Kiel: Döner jetzt 300 Euro

Radweg blockiert – Radelnde müssen in den fließenden Verkehr auf der Fahrbahn ausweichen. Gefährdung im Straßenverkehr!

Die Döner sind aber auch nur in Kiel dann so teuer, wenn Autofahrende meint, rücksichtstlos auf dem Radweg zu parken und ausgerechnet dann ein Radelnder mit »Arsch in der Hose« vorbei kommt und 110 anruft. Gut gemacht!

Mein Artikel über die Radweg-ParkerInnen und unsere Antwort darauf hat offenbar auch andere motiviert. Das ist fein. Folgende Nachricht bekam ich vorhin per Jabber/XMPP von einem engagierten Critical-Mass-Fahrenden:

»Naja, sie auf dem Radweg und ging in den Dönerladen. Ich also 110 angerufen, Typ an der Leitstelle super freundlich, meinte sofort „Jo, gerade Streife in der Nähe ich schick die mal, wir Radfahrer müssen ja zusammenhalten“. Streife kam innerhalb von 2-3 Minuten, beide Recht jung und motiviert, der eine sofort wieder zum Auto, Abschleppwagen rufen. Die Olle [Fahrerin] im Dönerladen bekommt nichts mit. Abschleppwagen auch innerhalb kürzester Zeit da, steht dann daneben, schon am Kran ausschwenken, kommt sie raus. Zetern beginnt. Dann, verschmitzt „Naja, kann ja nicht so teuer sein. Muss ja jetzt nicht abgeschleppt werden.“ Polizist grinst „Stimmt. Nennt sich jetzt verhinderte Umsetzung. 300€ kostet das.“ Ihre Kinnlade war dann auch erst mal unten. Naja, und ich steh daneben, irgendwann bekommt sie mit, dass ich wohl die Polizei gerufen habe, guckt mich ganz böse an. Ich grinse also freundlich zurück. Polizei und Abschleppdienst ziehen von dannen, sie steigt in ihre Blechbüchse und guckt mich an als ob sie mich überfahren will.«

An alle: Ich bitte um weitere Zuschriften. Lasst uns unsere Fahrwege sicherer machen! Jetzt! Kein Pardon mehr für Rücksichtslosigkeit! Ach, und ein Danke schön an die Beamten der Kieler Polizei.

 

Rückschau auf die Juli – Critical Mass

Die Juli – Critical Mass ist gelaufen. Etwa 170 – 200 Fahrerinnen und Fahrer (geschätzt) lebten gemeinsam die lebenswerte Stadt. Wie immer von Jung bis Alt.

Jede Mass ist anders, auch von der Atmosphäre. Im Juli empfand ich es ruhiger, als die Male davor – aber das ist natürlich subjektiv. Allerdings war auch überhaupt weniger los auf den Gehwegen der Innenstadt – Urlaubszeit? Und wie waren die autofahrenden Verkehrsteilnehmer so drauf? Auch diesmal glitten sie im Großen und Ganzen entspannt hinter dem Zug her und waren überwältigt von dem Eindruck der Vernunft: So viele mobile Menschen, die dabei nur so wenig Raum einnehmen (man stelle sich diese Anzahl von Menschen in Fahrzeugen vor, in denen zu 80% nur eine Person sitzt). Einen ganz besonderen Fan hatten wir: Einen älteren, getunten 5er BMW, welcher uns vom Berliner Platz bis fast nach Projensdorf begleitete – sei Willkommen das nächste mal mit dem Bike, mein Lieber!

Leider ein Sturz

Einen Unfall gab es. Einer der jüngeren Fahrer ist ohne Fremdverschulden gestürzt und hat sich dabei an der Stirn mit einer leichten Platzwunde verletzt. Wir hoffen alle, dass es dir gut geht – wenn du das hier lesen solltest, gib doch mal eine kurze Rückmeldung über die Kommentar-Funktion!

Polizei kam zum Zug

Zum Ende der Mass gesellte sich noch ein Einsatzfahrzeug der Kieler Polizei hinzu. Sie fuhren hinten am Zug mit eingeschalteten Blaulicht. Was sicher gut gemeint ist und möglicherweise den ein oder anderen ungeduldigen Verkehsteilnehmer hinter dem Zug die notwendige Entschleunigung eher aufbringen lässt, hat aber auch eine negative Seite, welche die Verantwortlichen der Polizei doch bitte einmal überdenken mögen: Die Anwesenheit von Polizei mit absichernden Charakter nach hinten verleiht der Mass nämlich so etwas wie einen Sonderstatus, den sie gar nicht hat und auch nicht will. Ähnlich einer Demonstration oder ähnlichem. Aber das ist die Mass ja überhaupt nicht, denn die Mass ist absolut legal und eben KEINE Demonstration. Wir nutzen lediglich das Recht, welches uns §27 Abs. 1 der StVO einräumt, als zusammenhängender Verband, als ein Fahrzeug, nebeneinander auf der Straße zu fahren. Mehr nicht.

Wir wissen nicht, warum die Polizei unterstützend erschien – ob sie uns selbst auf Streifenfahrt bemerkten, der Leitstelle meldeten und von dort den Einsatzbefehl der Absicherung des Verbandes bekamen, oder ob verwirrte Autofahrende der Leitstelle Fahrradfahrende auf der Straße meldeten. War es letzteres, dann wäre es doch eigentlich sinnvoller, den verdutzen Fahrzeugführenden mitzuteilen, dass das herrliche Schauspiel, welches sie als Zeuge begleiten dürfen, eine vollkommen legale Angelegenheit ist. Und nebenbei kann die Polizei einen solchen Vorgang auch dazu nutzen, um den Autofahrenden auf sein/ihr Theoriedefizit bzgl. der Kenntnisse der StVO hinzuweisen.

Wie auch immer – die Mass bedarf prinzipiell keiner Polizeibegleitung, auch wenn es nett gemeint ist und sich die Polizei sehr diskret und zuvorkommend zeigte. Der Punkt ist, dass Autofahrende einfach lernen müssen, dass sie nicht das Recht auf Straße gepachtet haben! Auch wenn ihnen dies Automobilindustrie und Werbung von der »freien Fahrt für freie Bürger« stetig suggeriert und in die Birne gekloppt haben. Bürgerinnen und Bürger sind wir aber eben auch – und wir sind darüber hinaus zudem die Klügeren, da wir nachhaltig und umweltbewusst handeln!

Kommentare sind immer gern gesehen und wer möchte kann gern Fotos schicken (oder an/auf die Facebook-Site).