbeit auslagern, unser Gedächtnis nachlässt, Nervenzellen absterben, und nachwachsende Zellen nicht überleben, weil sie nicht gebraucht werden. Wir schaden so langfristig unserem Körper und vor allem unserem Geist. Was wir früher mit dem Kopf gemacht haben, wird heute von Ampelschaltkreisen (und natürlich von Computern, Smartphones und Navis etc.) erledigt. Das berührt übrigens auch unsere Kritikfähigkeit (was aber dem Staat wohl auch ganz Recht sein dürfte).

Fazit

Die Sache ist ganz einfach: Rote Ampeln sollten für Radfahrende und zu Fuß gehende nur noch Vorfahrt-Achten-Signale sein! Wenn niemand behindert wird, darf die Straße überquert werden – fertig! Bei dieser Forderung handelt es sich um nichts anderes, als die sinnvolle Legalisierung vom bereits weit verbreiteten Verhalten, rote Ampeln – freilich immer unter Berücksichtigung der Sicherheit aller Beteiligten – zu überqueren. Radfahrer sollten nicht an roten Ampeln halten (müssen).

Und noch mal – Ampeln sind ausschließlich dafür da, den Autoverkehr besser und flüssiger zu machen. Es ist nicht einzusehen, warum sich Radfahrende und zu Fuß gehende dem unterordnen sollten. Wir kommen ohne diese häufig viel besser zu Recht. Das sind zum einen Verkehrsregeln des vergangenen Jahrhunderts, und zum anderen beleidigen die realen Situationen vor Ort regelmäßig meine Intelligenz. Wer dumm und blöd an einer leeren Straße vor einem schnöden, elektronischen Schaltkreis stehen bleiben möchte, solle dies von mir aus gern tun. Aber er oder sie soll gefälligst den Bullen in sich erschießen und die Fresse halten, wenn andere das selbständige Denken noch nicht aufgegeben haben und das tun, was diese insgeheim auch gern tun würden: Selbstbestimmt und verantwortlich handeln und leben.

Wir dürfen das!

Selbst hier (Schönberger Straße), wo alle paar hundert Meter große Schilder auf des Radfahrenden Recht hinweisen, wird immer wieder geschnitten, gehupt und gepöbelt, wenn die Fahrbahn mit dem Rad benutzt wird. Das ist leider kein Einzelfall.

Stupidität hat die deutschen Straßen fest im Griff. Leider. Ein tumber Haufen Testosteron-gesteuerten und lernresitenten Bodensatzes zertrampelt verlässlich alle zarten Pflänzchen einer sich entfaltenden Umsicht und Vernunft im allgemeinen Miteinander des Straßenverkehrs. Alles, was diese »Vernunftbefreiten mit Führerschein« als Behinderung ihrer eigenen, oft grenzen- und zügellosen Freiheitsausübung als Bedrohung wahrnehmen – und sei es nur der vor ihnen radelnde Mensch –, wird terrorisiert. RadfahrerInnen werden geschnitten, weg-gehupt, bepöbelt, absichtlich gefährdet, umgefahren und manchmal eben auch getötet. Wer auf deutschen Fahrbahnen keine Knautschzone hat, lebt dank der verlässlichen Existenz dieser hirnlosen Steinzeitmenschen gefährlich. Und so waren die kritischen Massen in Deutschlands Städten nie so wichtig, wie heute. Wir müssen rauf aufs Rad und rauf auf die Fahrbahn – und zwar wirklich in Massen! Wir müssen aufstehen und für unser Recht, was nicht selten mit unserem Überleben einhergeht, kämpfen. Komm auch du zur Critical Mass!

Wir alle kennen diese Situationen. Du fährst mit deinem Rad auf der Fahrbahn, während sich neben dir ein Fahrradweg befindet. Schon hast du die Arschkarte gezogen, denn solide darfst du innerhalb kürzester Zeit erfahren, »wie es dir mal wieder so richtig gezeigt wird«, wo du gefälligst mit deinem Fahrrad zu fahren hast. Da spielt es auch keine Rolle, ob du dich vollkommen in Übereinkunft mit der StVO verhältst. Oder aber du fährst auf einem benutzungpflichtigen Radweg und triffst dort in verlässlicher Regelmäßigkeit auf Kraftfahrzeuge, welche den Radweg mit einem Pkw-Parkstreifen verwechseln. Sicherheitsabstände und reduzierte Geschwindigkeit beim Überholen? Glückssache. Respektierung von Fahrradschutzstreifen? Da wird einfach mit dem Auto drüber gefahren – der liegt doch schließlich auf meiner Fahrbahn. Anerkennung des Radverkehrs, als gleichberechtigte VerkehrsteilnehmerInnen? Nur, wenn diese lahmen, »links-grün-versiften« RadfahrerInnen das auto fahrende Individuum in seiner herbei-phantasierten, als göttlich verbrieftes Recht wahrgenommenen Freiheitsausübung, nicht in die Quere kommen.

Das, was Radfahrende täglich erleben (müssen), ist nicht nur gefährlich für den eigenen Leib, sondern schlicht unzulässig, da rechts- oder ordnungswidrig und nicht selten strafbar und kriminell.

Unkenntnis, Anmaßung oder Charakterschwäche?

Einzelfälle? Neben vielen rationalen und vernünftigen Menschen, die rücksichtsvoll und bedacht mit dem Auto fahren und welche sich sogar dann, wenn ihnen selbst einmal Unrecht im Straßenverkehr widerfährt, ihrer »Waffe auf vier Rädern« bewusst sind, gibt es persistent diesen unübersehbaren Anteil an Menschen (meist Männer), die eben dieses Bewusstsein nicht mitbringen.

Wieso verhalten sich Menschen so? Das nicht wenige, der zuvor beschriebenen Spezies, schlicht und einfach die Regelungen der StVO nicht kennen, ist das eine, aber muss deswegen zwangsläufig auch die Vernunft aussetzen und das Leben anderer mit dem eigenen Panzer auf vier Rädern gezielt gefährdet werden?

Nach § 3 Abs. 1 Satz 1 StVG ist die Fahrerlaubnis zu entziehen, wenn der oder die InhaberIn sich als ungeeignet oder nicht befähigt zum Führen von Kraftfahrzeugen erweist. Das schließt die charakterliche Eignung ganz eindeutig mit ein. Wer beispielsweise einem Radfahrer oder einer Radfahrerin absichtlich schneidet und gefährdet, ist eindeutig charakterlich nicht befähigt, weiterhin ein Kraftfahrzeug zu lenken. Solche Typen müssen aus dem (Kraftfahrzeug)Verkehr gezogen werden. Schonungslos.

Feindbild – der pöse, pöse Radfahrer

Die Alibidebatte. Natürlich höre ich bereits die Schreie: »Aber die Radfahrer, aber die Radfahrer! Was die so immer machen! Für die gelten doch gar keine Regeln, die glauben doch, die können sich alles erlauben! Fahren über rot oder quer über die Kreuzung!« etc. etc. etc.

Das ist lahm. Nichts anderes, als Ablenkung. Warum? Ganz einfach deshalb, weil ein solches Verhalten, wenn überhaupt, Autofahrende nur peripher tangiert. Freilich gibt es unter Radfahrenden (genau wie in allen anderen Bevölkerungsgruppen) ebenfalls Typen (auch hier fast ausschließlich männliche Exemplare), welche sich so mies verhalten, dass Menschenleben gefährdet werden – nur in diesem Falle betrifft dies ausschließlich FußgängerInnen, da diese noch schwächer sind als der Radverkehr und eben keine Autofahrenden. Gegen den Blechpanzer eines Autos, kommt nämlich auch der brutalste Radikalinski-Radfahrer nicht an.

Sich also aufgrund solcher hirnlosen Radfahrenden als Dirty-Harry-Autofahrender, als Rächer der Schwachen, aufzuspielen, ist zum einen aufgrund der zuvor beschriebenen Pkw-Panzerung nicht nur ausgesprochen absurd, sondern schlicht und einfach nichts andres, als eine ziemlich lahme Ausrede für das eigene, widerwärtige Verhalten. Und ich lege noch einen drauf, denn meiner Meinung nach ist ein solches Verhalten von Autofahrenden eher Ausdruck und Ventil von Frustrationen gegenüber Radfahrenden, welche hier und dort eben auch mal viel schneller vorankommen als Mensch selbst in seiner Blechkiste – eben weil sie nicht im Stau stehen müssen und zudem Abkürzungen fahren können. Es birgt zweifellos eine gewisse Tragik: All das, obwohl ihr soviel Geld für euer geliebtes, klimakillendes und krankmachendes Töff-Töff ausgegeben habt. Ja, das ist wirklich gemein.

Aua, aua, aua…

Wer Schwächere gezielt gefährdet, aus welchem Grund auch immer, gehört ganz allgemein aus dem Verkehr gezogen – ob als Autofahrende oder Radfahrende. Wenn aber Kraftfahrzeuglenkende ein solch, dummes Fehlverhalten einzelner Radler undifferenziert betrachten, pauschalisieren und als Rechtfertigung für das eigene, bisweilen höchst-gefährliche Verhalten gegenüber allen RadlerInnen (und zuweilen auch zu Fuß gehenden) heran ziehen, sind sie zu alle dem auch noch unglaubwürdig.

Der gefährliche Unterschied

Die Gefahr im Straßenverkehr geht ganz eindeutig und ohne Zweifel vom Auto (und Lkw) aus – nicht von einzelnen Radfahrenden, die eine rote Ampel bei leerer Kreuzung überfahren (ja, die Kreuzung ist dann tatsächlich leer, denn auch ich kenne keinen Radelnden, welcher gern überfahren wird) oder zu schnell auf Gehwegen an Zufußgehenden vorbeifahren (wobei Räder häufig eben deswegen dort fahren, weil die Fahrbahn als zu gefährlich erscheint – warum wohl?). Diese Gefahr durch Pkw und Lkw ergibt sich ganz allein und logisch aus der Physik, denn allein die Masse (also das Gewicht), und dazu die Geschwindigkeit, machen den entscheidenden und bedrohlichen Unterschied aus: Radfahrende fahren aufgrund ihrer geringen Masse so gut wie keine Menschen tot – Autofahrende aufgrund ihrer großen Masse hingegen schon. Und das nicht eben gerade selten: Ein touchée und dann war es das schon häufig für den nicht-gepanzerten Menschen.

Also Autofahrende (du weißt schon, ob du dazu gehörst oder nicht) – spare dir deine skurrilen Beschönigungen! Werde dir lieber deiner Verantwortung bewusst! Ach ja, und wenn du schon dabei bist, dir über deine Rolle im Straßenverkehr Gedanken zu machen, dann nutze doch die Gelegenheit, dir auch darüber Gedanken zu machen, ob du nicht auch gleich die permanente und dir bekannte Gefährdung aller, durch die giftigen Abgas- und Lärmemissionen deines Autos, dadurch minimierst, indem du ebenfalls öfter mal zum vernünftigsten Verkehrsmittel in der Stadt greifst – das Rad. Das Schlüpfen in die Rolle des anderen, kann dir zudem einen großen Erkenntnisgewinn bescheren. Das sagt dir jemand, der selbst auch seit vielen Jahren – wenn inzwischen auch nur noch höchst selten – Autofahrer ist.

Wenn du aber nicht in der Lage sein solltest, dir deiner Verantwortung bewusst zu werden, hast du im Straßenverkehr nichts zu suchen. Denn dann kannst du nicht einmal das Grundlegendste vom Grundlegenden umsetzen. In der StVO ist dies in § 1, in den »Grundregeln«, beschrieben – ein verantwortliches Sozialverhalten:

(1) Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.
(2) Jeder Verkehrsteilnehmer hat sich so zu verhalten, dass kein anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.

Und zum Abschluss noch eines: Mache dich endlich kundig über geltendes Recht!

  1. Denn du musst endlich wissen und akzeptieren, dass Radfahrende sehr, sehr häufig das Recht haben, auf der Fahrbahn zu fahren, selbst wenn ein Radweg vorhanden ist. Denn die Regelungen zur Radwege-Benutzungspflicht sind bereits im Jahre 1998 grundlegend überarbeitet worden und eine Radewege-Benutzungspflicht findet nur noch in ganz wenigen Fällen eine Anwendung. Und selbst dort, wo diese ihre Anwendung findet, gibt es Ausnahmen (welche du vermutlich gar nicht kennst oder vor Ort nicht erkennst), welche die Radwege-Benutzungspflicht wiederum außer Kraft setzen kann.

  2. Du musst ebenfalls endlich wissen und akzeptieren, dass Radfahrenden sehr wohl gebührende Sicherheitsabstände zustehen und sie keineswegs am äußersten, rechten Fahrbahnrand fahren müssen. Ebenfalls darfst du sie auch nicht ohne ausreichenden Sicherheitsabstand überholen, denn manchmal müssen Fahrräder auch ganz plötzlich in die Fahrbahn ausweichen!

  3. Du musst zudem wissen und akzeptieren, dass es Radfahrenden erlaubt ist, wenn ausreichender Raum vorhanden ist, Fahrzeuge, welche auf dem rechten Fahrstreifen warten, mit mäßiger Geschwindigkeit rechts zu überholen! Ja wirklich, wir dürfen rechts an dir vorbei nach vorne fahren (StVO § 5, Abs. 8)! Ich weiß, das würdest du mit deinem Auto auch so gerne hier und dort mal machen – sich einfach mal so nach vorne vorbei schlängeln – nur ist die Karre dazu aber leider zu breit. Dafür können doch aber die RadfahrerInnen nichts.

  4. Du musst wissen und endlich akzeptieren, dass du die Bereiche, welche für den Radverkehr reserviert sind (Fahrradschutzstreifen etc.), zu achten und nicht zu befahren hast!

  5. Ach ja – du musst des Weiteren genauso wissen und akzeptieren, dass du Radfahrende nicht an-hupen darfst! Denn das Benutzen deiner Hupe ist in der StVO klar geregelt und ist zur selbst-definierten Reklamation, dass sich langsamere Verkehrsteilnehmer vor dem eigen Auto befinden und angeblich falsch verhalten, nicht zulässig!

Und wenn dir dann all diese Regeln bewusst sind, dann wird dir sicher auch klar werden, wie häufig du dich ganz einfach falsch und gesetzwidrig verhältst und in der Vergangenheit verhalten hast. Aber lass uns nach vorne schauen: Es wäre schön, wenn wir dann jetzt, wo alles geklärt ist, zu einem Miteinander übergehen könn(t)en.

Gute Fahrt!