Streugut oder eher Streuschlecht?

Die Städte sind unermüdlich im Streueinsatz. Das ist gut.

Wir Radfahrende freuen uns darüber, dass, zumindest hier in Kiel, die Radwege relativ schnell geräumt und abgestreut werden. Es kann also weiter gefahren werden. Danke an die Stadt! Unglücklicherweise haben wir aber gleichfalls bis in das Frühjahr hinein immer wieder mit unangenehmen Nebenwirkungen zu kämpfen – dem Plattfuß. Der Verursacher: Streusplitt. Denn dieser hat mitunter Kanten, welche teilweise schärfer und spitzer sind, als Glaskanten. Wo fangen wir uns diese fiesen kleinen Dinger ein und wo nicht? Eine kurze Bestandsaufnahme.

Auf den letzten Mass-Fahrten wurde mir immer wieder von all den Plattfüßen, mit denen zur Zeit gekämpft wird, berichtet und welche »Freude« es bereitet, Schläuche zu tauschen oder zu flicken und regelmäßig die Streusplitt-Steinchen aus den Reifen (Mänteln) zu fummeln. Mich hat es kürzlich auch an einem Tag gleich zweimal erwischt – einmal sogar bei einem pannenreduzierten Reifen – einem sogenannten »Unplattbaren«, den ein Streusplitt-Steinchen glatt durchstochen hat.

Wie wird wo gestreut?

Diese Klagen hören wir in nahezu jeder Stadt in Deutschland von Fahrradfahrenden. Wir können aber schon feststellen, dass die Städte versuchen, diese Klagen ernst zu nehmen und versuchen im Winterdienst mittels unterschiedlichem Streugut die Problematik für Fahrräder zu entschärfen. In vielen Städten wird deshalb auf reinen Radwegen ausschließlich Streusalz unter Beachtung der Umweltvorschriften verwendet. Dies geschieht aber nicht nur, um die »Plattenproblematik« zu entschärfen, sondern auch deswegen, weil sich herausgestellt hat, dass sogenannte »abstumpfende Stoffe«, wie beispielsweise Splitt, aufgrund der kleinen Radaufstandsflächen von Fahrrädern nicht geeignet sind, den Kraftschluss zwischen Reifen und Fahrbahn wirksam zu verbessern. Fahrradreifen sind einfach zu schmal und haben zu wenig Auflagefläche, dass diese Streumittel einen Grip-Vorteil verschaffen könnten. In vielen Städten gelang es mittels dieser Maßnahmen, die »Plattenpannen« deutlich zu reduzieren.

Problemzonen

Es bleiben aber viele Problemzonen. Auf Fußwegen und an Haltestellenbereichen ist das Verwenden von Streusalz in der Regel nicht erlaubt und ebenso auch nicht auf kombinierten Wegen, welche von Radfahrenden und Zufußgehenden gleichermaßen genutzt werden dürfen. Hier dürfen nur abstumpfende Streumittel wie Granulat und Splitt verwendet werden, es sei denn, es handelt sich um besonders gefährliche Stellen, wie Brückenauf- und -abgänge (siehe Hörnbrücke), Rampen, Fußgängerüberwege sowie Wege mit starkem Gefälle usw.

Fazit

Die Städte tun, was sie können. Es ist lobenswert, dass hierbei die Umweltbedürfnisse die entscheidenden Faktoren sind. So können wir an der Grundproblematik wohl leider nicht viel ändern und müssen mit dem Problem leben. Wer es sich traut, kann anstatt auf kombinierten Fuß- und Radwegen lieber auf der Fahrbahn fahren, da diese in der Regel (mit Ausnahme der äußersten Ränder) frei von Granulatrückständen ist. Nur, bei den bedauerlicherweise immer wieder auftauchenden »Psychopathen hinter dem Kraftfahrzeug-Lenkrad«, ist diese Maßnahme aber nicht jedermanns oder jederfraus Sache. Was bleibt uns? Hoffen wir also auf ein rasches Winterende und eine darauf folgende, ebenso rasche Wegereinigung durch die städtischen Betriebe.