Fahrradschutzstreifen

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Gängige Praxis: Der Fahrradschutzstreifen wird vom Auto mit befahren – gemäß dem Selbstverständnis vieler Autofahrer, dass die Fahrbahn dem Kraftfahrzeug gehört.

Es ist erstaunlich. Nach eigenen Erfahrungen und Erfahrungen vieler anderer Fahrradfahrender sind geschätzt 90 Prozent der KFZ-Nutzenden nicht in der Lage, die Regelungen und Bestimmungen bzgl. des ›Fahrradschutzstreifens‹ richtig anzuwenden: Sie befahren den ›Fahrradschutzstreifen‹ mit ihren Autos grundsätzlich mit, sofern sich auf dem Schutzstreifen kein Radverkehr bewegt, bzw. angenommen wird, dass sich dort kein Radverkehr bewegt. Aber genau letzteres ist der springende und gefährliche Punkt – hier wird eindeutig zu kurz gedacht.

Was ist ein ›Fahrradschutzstreifen‹?

›Fahrradschutzstreifen‹, auch »Angebotsstreifen« genannt, sind von der Fahrbahn durch eine unterbrochene Linie abgetrennte, zumeist schmale Streifen am rechten Fahrbahnrand, die mit Fahrradsymbolen gekennzeichnet sind. Diese Schutzstreifen wurden 1977 mit Zeichen 340 (Leitlinie) in § 42 Abs. 6 Nr. 1 g StVO eingeführt – sie sollen RadfahrerInnen schützen.

Wichtig zu wissen ist, dass dieser den Radverkehr schützende Raum von anderen Fahrzeugen nur bei Bedarf befahren werden darf!! Die durchgängige Nutzung als Fahrstreifen ist daher ausgeschlossen! Der amtlichen Begründung lässt sich ziemlich eindeutig entnehmen, dass die (Mit)Benutzung des Fahrradschutzstreifens durch andere Fahrzeuge nur eine eng begrenzte Ausnahme darstellen darf:

»Für Ausweichbewegungen im Begegnungsverkehr kann der Schutzstreifen durch den Kraftfahrzeugverkehr mitbenutzt werden, wenn auch unter besonderer Vorsicht. Die Abmarkierung solcher Schutzstreifen setzt deshalb aus Gründen der Verkehrssicherheit voraus, dass sich solche Ausweichvorgänge auf eher seltene Fälle beschränken

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Ob Gegenverkehr oder kein Gegenverkehr – das gleiche Bild: Die Fahrbahn gehört mir.

Es ist also klar – Autos haben auf dem Fahrradschutzstreifen nur etwas zu suchen, wenn sie Gegenverkehr ausweichen müssen. Da aber der abzüglich des Schutzstreifens verbleibende Fahrbahnteil so breit sein muss, dass sich zwei Personenkraftwagen gefahrlos begegnen können, ist eine Mitbenutzung des Schutzstreifens eigentlich nur dann notwendig, wenn ein breiter Lastkraftwagen oder Bus als Gegenverkehr auftaucht – dennoch wird der Fahrradschutzstreifen fast grundsätzlich von Autos mitbefahren, egal ob PKW-Gegenverkehr, oder auch bei gar keinem Gegenverkehr (siehe Bild unten).

Wo liegt das Problem?

Nun kann ja durchaus argumentativ die Frage gestellt werden, wo denn im praktischen Sinne ein Problem vorliegt, wenn ein Fahrradschutzstreifen durch ein Auto mit befahren wird, wenn dort kein Radelnder auszumachen ist. Dies mag vordergründig richtig erscheinen, ist aber hier definitiv zu kurz gedacht. Die amtlichen Regelungen ergeben nämlich durchaus Sinn und es ist tatsächlich durchaus sinnvoll und erstrebenswert, dass Fahrradschutzstreifen eben nicht generell durch den motorisierten Verkehr mit benutzt werden – denn die (meist tödliche) Katastrophe ist da, wenn ein Radfahrender versehentlich übersehen wird, und eben nur angenommen wird, der Fahrradschutzstreifen wäre frei!

Das die Möglichkeit des »Übersehens« eben NICHT als extrem unwahrscheinlich einzustufen und von der Hand zu weisen ist, wissen alle, die selbst auch Auto fahren:

Ob irritierende Schatten-/Sonnenwürfe durch Astwerk auf die Fahrbahn, tiefstehende, blendende Sonne, Regen, Dunst, Dunkelheit und all dies noch stark verstärkend verdreckte oder gar zerkratze Scheiben, ebenso wie beschlagende oder (Teil)vereiste Scheiben, ein möglicherweise defektes Rücklicht, etc. sind nicht eben selten. Ebenfalls nicht zu vernachlässigen sind Ablenkungseffekte der Autofahrenden durch Musik, Nachrichten, Telefonate, SMS usw. usw.

Wer als Autofahrender ehrlich ist, muss zugeben, dass dies Fakten sind, die Gewicht haben – ein Rad kann tatsächlich schnell übersehen werden. Wo autofahrender Mensch meint da wäre kein Rad, kann eben doch eins sein. Und Gewicht hat ebenfalls das Fahrzeug – ein Zusammenstoß von 1,5 Tonnen Autostahl mit einem ungeschützten Radfahrenden, endet meistens tödlich für letztere. Ein solcher Unfall zertört nicht selten ganze Familien (derUnfallopfer), sondern meist auch das Leben des Unfallverursachenden selbst, denn Entschuldigungen und Schönreden ziehen nicht, da die Regelungen bzgl. des Fahrradschutzstreifens eindeutig sind – weder vor dem Richter, noch vor sich selbst.

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Der Platz würde locker für zwei KFZ reichen, um mit 50 km/h aneinander vorbei zu fahren, ohne den Fahrradschutzstreifen zu befahren….

Das Fazit kann nur sein

Genau deswegen sollten Fahrradschutzstreifen tatsächlich nur bei echtem Bedarf durch LKW-Gegenverkehr etc., und dann unter ganz besonderer Vorsicht, durch den Kraftverkehr befahren werden! Nur durch eine solche grundsätzliche, zur Gewohnheit erwachsene Nutzungsweise, werden Fahrradschutzstreifen ihrem Namen tatsächlich gerecht und können den RadlerInnen ein Gefühl der Sicherheit geben – sie fühlen sich nämlich dann selbst auf die Gefahr hin, dass sie vielleicht einmal komplett übersehen werden, auf dem für sie reservierten Fahrbahnbereich sicher! Dieses Sicherheitsgefühl kann aber auch eben nur dann entstehen, wenn durch das Verhalten der Autofahrenden immer wieder von neuem gezeigt wird, dass sie den Fahrradschutzstreifen als Sicherheits-Refugium grundsätzlich respektieren – und nicht nur dann, wenn es ihnen meint zu belieben! 

Ebenfalls zu bedenken ist, dass RadlerInnen auch auf einem Fahrradschutzstreifen nicht zu nahe am Fahrbahnrand bzw. im Aufklappbereich von Türen abgestellter Fahrzeuge fahren müssen! Durch die Rechtsprechung bestätigte Sicherheitsabstände zu Gehwegen und Kantsteinen sind 80 bis 100 cm, und zu parkenden Fahrzeugen einen bis zwei Meter! Können diese Abstände auf dem Fahrradschutzstreifen nicht eingehalten werden, kann der Radverkehr also auch durchaus mal auf der gestichelten Linie oder manchmal eben auch zumindest zeitweilig links neben der gestichelten Linie fahren.

Fahren Sie daher bitte mit gutem Beispiel voran – zeigen Sie anderen, wie man richtig fährt und klären Sie zudem andere AutofahrerInnen über die Bestimmungen, und auch warum diese Bestimmungen tatsächlich begründet und sinnvoll sind, auf! Es gibt diesbezüglich viel zu tun. Vielen Dank!

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Tatsächlich ausreichend Platz. Seien Sie bitte ein gutes Beispiel (Fahrzeug im Vordergrund)!