Und wenn du denkst, dümmer geht’s nicht, kommt eine Autobild daher

Verdiente Geste für die Autobild… Foto: http://cycling.claude.de/2017/10/06/auto-bild-hetzer/

»DIE RADFAHRER SPINNEN – Sie treten, spucken, pöbeln. Sie rasen ohne Helm und Licht. Sie klauen uns die Straße. Sind Radfahrer wichtiger als wir Autofahrer?«

»Erst hetzte BILD die Deutschen gegen die Flüchtlinge auf und jetzt Autofahrer gegen Radfahrer. Ohne Hass wären die schon lange Pleite«, schreibt jemand auf Twitter zu dem unverantwortlichen Schund, was das Springer-Haus da mal wieder unter die Leute gerotzt hat. Claude, von CyclingClaude, schreibt dazu einen gepfefferten Artikel, welchen ich einfachhaltshalber – selbstredend mit freundlicher Genehmigung von Claude selbst – (leicht verändert) übernehme:

»Von Seite 38 bis 45 – so wichtig ist Euch das Thema – wird pauschalisiert und gehetzt, dass es kracht. Aus Sicht der Autofahrer und der Fußgänger (seit wann sind die cool für Euch?) wird der Radfahrer nieder gemacht. U.a. von selbst ernannten Verkehrsexperten. Natürlich gibt es Spackos unter den Radfahrern; unbenommen. Ihr stellt es aber so dar, als wenn das was Ihr schreibt nicht nur an der Tagesordnung wäre, sondern von den allermeisten Radfahrern so gelebt würde. Damit macht Ihr Radfahrer zum Freiwild auf der Straße!

Ihr kennt sicher den Durchschnitts-IQ Eurer Leser. Was glaubt Ihr, passiert nach dem Lesen Eures Schundartikels? Der motorisierte Mob fühlt sich im Recht, noch mehr im Recht als sonst. Der motorisierte Mob hupt, schneidet und spielt noch mehr den Oberlehrer bzw. Verkehrserzieher. Blöd nur, dass die selbsternannten Oberlehrer die Verkehrsregeln meist weniger kennen als der Papst ’nen Puff von innen. Aber egal. Mit Eurem Artikel haben sie nun einen Freibrief. Den werden sie ziehen. Der reicht als Legitimation.

Wie viele Radfahrer werden nun zusätzlich vom motorisierten Mob umgenietet, nur weil Ihr ihn aufgegeilt habt? Da hilft auch nicht die Seite 42, wo der radfahrende Auto-Bild-Redakteur Frank Rosin devot erzählt, wie er sich aus allem raus hält, weil er immer freundlich, zurückhaltend und vorausschauend Fahrrad fährt. Die Seite liest der gemeine Auto-Bild-Leser sowieso nicht. Dafür sorgt schon die fette Überschrift, die 1/3 der Seite einnimmt: „DAS MACHT DEN RADFAHRER WÜTEND!“

Was sollte Eure Leser auch interessieren, was den Radfahrer wütend macht? Deshalb hat sich Herr Rosin dann auch gar nicht die Mühe gemacht zu schreiben, was den Radfahrer wütend macht. Stattdessen schreibt er vom Stress auf der Straße, den sich Autofahrer gegenseitig machen, mit dem er jedoch als zurückhaltend devoter Radfahrer nichts zu tun hat. Danke, Herr Rosin. Gut gemacht. In der Redaktionssitzung einen Auftrag bekommen, die Hacken zusammen geschlagen und brav geliefert. Die Kollegen der Bike-Bild schämen sich heftigst fremd, vermute ich.

Unglaublich, liebe Leser, was im Artikel steht. Bspw. wird der „renommierte Publizist“ Harald Martenstein zitiert, der „in Berlin selbst gern auf dem Rad unterwegs“ ist, und deshalb anscheinend automatisch eine gewisse Qualifikation besitzt, seinen Senf als Experte dazu zu geben: „Fahrradfahrer sind eine Wespenplage – sie werden regelrecht wild, wenn man ihre Kreise stört.“ Auf die Palme bringt mich die folgende Passage: „Kein Vegetarier würde vor einem Steakhouse wutentbrannt mit Bananen auf Gäste werfen. Warum also hämmern einem Fahrradfahrer bei voller Fahrt aufs Autodach, während man sie überholt?“

Hauke Schrieber – so der Verfasser der Hetze – scheint gar nicht kapiert zu haben, was er da schreibt. Erstens würde ein Fahrradfahrer keinem Auto aufs Dach hauen, das einen bei voller Fahrt überholt. So bescheuert ist niemand; einfach zu gefährlich. Zweitens aber, lieber Herr Hauke Schrieber, wenn ein Auto so überholt, dass man mit Armlänge aufs Dach kommt, dann hat das Auto viel zu dicht überholt. Reflektieren Sie das bitte mal.

Stattdessen mein Rat, liebe Leser: Nicht kaufen, aber nehmt das Schundblatt beim nächsten Supermarktbesuch einfach mal in die Hand und riskiert ein Auge. Aber Vorsicht! Bitte nicht vor’s Zeitschriftenregal kotzen. Das kann nämlich schnell passieren.«

Den gibt es eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Außer vielleicht noch Claudes #drecksblattverstecken – mach‘ mit – Aktion zu erwähnen…

Wir dürfen das

Alltag für RadfahrerInnen. Der motorisierte Verkehr nimmt sich einfach das Recht andere zu gefährden. Bildquelle: www.bitte-freimachen.de

RadfahrerInnen und FußgängerInnen werden – vor allem in den Städten – tagein tagaus mit parkenden Autos auf Ihren Wegen konfrontiert. Zugestellte Straßeneinmündungen sowie zugeparkte Radfahrstreifen und Radwege prägen das Bild im Straßenverkehr. Unzufriedenheit und Frust bei den betroffenen RadfahrerInnen und FußgängerInnen ist die Folge. Dies sind die Ergebnisse des ADFC-Fahrradklimatests.

Dürfen die das? Nein, ihr dürft das nicht! Und diese Feststellung bezieht ihr Gewicht nicht in erster Linie aus den Paragraphen der StVO, sondern aus den grundlegenden Normen des sozialen Verhaltens gegenüber Mitmenschen. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club Niedersachsen und die Landesverkehrswacht haben daher die Aktion ›Bitte Freimachen‹ ins Leben gerufen. Mit Flyern im Postkartenformat sollen FalschparkerInnen auf Ihr Fehlverhalten hingewiesen werden. Laut ADFC werde dabei auf eine Belehrung mit dem erhobenen Zeigefinger bewusst verzichtet und ein positiver und aufklärender Hinweis soll für mehr Rücksicht und mehr verständnisvolles Miteinander im Straßenverkehr werben.

Daniel schreibt in seinem bekannten Blog dazu:

»Die Aktion ist durchaus gut gemeint und gibt Radfahrern wenigstens ein klitzkleines Mittel gegen Falschparker in die Hand. Und trotzdem zeugt sie von einer gewissen Hilflosigkeit und überdeckt das eigentliche Problem: Städte kommen ihren Pflichten bei der Verkehrsüberwachung nicht nach. Sie sind es nämlich, die Falschparker konsequent sanktionieren müssten. Postkarten werden bei den typischen »Nur mal kurz…«-Radwegparkern kein Verhalten ändern. Die fast lächerlich geringen deutschen Bußgelder allerdings auch nicht. Das wäre dann ein zweites eigentliches Problem. Geringe Kontrolldichte + niedrige Bußgelder = Falschparkerparadies Deutschland.«

Hier kann ich Daniel nur eines – nämlich zustimmen. Keine Frage, es gibt eine Menge Autofahrende, welche überlegt und sicherheitsbewusst ihre 1,5 Tonnen Stahl durch den Verkehr bewegen, durch den wir uns ohne Knautschzone durchackern. JedeR von uns macht jeden Tag hier oder dort solcherlei positive und erfreuliche Erfahrungen. Aber leider macht eben auch jedeR von uns Erfahrungen, die absolut gegensätzlich, nicht nur antisozial, sondern schlichtweg gefährdend, manchmal sogar lebensbedrohlich für uns bikende oder zu-Fuss-gehende sind. Wie lange noch?

Fazit

Es bleibt dabei: Wenn wir Radfahrende uns sicherer durch den urbanen Raum bewegen wollen, bedeutet dies fraglos, dass wir uns konsequent und mit Nachdruck für unsere Rechte (und Sicherheit) selbst stark machen müssen! Wie wir dabei erfolgreich vorgehen, habe ich hier beschrieben und wie so etwas dann konkret aussehen kann, kannst du hier lesen. Richtig, das erfordert sicherlich von dir ein bisschen »Arsch in der Hose«, aber es ist zum einen kein Hexenwerk und zum anderen lohnt es sich. Außerdem geht das Procedere von mal zu mal flotter von der Hand.

Letztlich muss uns allen klar sein, dass wir lernresistente Autofahrende nachhaltig nur erreichen, wenn Ordnungsämter und Polizei Hand in Hand über einen längeren Zeitraum konsequent gegen Radweg- und Falschparker vorgingen und zeigen, dass dieses Verhalten nicht geduldet wird. Dies gepaart mit empfindlicheren Strafen, würden das Problem in Windeseile beseitigen. Helfen wir dabei. Ich wünsche gute Jagd!

Welch Augenweide… Bye, bye, Assi!

Kiel: Döner jetzt 300 Euro

Radweg blockiert – Radelnde müssen in den fließenden Verkehr auf der Fahrbahn ausweichen. Gefährdung im Straßenverkehr!

Die Döner sind aber auch nur in Kiel dann so teuer, wenn Autofahrende meint, rücksichtstlos auf dem Radweg zu parken und ausgerechnet dann ein Radelnder mit »Arsch in der Hose« vorbei kommt und 110 anruft. Gut gemacht!

Mein Artikel über die Radweg-ParkerInnen und unsere Antwort darauf hat offenbar auch andere motiviert. Das ist fein. Folgende Nachricht bekam ich vorhin per Jabber/XMPP von einem engagierten Critical-Mass-Fahrenden:

»Naja, sie auf dem Radweg und ging in den Dönerladen. Ich also 110 angerufen, Typ an der Leitstelle super freundlich, meinte sofort „Jo, gerade Streife in der Nähe ich schick die mal, wir Radfahrer müssen ja zusammenhalten“. Streife kam innerhalb von 2-3 Minuten, beide Recht jung und motiviert, der eine sofort wieder zum Auto, Abschleppwagen rufen. Die Olle [Fahrerin] im Dönerladen bekommt nichts mit. Abschleppwagen auch innerhalb kürzester Zeit da, steht dann daneben, schon am Kran ausschwenken, kommt sie raus. Zetern beginnt. Dann, verschmitzt „Naja, kann ja nicht so teuer sein. Muss ja jetzt nicht abgeschleppt werden.“ Polizist grinst „Stimmt. Nennt sich jetzt verhinderte Umsetzung. 300€ kostet das.“ Ihre Kinnlade war dann auch erst mal unten. Naja, und ich steh daneben, irgendwann bekommt sie mit, dass ich wohl die Polizei gerufen habe, guckt mich ganz böse an. Ich grinse also freundlich zurück. Polizei und Abschleppdienst ziehen von dannen, sie steigt in ihre Blechbüchse und guckt mich an als ob sie mich überfahren will.«

An alle: Ich bitte um weitere Zuschriften. Lasst uns unsere Fahrwege sicherer machen! Jetzt! Kein Pardon mehr für Rücksichtslosigkeit! Ach, und ein Danke schön an die Beamten der Kieler Polizei.

 

Radweg? Halteverbot? Egal!

RadfahrerInnen müssen wegen falschparkenden Fahrzeugen immer wieder in den viel schnelleren und zudem viel schwereren Kraftfahrzeugverkehr einfädeln. Das ist kein Kavaliersdelikt, das ist eine Gefährdung, welche den Regelfall für eine Umsetzung (Abschleppen) darstellt. Also sofort 110 anrufen!

Warnblinker an und rauf auf den Radstreifen oder Radweg. Es reicht – zugeparkte Radwege (und Fußwege) gefährden die schwächsten Verkehrsteilnehmer. Es kommt immer wieder zu schweren Unfällen, weil Mensch auf dem Fahrrad sich wegen eines eben mal kurz (illegal) haltenden Autos zwischen rasende Metallmaschinen werfen muss. Es ist Zeit, zurück zu schlagen und unsere Rechte einzufordern!

Eine Ermunterung zum Mitmachen

Die Lösung ist dabei ganz einfach. Sie lautet: RadwegparkerInnen konsequent umsetzen lassen! Denn das wird teuer für den Halter oder Halterin und das ist (offenbar) die einzige Sprache, die von solchen Menschen verstanden wird.

Andreas Schwiede aus Berlin hat es dem ganzen Lande mit seinen beachtlichen Erfolgen in Berlin vorgemacht und in immer mehr Städten beginnen Radfahrende und FußgängerInnen sich gegen das rücksichtslose, vor allem aber das gefährliche Verhalten von Autofahrenden zu wehren. Höchste Zeit, dies in Kiel endlich auch mal flächendeckend zu tun – wir sind schließlich zahlreich. Je mehr Meldungen wir generieren, um so genervter ist die Polizei und ich garantiere (aus eigenen Erfahrungen), dass dann in Zukunft Maßnahmen im Vorab erfolgen, statt weg zu sehen.

Anleitung zum Handeln

Wie aber geht radelnder Mensch am besten vor, wenn dieseR auf ein solches Fahrzeug stößt? Den Spiegel abtreten? So etwas würden wir ja nie tun. Besser ist es, die verantwortlichen Ordnungskräfte zum Handeln aufzufordern. Andreas Schwiede hat diesbezüglich eine Anleitung online gestellt, die ich folgend etwas überarbeitet habe. Also Leute, bitte mitmachen – so geht’s:

Erstens: 110 anrufen (Leitstelle der Polizei): Mit dem eigenen Namen melden und sagen, dass du eine Verkehrsbehinderung melden willst.

  • Genauen Ort mit Stadtteil, Straße, Hausnummer/Kreuzung nennen.
  • Nicht sagen, dass du einen Falschparker melden willst! Du meldest eine Verkehrsbehinderung bzw. Verkehrsgefährdung!
  • Lasse keine Möglichkeit zum Missverstehen des Ortes zu!
  • Entweder vor Ort bleiben (besser) oder – falls nicht möglich – weiterfahren. 110 hat die Telefonnummer automatisch, Streife ruft dann zurück.
  • Wenn 110 auf App oder Online-Meldung der Ordnungsämter verweist, freundlich darauf hinweisen, dass diese Meldungen von den Ordnungsämtern nicht schnell genug bearbeitet werden. Und da Radfahrerende konkret behindert und gefährdet werden, muss sich jemand so schnell wie möglich vor Ort kümmern.
  • Wenn 110 versucht auf „Verkehrsordnungswidrigkeit“ herunterzustufen, entgegnen: „Nein, eine Behinderung, sogar Gefährdung! Regelfall liegt vor!“ (siehe Info ganz unten)

Zweitens: Eintreffen von Ordnungsamt oder Polizeistreife.

  • Bestenfalls: Streife kommt, holt orangefarbenen oder roten Block heraus, fragt über Funk das Kennzeichen ab und fängt an, aufzuschreiben. Dann kommt gleich der Abschleppwagen. Wenn der Fahrer vorher auftaucht, kommt es zu einer teuren „vermiedenen Umsetzung“.
  • Deine Personalien werden als Zeuge notiert (keine Angst, das hat keine Folgen für dich).

Was tun, wenn sich die Ordnungshüter verweigern?

Es kommt mitunter vor, dass die Polizei oder das Ordnungsamt versucht, die entsprechenden Maßnahmen zur Beseitigung der Gefährdung (Umsetzung) abzuwimmeln. Oder die Polizei auch mal gerne behauptet, dass für den ruhenden Verkehr die Ordnungsämter zuständig seien, was im Fall zugeparkter Radwege jedoch falsch ist, denn ein zugeparkter Radweg stellt eine Verkehrsgefährdung dar, deren Beseitigung tatsächlich in der Zuständigkeit der Polizei liegt. Wenn dies passiert, keine Panik – ruhig bleiben, es gibt kein Entkommen!

Folgend einige Argumentationshilfen:

Polizei: „Wir sind nicht für Falschparker zuständig, das ist Sache des Ordnungsamts.“
Antwort: „Sie sind zuständig, da das Ordnungsamt offensichtlich nicht verfügbar ist (sonst wäre es gekommen).

Polizei: „Das ist unverhältnismäßig, ich habe einen Ermessensspielraum.“
Antwort: Dies ist der Regelfall (wichtiges Stichwort, siehe Info ganz unten!!) für eine Umsetzung! Bitte beseitigen Sie die Verkehrsbehinderung.“

Polizei: holt grünen Block heraus, um Strafzettel zu schreiben oder sagt „Gut, dann schreiben wir eine Anzeige, wir müssen immer das mildeste Mittel wählen.“
Antwort: „Bitte beseitigen Sie die Verkehrsbehinderung! Das mildeste Mittel muss dazu ebenfalls geeignet sein (laut Allgemeinem Sicherheits- und Ordnungsgesetz, ASOG) – es muss also die Verkehrsbehinderung wirklich beseitigt werden – und das tut ein Strafzettel definitiv nicht!“ Vor einer  Umsetzung kommt als ›milderes Mittel‹ nur in Frage, dass man den Fahrer oder die Fahrerin ausfindig machen kann und dieseR das Fahrzeug selber entfernt (was aber ebenfalls nicht umsonst ist – Stichwort vermiedene Umsetzung).

Polizei: „Sie können doch vorbeifahren.“
Antwort: „VerkehrsteilnehmerInnen werden durch dieses Fahrzeug gefährdet. Beim Vorbeifahren müssen 1,5 m Sicherheitsabstand möglich sein (etliche Urteile) und zwar zu allen Seiten“.

Geht nicht, gibt’s nicht!

Manchmal weigern sich Beamte dennoch partout entsprechend zu handeln (meistens sind das notorische Autofreunde, welche – wer weiß das schon – vielleicht selbst gern mal so ihr Fahrzeug abstellen). Dann lasse dir als erstes von dem oder der BeamtenIn die Dienstkarte aushändigen (darauf steht die Dienstnummer). Anschließend rufe die Polizeidirektion an (0431 160-0) und verlange die Wachleitung. Das Gespräch verläuft dann in etwa so:

„Spreche ich mit dem Wachleiter/der Wachleiterin?“ (Erst versichern, ob du richtig verbunden bist, möglichst den Namen aufschreiben). Der Wachleitung mitteilen, dass eine Funkstreife vor Ort ist (wichtiger Hinweis, dass es dringend ist). Dann den Sachverhalt kurz erläutern, und unbedingt ansprechen, dass ein Regelfall für die Umsetzung laut Geschäftsanweisung der Polizei vorliegt und die Beamten vor Ort sich weigern, entsprechend zu handeln. Darum bitten, dass der Wachleiter oder die Wachleiterin die Beamten anruft und auffordert, gemäß der Geschäftsanweisung die Behinderung zu beseitigen!

Bestenfalls klappt es jetzt. Falls es nicht klappt: Alles aufschreiben und gern an mich schicken, damit es gesammelt, veröffentlicht und entsprechende Gespräche etc. mit den Vorgesetzten der Wachleiter geführt werden können.

Meine Vorgespräche mit dem Kieler Ordnungsamt

Bereits am 5. Juli habe ich mit Herrn Wille vom Ordnungsamt Kiel, als zuständigen Abteilungsleiter, über dieses Thema telefonisch gesprochen. Ich wollte mich mit ihm, vor der Veröffentlichung dieses Artikels, auf ein gemeinsames Vorgehen verständigen. Das Gespräch war freundlich und offen und seiner Aussage nach, liegt ihm diese Angelegenheit auch sehr am Herzen. Er bat mich allerdings, den Sachverhalt noch einmal schriftlich über die Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Kiel einzureichen, welche dann diese Mail an ihn als zuständigen Sachbearbeiter zukommen ließe und er auf diese dann offiziell antworten könne (Dienstweg). Eine Antwort sollte innerhalb weniger Tage erfolgen.

Die Tatsache, dass bis heute keine Antwort erfolgte, ist ein Fingerzeig darauf, dass auch das Kieler Ordnungsamt nicht sehr motiviert zu sein scheint, solcherlei Verstöße zu ahnden. Das ist sehr bedauerlich, denn von falschparkenden Fahrzeugen geht regelmäßig eine negative Vorbildwirkung aus – andere werden animiert, ebenso zu parken. Andersherum spräche sich ein konsequentes Abschleppen herum – wenn an einer Stelle regelmäßig abgeschleppt würde, merken sich das AutofahrerInnen. Strafloses Falschparken macht Autofahren attraktiver als es wirklich ist – wer davon ausgeht, immer in zweiter Reihe vor der Haustür, Eisdiele, Pommesbude parken zu können, fährt öfter Auto als angemessen.

Vielleicht kommt ja doch noch eine Antwort und eine gemeinsame Strategie zustande. Bis dahin rufe ich alle auf, mich bei der „Sichermachung“ unserer Wege zu unterstützen! Fragen dazu beantworte ich sehr gern per E-Mail (siehe Kontakt-Seite) oder stimme mich mit dir/euch ab.

Zweimal an einem Tag gesehen. Hier habe ich mal eben angehalten und Fotografiert. Tolle Leistung und Vorbildfunktion, Kieler Polizei…
Super oder? Hier müssen wir sogar noch in eine Kurve einfahren, was unsere Sichtbarkeit auf der Fahrbahn durch die Krümmung der Kurve zusätzlich verschlechtert – von den von hinten kommenden Fahrzeugen werden wir noch später wahrgenommen.
Diese Galerie ist beliebig erweiterbar….

 

Urteile für Regelfall für Umsetzung (Abschleppen) Radweg
Ist ein Radweg zugeparkt, MUSS die Polizei umsetzten lassen. Da ist nix mehr mit Ermessensspielraum. Weigert sich der/die BeamtIn dennoch, hat dies im Fall einer Beschwerde Konsequenzen für diese/n. Also, nicht nachgeben – Umsetzung einfordern!

OVG Münster (Beschluss vom 15.04.2011 – 5 A 954/10):

Das Abschleppen verbotswidrig abgestellter Fahrzeuge ist im Fall der Behinderung von anderen Verkehrsteilnehmern regelmäßig geboten. Entsprechendes gilt im Fall eines nicht nur unerheblichen Hineinragens eines Fahrzeugs in einen Radweg. Radfahrer müssen grundsätzlich nicht damit rechnen, dass der Radweg auch nur teilweise blockiert ist. Eine Behinderung liegt insbesondere vor, wenn der benutzungspflichtiger Radweg zu einem Drittel blockiert ist.

VG Düsseldorf (Urteil vom 29.11.2016 – 14 K 6395/16):

Ein seiner baulichen Gestaltung nach eindeutig für die Benutzung durch Radfahrer bestimmter Straßenteil ist auch ohne Kennzeichnung durch Zeichen 237 ein Radweg. – Ein parkendes Kfz darf [also auch hier] gebührenpflichtig abgeschleppt werden. Dies gilt im Regelfall auch dann, wenn der Zweck des Abschleppens allein in der Beseitigung des in einem verbotswidrigen Parken liegenden Rechtsverstoßes gelegen hat, ohne dass eine konkrete Verkehrsbehinderung vorgelegen haben muss.

⇒ Service: Dieser Text als pdf-Dokument für die Hosentasche 😉

Warum AutofahrerInnen uns hassen

Ist doch nur eine Lappalie… Da kann Mensch doch noch locker vorbei.

Natürlich tun dies nicht alle. Es gibt etliche, die rücksichtsvoll und verantwortungsvoll agieren. Aber wir stehen dennoch immer wieder vor der Frage, weshalb sich einige AutofahrerInnen uns RadfahrerInnen gegenüber beständig so verhalten, dass sie unseren Tod in Kauf nehmen. Warum vergessen sie immer wieder, dass ihr Fahrzeug gegen den ungeschützten Körper eines Radelnden eine tödliche Waffe sein kann und überholen Radfahrende oft viel zu knapp und zu schnell? Weshalb hupen sie radelnde Menschen gnadenlos fast vom Rad oder pöbeln rechtmäßig auf der Fahrbahn fahrende RadfahrerInnen regelmäßig an? Und weshalb werten viele Autofahrende mit zweierlei Maß? Tempoüberwachung der eigenen Geschwindigkeit wird als »Abzocke« abgeurteilt, aber gleichzeitig werden Nummernschilder für Fahrräder gefordert, damit Fehlverhalten von Radfahrenden besser kontrolliert werden können. Weshalb legen Autofahrende für sich die Regeln lasch aus (Parken auf Gehwegen, Parken auf Radwegen, Überhöhte Geschwindigkeit, zu niedrige Sicherheitsabstände etc.), fordern aber für RadlerInnen Führerscheine und Radkennzeichen? Diesen Fragen ist Tara Godddard in ihrer Doktorarbeit nachgegangen. Das Ergebnis ist erschreckend: Viele da draußen, mit ihren 1,5 Tonnen todbringenden Stahl unterm Hintern, haben mental leider noch nicht mal ihre Höhle verlassen.

Unser Verhalten wird stark von dem beeinflusst, was wir denken und glauben. Wenn bspw. RadfahrerInnen von AutofahrerInnen für unwichtig gehalten werden, dann werden sie schneller übersehen. Wir wissen, die Sicht auf Radfahrer ist häufig geprägt von dem Gefühl, diese hätten auf der Fahrbahn nichts zu suchen, weil dieses Recht dem Auto vorbehalten ist. Untersuchungen bspw. zeigten, dass FahrerInnen großer SUV seltener an FußgängerInnenüberwegen halten, als FahrerInnen kleinerer Wagen. Je größer oder schneller und vor allem teurer das Auto ist, desto überlegener halten sich die Insassen gegenüber alle anderen VerkehrsteilnehmerInnen.

Richtig, das klingt nach Steinzeitniveau, aber dies entspricht ganz klar unseren hierarchisch organisierten (kapitalistischen) Gesellschaften, die viele als normal ansehen. Statt einem Miteinander wird ausgegrenzt und klein gemacht. Autofahrende fühlen sich allein durch die Größe ihres Fahrzeuges in der privilegierten Mehrheit (optische Präsenz) und darum glauben diese sich auch als ganz oben in der Hierarchie stehend. Ganz automatisch werden daher auch mehr Rechte und Vorteile für sich selbst reklamiert, als sie den »niederen Schichten« zugestehen wollen – Beispiele habe ich in der Einleitung aufgeführt. Die Autogesellschaft ist gerade einmal hundert Jahre alt, dominiert aber heute den urbanen Raum vollständig und definiert die Verkehrsregeln für alle, auf Basis des allgemein anerkannten Glaubens, dass nur wer mit dem Auto fährt, mobil und frei (und fördernswert) ist. Häufig ist noch heute die 1950er Jahre-Einstellung vorzufinden, dass alle die kein Auto fahren, es sich entweder nicht leisten können oder StudentInnen sind. All dies führt dazu, dass je stärker sich eine Gruppe fühlt, desto ungenierter zeigt sie ihre Verachtung, diskriminiert die, die nicht dazu gehören, und schüchtert diese ein – in diesem Fall mit Hilfe ihres Autos.

Machtkampf mit der Keule

Klar muss sein, dass außer Autofahrenden kein anderer Mensch auf der Fahrbahn oder der gesamten Straße jemanden verletzen kann, ohne dabei selbst nicht auch verletzt zu werden. Wenn bspw. der oder die oft aus dem Hut gezauberte KampfradlerIn mit zu Fuß gehenden zusammen stößt, fallen in der Regel beide um. Bitter wird das zuvor beschriebene Selbstverständnis dann, wenn Goddard mit vielen Umfrageergebnissen in der Dissertation belegt, dass die überzeugtesten AutofahrerInnen beispielsweise gar nicht willens sind, sich nach Radfahrenden um zuschauen, wenn sie abbiegen. Sie sind ihnen tatsächlich egal (sie stehen ja unter ihnen)! Und je mehr sie RadfahrerInnen hassen, desto eher sind sie auch bereit, sie totzufahren.

Charakteristisch – der Überholzwang

Goddard hat herausgefunden, dass der Zwang zum Überholen vom Alter, der sozialen Stellung und dem Gefühl des Autofahrenden unterstützt wird, selbst im Recht zu sein. Fatal ist, dass ein Überholmanöver stets (auch) mit einem (wütenden) Bedürfnis einher geht, zu bestimmen, andere zu kontrollieren oder zu bestrafen. Die Grundlage dieser Gefühle ist der tief sitzende Glaube, dass RadfahrerInnen den Autoverkehr nicht aufhalten dürf(t)en.

Erstaunlich ist, schauen wir einmal in uns selbst als RadfahrerInnen hinein, dass wir dabei feststellen müssen, dass auch wir RadfahrerInnen diesen Glauben mitunter teilen. Es klingt absurd, aber es scheint so zu sein, denn, so Goddard, wenn wir auf dem Rad hinter uns ein Auto spüren, dann nehmen wir selbstverständlich an, dass der Fahrer ungeduldig wird, wenn er uns nicht überholen kann. Manche von uns versuchen Platz zu machen, wo gar keiner ist, bei anderen steigt der Adrenalinpegel. Das gleiche erleben übrigens AutofahrerInnen, die ein vor ihnen fahrendes Rad nicht überholen können – sie nehmen selbstverständlich an, dass die nachfolgenden AutofahrerInnen hinter ihnen vor Wut schäumen, weil sie den radelnden Menschen nicht überholen.

Regelverstöße durch Autofahrende als Kavaliersdelikt

Wir alle beobachten: In unserer Gesellschaft findet Wut auf Radfahrende, welche die Regeln nicht einhalten, viel Anerkennung und Zustimmung. Wann immer sich im Gespräch eine Gelegenheit bietet, wird auf Radfahrende geschimpft und es werden etliche Beispiele für ungeheuerliches Verhalten angeführt. Auf Autofahrende hingegen schimpft man nicht mit soviel Wut. Ihr Fehlverhalten sieht die Gesellschaft mit ungeheurer Nachsicht und bringt gleichzeitig viel Verständnis für die Begründungen auf, welche die ertappten für eklatante Regelverstöße anführen. Das geht bis weit in die Polizei und Staatsanwaltschaften hinein. Wir leben also in einer Gesellschaft, die das Autofahren als berechtigte Machtdemonstration allen anderen gegenüber akzeptiert und unterstützt.

Radfahrende werden gebrandmarkt

Ein weiteres Kennzeichen für die Dominanz einer Gruppe ist, dass je mehr Menschen RadfahrerInnen hassen, desto lauter wird auch darüber geredet und gefordert, dass diese kontrolliert werden müssten (ganz gleich, ob deren Regelverstöße wirklich erwähnenswert oder gar gefährlich für andere sind). Für die niederen RadfahrerInnen wird bspw. gefordert, dass sie Helme aufzusetzen und Warnwesten anzuziehen haben – sich also als RadfahrerIn von allen anderen unterscheidbar machen müssen. Was unter dem Deckmantel der Sicherheit durch (angeblich) bessere Sichtbarkeit verkauft wird, ist aber letztlich eine Stigmatisierung einer Gruppe, die es zudem sogar noch leichter macht, RadlerInnen aufs Korn zu nehmen: Wer als RadlerIn verkleidet ist, wird knapper überholt und eher geschnitten als Radfahrende, die eher wie FußgängerInnen aussehen, zeigen Studien.

Diese dominante Gruppe, die für sich selbst die Regeln lasch auslegt, schickt die aus ihrer Sicht unter ihnen liegende Gruppe dann auch hemmungslos auf freigegebene Gehwege und eine minimal-Radinfrastruktur, die sie aus ihrer beschränkten Sicht für sicherer oder ausreichend erklärt, ohne dass sie es wirklich ist. Eine solche Gesellschaft, macht Verkehrsregeln fast ausschließlich für den Autoverkehr, zum Nachteil aller anderen. FußgängerInnen und RadfahrerInnen müssen an zum Teil für sie total sinnfreien Ampeln warten oder Regeln einhalten, die sie aufgrund ihrer Wendigkeit, geringen Masse und viel besseren Übersicht gar nicht bräuchten.

Für uns Radfahrende bleibt es ein langer und anstrengender Weg, diese gesellschaftlichen Normen beständig zu bearbeiten und zu traktieren, um sie eines Tages zu Fall zu bringen. Ich muss zugeben, mein Kopfkino kann sich da wahrlich deutlich schöneres vorstellen…

Info: Link zur Dissertation »Exploring Drivers’ Attitudes and Behaviors toward Bicyclists: The Effect of Explicit and Implicit Attitudes on Self-Reported Safety Behaviors«

Studie zur Dooring-Gefahr

Auch wenn es in diesem Falle behaglich aussieht – kein Radfahrender möchte Bekanntschaft mit einer sich plötzlich öffnenden Autotür machen.

Das Radkompetenz-Mitglied Rosinak & Partner hat in Österreich im Auftrag des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV) eine umfangreiche Studie über das Radfahren entlang von parkenden Fahrzeugen und den damit verbundenen Risiken durchgeführt. Es wurden zehn Standorte mittels Videoanalysen untersucht und RadfahrerInnen und FahrzeuglenkerInnen befragt. Die Ergebnisse zeigen ein deutliches Gefährdungspotenzial für RadfahrerInnen: Im Durchschnitt über alle 10 Standorte bewegen sich drei Viertel aller beobachteten RadfahrerInnen innerhalb des Türöffnungsbereich eines Kfz, der sogenannten »Dooring-Zone«.

In diesen 75 cm breiten Bereich neben den parkenden Autos am Rande der Fahrbahn laufen RadfahrerInnen Gefahr, engere Bekanntschaft mit sich plötzlich aufgehenden Autotüren zu machen. Aber nicht nur das – in der Studie wurde überdies noch einmal verdeutlicht, was hier im Critical Mass Kiel – Blog immer wieder Thema ist: Ganze 80% der Kfz-LenkerInnen halten bei den Überholvorgängen den erforderlichen Sicherheitsabstand zu RadfahrerInnen nicht ein! Drei Viertel der befragten RadfahrerInnen waren schon in einen Unfall oder eine kritische Situation mit aufgehenden Autotüren verwickelt. Die Studie ist zwar in Österreich gemacht worden, aber ich glaube niemand wird ernsthaft anzweifeln, dass sich die Ergebnisse auf hiesige Verhältnisse übertragen lassen.

Für weitere Informationen und Bilder zur Studie lese bitte direkt den Artikel von radkompetenz.at (Link öffnet in neuem Tab/Fenster). Eine Präsentation der Studienergebnisse findest du hier als pdf-Dokument (Link öffnet in neuem Tab/Fenster).

Wir dürfen das!

Selbst hier (Schönberger Straße), wo alle paar hundert Meter große Schilder auf des Radfahrenden Recht hinweisen, wird immer wieder geschnitten, gehupt und gepöbelt, wenn die Fahrbahn mit dem Rad benutzt wird. Das ist leider kein Einzelfall.

Stupidität hat die deutschen Straßen fest im Griff. Leider. Ein tumber Haufen Testosteron-gesteuerten und lernresitenten Bodensatzes zertrampelt verlässlich alle zarten Pflänzchen einer sich entfaltenden Umsicht und Vernunft im allgemeinen Miteinander des Straßenverkehrs. Alles, was diese »Vernunftbefreiten mit Führerschein« als Behinderung ihrer eigenen, oft grenzen- und zügellosen Freiheitsausübung als Bedrohung wahrnehmen – und sei es nur der vor ihnen radelnde Mensch –, wird terrorisiert. RadfahrerInnen werden geschnitten, weg-gehupt, bepöbelt, absichtlich gefährdet, umgefahren und manchmal eben auch getötet. Wer auf deutschen Fahrbahnen keine Knautschzone hat, lebt dank der verlässlichen Existenz dieser hirnlosen Steinzeitmenschen gefährlich. Und so waren die kritischen Massen in Deutschlands Städten nie so wichtig, wie heute. Wir müssen rauf aufs Rad und rauf auf die Fahrbahn – und zwar wirklich in Massen! Wir müssen aufstehen und für unser Recht, was nicht selten mit unserem Überleben einhergeht, kämpfen. Komm auch du zur Critical Mass!

Wir alle kennen diese Situationen. Du fährst mit deinem Rad auf der Fahrbahn, während sich neben dir ein Fahrradweg befindet. Schon hast du die Arschkarte gezogen, denn solide darfst du innerhalb kürzester Zeit erfahren, »wie es dir mal wieder so richtig gezeigt wird«, wo du gefälligst mit deinem Fahrrad zu fahren hast. Da spielt es auch keine Rolle, ob du dich vollkommen in Übereinkunft mit der StVO verhältst. Oder aber du fährst auf einem benutzungpflichtigen Radweg und triffst dort in verlässlicher Regelmäßigkeit auf Kraftfahrzeuge, welche den Radweg mit einem Pkw-Parkstreifen verwechseln. Sicherheitsabstände und reduzierte Geschwindigkeit beim Überholen? Glückssache. Respektierung von Fahrradschutzstreifen? Da wird einfach mit dem Auto drüber gefahren – der liegt doch schließlich auf meiner Fahrbahn. Anerkennung des Radverkehrs, als gleichberechtigte VerkehrsteilnehmerInnen? Nur, wenn diese lahmen, »links-grün-versiften« RadfahrerInnen das auto fahrende Individuum in seiner herbei-phantasierten, als göttlich verbrieftes Recht wahrgenommenen Freiheitsausübung, nicht in die Quere kommen.

Das, was Radfahrende täglich erleben (müssen), ist nicht nur gefährlich für den eigenen Leib, sondern schlicht unzulässig, da rechts- oder ordnungswidrig und nicht selten strafbar und kriminell.

Unkenntnis, Anmaßung oder Charakterschwäche?

Einzelfälle? Neben vielen rationalen und vernünftigen Menschen, die rücksichtsvoll und bedacht mit dem Auto fahren und welche sich sogar dann, wenn ihnen selbst einmal Unrecht im Straßenverkehr widerfährt, ihrer »Waffe auf vier Rädern« bewusst sind, gibt es persistent diesen unübersehbaren Anteil an Menschen (meist Männer), die eben dieses Bewusstsein nicht mitbringen.

Wieso verhalten sich Menschen so? Das nicht wenige, der zuvor beschriebenen Spezies, schlicht und einfach die Regelungen der StVO nicht kennen, ist das eine, aber muss deswegen zwangsläufig auch die Vernunft aussetzen und das Leben anderer mit dem eigenen Panzer auf vier Rädern gezielt gefährdet werden?

Nach § 3 Abs. 1 Satz 1 StVG ist die Fahrerlaubnis zu entziehen, wenn der oder die InhaberIn sich als ungeeignet oder nicht befähigt zum Führen von Kraftfahrzeugen erweist. Das schließt die charakterliche Eignung ganz eindeutig mit ein. Wer beispielsweise einem Radfahrer oder einer Radfahrerin absichtlich schneidet und gefährdet, ist eindeutig charakterlich nicht befähigt, weiterhin ein Kraftfahrzeug zu lenken. Solche Typen müssen aus dem (Kraftfahrzeug)Verkehr gezogen werden. Schonungslos.

Feindbild – der pöse, pöse Radfahrer

Die Alibidebatte. Natürlich höre ich bereits die Schreie: »Aber die Radfahrer, aber die Radfahrer! Was die so immer machen! Für die gelten doch gar keine Regeln, die glauben doch, die können sich alles erlauben! Fahren über rot oder quer über die Kreuzung!« etc. etc. etc.

Das ist lahm. Nichts anderes, als Ablenkung. Warum? Ganz einfach deshalb, weil ein solches Verhalten, wenn überhaupt, Autofahrende nur peripher tangiert. Freilich gibt es unter Radfahrenden (genau wie in allen anderen Bevölkerungsgruppen) ebenfalls Typen (auch hier fast ausschließlich männliche Exemplare), welche sich so mies verhalten, dass Menschenleben gefährdet werden – nur in diesem Falle betrifft dies ausschließlich FußgängerInnen, da diese noch schwächer sind als der Radverkehr und eben keine Autofahrenden. Gegen den Blechpanzer eines Autos, kommt nämlich auch der brutalste Radikalinski-Radfahrer nicht an.

Sich also aufgrund solcher hirnlosen Radfahrenden als Dirty-Harry-Autofahrender, als Rächer der Schwachen, aufzuspielen, ist zum einen aufgrund der zuvor beschriebenen Pkw-Panzerung nicht nur ausgesprochen absurd, sondern schlicht und einfach nichts andres, als eine ziemlich lahme Ausrede für das eigene, widerwärtige Verhalten. Und ich lege noch einen drauf, denn meiner Meinung nach ist ein solches Verhalten von Autofahrenden eher Ausdruck und Ventil von Frustrationen gegenüber Radfahrenden, welche hier und dort eben auch mal viel schneller vorankommen als Mensch selbst in seiner Blechkiste – eben weil sie nicht im Stau stehen müssen und zudem Abkürzungen fahren können. Es birgt zweifellos eine gewisse Tragik: All das, obwohl ihr soviel Geld für euer geliebtes, klimakillendes und krankmachendes Töff-Töff ausgegeben habt. Ja, das ist wirklich gemein.

Aua, aua, aua…

Wer Schwächere gezielt gefährdet, aus welchem Grund auch immer, gehört ganz allgemein aus dem Verkehr gezogen – ob als Autofahrende oder Radfahrende. Wenn aber Kraftfahrzeuglenkende ein solch, dummes Fehlverhalten einzelner Radler undifferenziert betrachten, pauschalisieren und als Rechtfertigung für das eigene, bisweilen höchst-gefährliche Verhalten gegenüber allen RadlerInnen (und zuweilen auch zu Fuß gehenden) heran ziehen, sind sie zu alle dem auch noch unglaubwürdig.

Der gefährliche Unterschied

Die Gefahr im Straßenverkehr geht ganz eindeutig und ohne Zweifel vom Auto (und Lkw) aus – nicht von einzelnen Radfahrenden, die eine rote Ampel bei leerer Kreuzung überfahren (ja, die Kreuzung ist dann tatsächlich leer, denn auch ich kenne keinen Radelnden, welcher gern überfahren wird) oder zu schnell auf Gehwegen an Zufußgehenden vorbeifahren (wobei Räder häufig eben deswegen dort fahren, weil die Fahrbahn als zu gefährlich erscheint – warum wohl?). Diese Gefahr durch Pkw und Lkw ergibt sich ganz allein und logisch aus der Physik, denn allein die Masse (also das Gewicht), und dazu die Geschwindigkeit, machen den entscheidenden und bedrohlichen Unterschied aus: Radfahrende fahren aufgrund ihrer geringen Masse so gut wie keine Menschen tot – Autofahrende aufgrund ihrer großen Masse hingegen schon. Und das nicht eben gerade selten: Ein touchée und dann war es das schon häufig für den nicht-gepanzerten Menschen.

Also Autofahrende (du weißt schon, ob du dazu gehörst oder nicht) – spare dir deine skurrilen Beschönigungen! Werde dir lieber deiner Verantwortung bewusst! Ach ja, und wenn du schon dabei bist, dir über deine Rolle im Straßenverkehr Gedanken zu machen, dann nutze doch die Gelegenheit, dir auch darüber Gedanken zu machen, ob du nicht auch gleich die permanente und dir bekannte Gefährdung aller, durch die giftigen Abgas- und Lärmemissionen deines Autos, dadurch minimierst, indem du ebenfalls öfter mal zum vernünftigsten Verkehrsmittel in der Stadt greifst – das Rad. Das Schlüpfen in die Rolle des anderen, kann dir zudem einen großen Erkenntnisgewinn bescheren. Das sagt dir jemand, der selbst auch seit vielen Jahren – wenn inzwischen auch nur noch höchst selten – Autofahrer ist.

Wenn du aber nicht in der Lage sein solltest, dir deiner Verantwortung bewusst zu werden, hast du im Straßenverkehr nichts zu suchen. Denn dann kannst du nicht einmal das Grundlegendste vom Grundlegenden umsetzen. In der StVO ist dies in § 1, in den »Grundregeln«, beschrieben – ein verantwortliches Sozialverhalten:

(1) Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.
(2) Jeder Verkehrsteilnehmer hat sich so zu verhalten, dass kein anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.

Und zum Abschluss noch eines: Mache dich endlich kundig über geltendes Recht!

  1. Denn du musst endlich wissen und akzeptieren, dass Radfahrende sehr, sehr häufig das Recht haben, auf der Fahrbahn zu fahren, selbst wenn ein Radweg vorhanden ist. Denn die Regelungen zur Radwege-Benutzungspflicht sind bereits im Jahre 1998 grundlegend überarbeitet worden und eine Radewege-Benutzungspflicht findet nur noch in ganz wenigen Fällen eine Anwendung. Und selbst dort, wo diese ihre Anwendung findet, gibt es Ausnahmen (welche du vermutlich gar nicht kennst oder vor Ort nicht erkennst), welche die Radwege-Benutzungspflicht wiederum außer Kraft setzen kann.

  2. Du musst ebenfalls endlich wissen und akzeptieren, dass Radfahrenden sehr wohl gebührende Sicherheitsabstände zustehen und sie keineswegs am äußersten, rechten Fahrbahnrand fahren müssen. Ebenfalls darfst du sie auch nicht ohne ausreichenden Sicherheitsabstand überholen, denn manchmal müssen Fahrräder auch ganz plötzlich in die Fahrbahn ausweichen!

  3. Du musst zudem wissen und akzeptieren, dass es Radfahrenden erlaubt ist, wenn ausreichender Raum vorhanden ist, Fahrzeuge, welche auf dem rechten Fahrstreifen warten, mit mäßiger Geschwindigkeit rechts zu überholen! Ja wirklich, wir dürfen rechts an dir vorbei nach vorne fahren (StVO § 5, Abs. 8)! Ich weiß, das würdest du mit deinem Auto auch so gerne hier und dort mal machen – sich einfach mal so nach vorne vorbei schlängeln – nur ist die Karre dazu aber leider zu breit. Dafür können doch aber die RadfahrerInnen nichts.

  4. Du musst wissen und endlich akzeptieren, dass du die Bereiche, welche für den Radverkehr reserviert sind (Fahrradschutzstreifen etc.), zu achten und nicht zu befahren hast!

  5. Ach ja – du musst des Weiteren genauso wissen und akzeptieren, dass du Radfahrende nicht an-hupen darfst! Denn das Benutzen deiner Hupe ist in der StVO klar geregelt und ist zur selbst-definierten Reklamation, dass sich langsamere Verkehrsteilnehmer vor dem eigen Auto befinden und angeblich falsch verhalten, nicht zulässig!

Und wenn dir dann all diese Regeln bewusst sind, dann wird dir sicher auch klar werden, wie häufig du dich ganz einfach falsch und gesetzwidrig verhältst und in der Vergangenheit verhalten hast. Aber lass uns nach vorne schauen: Es wäre schön, wenn wir dann jetzt, wo alles geklärt ist, zu einem Miteinander übergehen könn(t)en.

Gute Fahrt!

Abstand ist Glückssache

Immer wieder müssen wir erleben, dass uns AutofahrerInnen beim Überholen schneiden. Dies geschieht oft aus Gedankenlosigkeit, manchmal werden solche Aktionen allerdings auch mutwillig gestartet, aus einer herbeiphantasierten Ohnmacht heraus, mit dem Auto hinter dem langsameren Radverkehr das eigene Selbstverständnis als »FahrbahnbesitzerIn« nicht mehr ausleben zu können. Diese Situationen sind sehr gefährlich, da wir keine Knautschzonen haben und es ist an der Zeit, das Thema des richtigen Überholens und der dazugehörigen Rechtsprechung, aus den hintersten Ecken dieses Blogs erneut nach vorne zu kramen.

Schauen wir zunächst einmal, was die StVO, als wichtigste Quelle zum Miteinader im öffentlichen Straßenverkehr, zum Thema zu sagen hat. Die Aussage diesbezüglich ist eigentlich schon eindeutig:

StVO § 5 – Überholen

(4) Wer zum Überholen ausscheren will, muss sich so verhalten, dass eine Gefährdung des nachfolgenden Verkehrs ausgeschlossen ist. Beim Überholen muss ein ausreichender Seitenabstand zu anderen Verkehrsteilnehmern, insbesondere zu den zu Fuß Gehenden und zu den Rad Fahrenden, eingehalten werden. Wer überholt, muss sich so bald wie möglich wieder nach rechts einordnen. Wer überholt, darf dabei denjenigen, der überholt wird, nicht behindern.

Eigentlich könnte der Artikel hier schon enden, oder? Kann er (leider) nicht, denn die Vorstellungen über einen ausreichenden Seitenabstand sind doch manchmal etwas realitätsfremd. Schauen wir also im zweiten Schritt, was die Rechsprechung dazu zu sagen hat:

Rechtsprechung: Was ist beim Überholen von Radverkehr zu beachten?

»Autoverkehr, welcher Radverkehr überholt, muss mindestens einen Abstand von 1,5 m bis 2 m einhalten – im Zweifel mehr. Der Abstand bezeichnet dabei die seitliche Distanz von Überholer zum Überholten: Im Allgemeinen von der rechten Außenkante des Kfz zur »linken Außenkante« des Radfahrenden. Kann aufgrund der Verkehrssituation kein ausreichender Abstand eingehalten werden, muss das Überholen unterbleiben und es ist hinter dem Rad Fahrenden zu bleiben.

Ferner ist damit zu rechnen, dass Rad Fahrende aufgrund eines Hindernisses auf der Fahrbahn plötzlich nach links ausweichen müssen – bei parkenden Autos ist dies offensichtlich; es kann jedoch auch aufgrund eines Schlagloches geschehen, was vom nachfolgenden Verkehr meist nicht vorausgesehen werden kann. Das gleiche gilt für Seitenwind, Sogwirkung etc.

Wird gar ein Kind auf dem Rad transportiert oder an Steigungen, ist ein Mindestabstand von 2 m einzuhalten!«

OLG Hamm, Az. 9 U 66/92, OLG Frankfurt/ Main, Az. 2 Sa 478/80, OLG Karlsruhe, 10 U 102/88, OLG Naumburg Versicherungsrecht 2005, S. 1601 usw.

Grundsätzlich gilt also:

Ein Überholender verstößt bereits dann gegen die Vorschriften der Straßenverkehrsordnung, wenn er den Überholten erschreckt und damit zu einer Fehlreaktion veranlasst! Fühlt sich der Radfahrer bedroht oder wird unsicher, ist der Abstand zu gering! (BGH, Verkehrsmitteilungen 1967, 9)

Zuwiderhandlungen werden – auch wenn niemand verletzt wurde – als Nötigung oder Gefährdung des Straßenverkehrs verfolgt!

Zusammengefasst lässt sich also feststellen:

Kraftfahrzeuge müssen zum Überholen immer auf die Gegenfahrbahn ausscheren. Dazu ist der Gegenverkehr abzuwarten. Besteht der Gegenverkehr ebenfalls aus Radfahrenden, sind auch zu diesen die genannten Sicherheitsabstände einzuhalten.

Übrigens gelten diese Richtlinien für Rad Fahrende, die sich gegenseitig überholen, nicht. Aufgrund ihrer geringeren Masse und meist auch Geschwindigkeit geht die Rechtsprechung hier von einer viel kleineren Gefahr aus. Eine Gefährdung des Überholten ist aber genauso auszuschließen.

Rechtsprechung: Allgemeine Sicherheitsabstände der RadfahrerInnen

Der in § 2 Abs. (2) StVO formulierte Grundsatz: »Es ist möglichst weit rechts zu fahren….«, sorgt immer wieder für teils kontroverse Diskussionen. Was heißt »rechts fahren«? Wie weit muss sich der Radverkehr an den Fahrbahnrand drängen lassen?

Die Antwort darauf ist allerdings ganz einfach und klar: Der Gesetzgeber meint natürlich soweit rechts, das alle anderen Rechtsnormen erfüllt sind! Und diese Rechtsnormen ergeben sich insbesondere aus § 1 Abs. (2) der StVO:

»Jeder Verkehrsteilnehmer hat sich so zu verhalten, dass kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.«

Das heißt demnach, dass vom Radverkehr soweit rechts zu fahren ist, dass Andere nicht gefährdet, unnötig behindert oder belästigt werden. Das radelnder Mensch sich Selbst natürlich auch nicht gefährdet, unnötig behindert oder belästigt, wird vom Gesetzgeber als selbstverständlich vorausgesetzt, auch wenn dies in Diskussionen gern ignoriert wird!

Korrekt wäre als Antwort auf die Frage nach dem Rechtsfahren des Radverkehrs demnach:

⇒ »Ich muss soweit rechts fahren, wie es mir gefahrlos und ohne eigene Behinderungen möglich ist.«

Die Abstände in der Rechtsprechung:

Entsprechend dieser Auslegung sind in der Rechtsprechung folgende Abstände als angemessen besiegelt:

  • 80-100 cm zum Fahrbahnrand, Bordsteinen und Fußgängern
  • 1-2 m zu parkenden Fahrzeugen

BGH, Az. VI ZR 66/56, LG Berlin, Az. 24 O 466/95, OLG Karlsruhe, Az. 10 U 283/77, OLG Jena, Az. 5 U 596/06

Zusammengefasst gilt also:

Das Rechtsfahrgebot hat unter dem Strich hauptsächlich den Schutz des Gegenverkehrs zur Absicht, nicht aber das Abdrängen von Fahrzeugen (Fahrrädern) an den äußersten rechten Rand!

Der radfahrende Verkehr muss weder über nicht richtig abgesenkte Gullydeckel und unebene Rinnsteine oder Kanten fahren, noch muss er im Auklappbereich von Autotüren fahren. Ebenfalls muss der Radverkehr nicht durch Dreck und Gegenstände, welche vorzugsweise am Rand von Fahrbahnen zu finden sind, fahren, da diese durch ihr Schädigungspotenzial oder die Verschlechterung der Haftreibungsbedingungen eine Gefahr darstellen, welcher durch ausweichen in saubere Bereiche abgeholfen werden kann. Ebenfalls muss der Radverkehr auch nicht auf Schnee oder Eis fahren und sich selbst gefährden, wenn ein anderer Bereich der Fahrbahn frei ist. Ebenfalls muss der radfahrende Verkehr nicht in Parklücken einscheren, weil es ihm vom Autoverkehr in der Regel unmöglich gemacht wird, sich vor dem nächsten parkenden Fahrzeug wieder in den fließenden Verkehr einzuordnen.

Wann also geht dies endlich rein in die AutofahrerInnen-Köpfe:

Allen Verkehrsteilnehmenden muss klar sein, dass mit der bestimmungsgemäßen Nutzung des öffentlichen Raumes fast immer regelmäßig Behinderungen anderer verbunden sind. Besonders AutofahrerInnen müssen lernen zu akzeptieren, dass RadfahrerInnen gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer sind und in der Regel auf der Fahrbahn fahren dürfen und dabei die Fahrbahn nicht an die Seite abgedrängt nutzen müssen!

Mit den daraus entstehenden notwendigen Hemmnissen, wie das verkehrsbedingte langsame Fahren hinter dem Radverkehr, weil es keine Möglichkeit zu ordentlichen Überholen gibt, muss als normaler Bestandteil des Verkehrs im öffentlichen Raum erduldet und akzeptiert werden – ganz genau so, wie RadfahrerInnen die durch das Auto aufgrund seiner Maße und Masse verursachten Staus und die Schädigung der Gesundheit durch Abgase hinnehmen muss!

Reine Kopfsache – der Fahrradhelm

radhelm
Velo-Helm: Vieldiskutiert und häufig gehasst – zu Recht?

Über den Nutzen von Fahrradhelmen und in diesem Zusammenhang über die Forderung einer allgemeinen Helmpflicht für FahrradfahrerInnen wird bis heute sehr kontrovers und emotional diskutiert. Schnell ist die Behauptung bei der Hand, dass Fahrradfahren mit Helm doch viel sicherer sein muss, als ohne Helm – schließlich hat radelnder Mensch ja eine schützende Schale auf dem Kopf. Gleiches könnte dann aber auch für den FußgängerInnen- und Autoverkehr gesagt werden, denn auch hier muss es behelmt sicherer zugehen als helmlos – nur hier wird eine Helmpflicht nicht diskutiert. Oder ist dies gar ein polemischer Vergleich? Eine weitere, belangvolle Frage ist, ob dem Fahrradhelm eine größere Schutzwirkung nachgesagt wird, als dieser zu Leisten vermag. Wird den Radelnden tatsächlich der Schutz gewährt, den dieser vielen HelmträgerInnen optisch zu vermitteln scheint? Eine Faktenanalyse.

Frage: Ist Radfahren gefährlicher als andere Dinge?

Zunächst versuchen wir die Frage zu beantworten, ob Radfahren tatsächlich eine so gefährliche Tätigkeit ist, dass es hier angebracht erscheint, gegenüber anderen Aktivitäten wie bspw. zu Fuß gehen oder Autofahren etc., eine besondere Schutzkleidung zu diktieren. Hier gibt es ziemlich aussagekräftige Zahlen, die weiter helfen:

Betrachten wir zunächst die Gruppe der Kinder und Jugendlichen, für die im Besonderen eine Helmpflicht eingefordert wird. Hier zeigt sich in einem Bericht des Bundesverbandes der Unfallkassen zum Schülerunfallgeschehen, dass nur weniger als 2 Prozent der meldepflichtigen Unfälle bei SchülerInnen mit dem Fahrrad passieren. 27 Prozent sind Pausenunfälle und 16 Prozent sind Unterrichtsunfälle. Radfahren ist also bei Schulkindern gegenüber anderen alltäglichen Verrichtungen nicht besonders gefährlich – das Gegenteil ist der Fall.

Schauen wir weiter auf die Gruppe der Erwachsenen. Im Jahr 2004 legte die Hannelore-Kohl-Stiftung für Verletzte mit Schäden des Zentralen Nervensystems in ihrem Geschäftsbericht folgende Zahlen vor: Schwere Schädel-Hirn-Verletzungen wurden bei 26 Prozent der Fälle als PKW-Insassen, zu 14 Prozent in der Freizeit, zu 39 Prozent als Krankheitsfolge und nur zu 1 Prozent als Fahrradfahrende oder zu Fuß gehende erlitten. Autofahrende sind nach diesen Zahlen also einem 260 Prozent höherem Risiko für schwere Schädel-Hirn-Verletzungen ausgesetzt als FahrradfahrerInnen, aber wird angesichts solcher Zahlen für AutofahrerInnen ein Helm eingefordert? Diese Zahlen verwundern tatsächlich nicht, wenn man beachtet, dass lediglich 0,0002 Prozent aller Fahrradunfälle zu schweren Kopfverletzungen führen.

Auch in einer neueren Klinik-Studie aus dem Jahr 2012 der Neurochirurgischen Universitätsklinik Münster, veröffentlicht im OrthoJournal Ausgabe 12, ist Fahrradfahren vergleichsweise ungefährlich. Hier geschehen 11 Prozent der Schädel-Hirn-Verletzungen beim Auto- oder Motorradfahren, 36 Prozent während verschiedener Freizeitaktivitäten, 28 Prozent im Haushalt, 15 Prozent bei der Arbeit und 10 Prozent bei Fahrradunfällen. Im selben Journal bestätigt Dr. Adolf Müller, Chefarzt der Klinik für Neurochirugie am Krankenhaus Barmherzige Brüder in Regensburg: »FahrradfahrerInnen [sind] bei uns in der Klinik die kleinste Gruppe, die wegen Schädelhirnverletzungen nach einem Unfall operiert werden müssen. […] Verletzte erleiden bei Fahrradstürzen meist mittelschwere Schädelhirntraumen, unabhängig davon, ob sie einen Helm getragen haben oder nicht.«

Besonders deutlich sind die Zahlen der Baloise Group Sicherheitsstudie aus dem Jahr 2010: Hier liegt der Anteil der Verletzungen von RadfahrerInnen an allen Kopfverletzungen bei lediglich 1 Prozent und damit noch deutlicher unter dem Anteil von PKW-Insassen mit 48 Prozent und MotorradfahrerInnen mit 13 Prozent.

Diese Zahlen zeigen deutlich, dass Fahrrad fahren definitiv keine besonders gefährliche Tätigkeit ist und für die meisten RadfahrerInnen das Risiko, einen schweren Unfall zu erleiden, sehr gering ist. In absoluten Zahlen gesehen leben auch FußgängerInnen gefährlicher als RadfahrerInnen: 2012 starben 406 RadfahrerInnen auf Deutschlands Straßen und 520 FußgängerInnen. Beide Gruppen sind bei Kollisionen mit Autos gleich schlecht dran – trotzdem käme niemand auf die Idee, beim Gang zum Bäcker einen Helm aufzusetzen, nur weil er oder sie beim Überqueren der Straße überfahren werden könnte. Noch mehr gilt dies angesichts der extrem hohen Unfallzahlen mit schweren Kopfverletzungen für das Autofahren – auch hier würde keiner auf die Idee kommen, einen Helm im Auto zu tragen. Die Frage ist also nicht nur berechtigt sondern auch gehaltvoll – warum wird ausgerechnet für das Fahrradfahren eine besondere Schutzkleidung verlangt?

Die Argumentation, dass jede verhinderte Schädel-Hirn-Verletzung ein Erfolg sei, ist sicher richtig – aber dann müssten wir uns konsequenterweise im nächsten Schritt auch Gedanken darüber machen, wie eine geeignete Schutzkleidung für FußgängerInnen und AutofahrerInnen aussehen muss.

Frage: Welche Schutzwirkung gewährleistet ein Fahrradhelm?

Immer wieder behaupten Einzelpersonen oder Organisationen wie bspw. die Bundesanstalt für Straßenwesen, das ZNS-Kuratorium und weitere pauschal, dass Fahrradhelme vor Verletzungen schützen. Gleichfalls liest man immer wieder, dass ÄrztInnen behaupten, dass die von ihnen behandelten, kopfverletzten RadfahrerInnen mit einem Helm wesentlich besser davon gekommen wären (Anmk. d. Autors: Auch mir wurde von einem befreundeten Neuro-Chirurgen aus Hamburg ähnliches mitgeteilt). All dies spricht doch für den Helm, oder nicht?

Tatsächlich gibt es einige Studien, die durch ihre Ergebnisse zumindest vordergründig eine Wirksamkeit von Fahrradhelmen zu belegen scheinen. Bei genauerer Betrachtung weisen diese aber zum Teil beachtliche methodische Fehler auf, wie D. L. Robinson in seiner Studie »Bicycle helmet legislation: Can we reach a consensus?« (Warum bisherige Studien keinen Nutzen nachweisen konnten) aus dem Jahr 2007 darlegte. Die Pro-Helm-Studien arbeiteten mit niedrigen Fallzahlen und es fehlten zudem Kontrollgruppen. Mit anderen Worten sind solche Ergebnisse also mit Vorsicht zu genießen.

Was aber kann uns nun weiter helfen? Zum Beispiel ein Blick in die Prüfverfahren und in die Kenntnisse der Biomechanik.

Bei Fahrradhelmen, aber auch bei Ski- und Motorradhelmen, wird die Dämpfung ausschließlich bei senkrecht einwirkenden Kräften gemessen, da dieses einem Frontalaufprall am ehesten entspricht. Im realen Unfallgeschehen hingegen zeigen sich jedoch viel häufiger schräg einwirkende Kräfte, die dann als Rotationskräfte am Hirn einwirken und zudem für das Hirn besonders gefährlich sind. Ein Fahrradhelm kann ebenso wie ein Motorradhelm solcherlei Kräfte aber kaum dämpfen – die Rotationskräfte auf das Gehirn mit und ohne Helm sind hier gleich hoch, haben Untersuchungen von Medizinern der Wayne State University in Detroit ergeben. Diese Ergebnisse wurden durch Studien der schwedischen Versicherung Folksam bestätigt und weiter präzisiert: Die Werte für die lineare Kopfbeschleunigung lagen bei einer Aufprallgeschwindigkeit von etwa 21,6 km/h zwischen 135 g und 242 g. Gehirnerschütterungen mit und ohne Bewusstlosigkeit treten aber bereits bei 60 bis 100 g auf. Bei einer Beschleunigung von 250 g bestehe ein 40-prozentiges Risiko für einen Schädelbruch. Auch die Folksam-Studie betont, dass das Gehirn auf Rotationsbeschnleunigung wesentlich empfindlicher reagiert als auf lineare Beschleunigung: Das Risiko für Diffuse Axonale Verletzungen, Hirnblutungen oder Prellungen gehen vor allem von der Rotationsbeschleunigung aus. Diese Kräfte werden in den Norm-Testszenarien und damit in der Helmentwicklung gar nicht berücksichtigt.

Der Unfallforscher Klaus Brandenstein, von der Unfallforschung der Versicherer (UDV), bestätigte 2012 in einem Interview im Fokus, dass klar sei, »dass ein Fahrradhelm kaum etwas ausrichten kann, wenn Radfahrer mit einem schnell fahrenden Auto zusammenprallen. […] Wir wissen nicht, ob die aktuelle Helmkonstruktion den Ansprüchen genügt. Die Kriterien der Prüfverfahren, etwa ein Fall aus 1,5 Meter Höhe auf glatten Untergrund, entsprechen jedenfalls nicht der Realität auf der Straße.« Ebenfalls ernüchternd sind die Ergebnisse des ADAC-Tests aus dem Jahre 2010, bei dem Kinderfahrradhelme getestet wurden. Die Aufschlagprüfung auf einen simulierten Bordstein mit 19,5 km/h haben mehrere Helme nicht bestanden.

Spätestens nach dem Skiunfall des ehemaligen Formel-1-Rennfahrers Michael Schumacher ist auch der Helm für Ski-FahrerInnen, für den ähnlich wie für den Fahrradhelm immer wieder eine Pflicht gefordert wird, in den Fokus geraten (Michael Schuhmacher trug bei seinem Unfall einen Helm). Auch hier zeigte sich, dass ein der EU-Norm entsprechender Ski-Helm, dessen Konstruktion der eines Fahrradhelms sehr ähnlich ist, bereits bei einem Sturz aus 75 Zentimetern Höhe zerstört werden kann. Aufschlussreich ist das Interview mit Thomas Manek, Mitglied des European Committee for Standardisation, im Magazin Stern: »In diesen Kommissionen stoßen die Interessen der 28 Mitgliedsstaaten und auch der Hersteller aufeinander. Immer wieder habe ich erlebt, dass in dieser Diskussion Helm-Konzepte, die den Anforderungen der Piste besser entsprechen würden, auf Kompromisse auf kleinstem gemeinsamen Nenner zusammenschrumpfen.« Manek bemerkt, dass Helme wirksamer sein könnten, aber eben nicht zu diesen Preisen: »Allerdings würden die Kosten für solche Helme dann extrem steigen und das Aussehen der Helme stark verändern. Die Hersteller müssten viel Geld in die Entwicklung von High-Tech-Stoffen stecken und in die Neukonzeption des Helm-Aufbaus. Wer da Vorreiter sein will, wird seine Helme kaum unter 500 bis 1000 Euro anbieten können. Unter dem wirtschaftlichen Druck scheuen das bislang noch alle FabrikantInnen. Um es wirklich besser zu machen, müssten wir die Norm anpassen, sonst tut sich zu wenig.«

Dieser Meinung ist auch Florian Schueler, Unfallforscher am Institut für Rechtsmedizin an der Uni Heidelberg. Dieser äußerte bereits 2008 in einem Interview mit dem Mountainbike-Magazin, dass die Norm für Fahrradhelme dringend überarbeitet werden muss. Derzeit setzt die Norm eine maximale Beschleunigung von 250 g als Grenzwert an. Schueler aber führt diesen Wert ad absurdum: »Die etablierte Wertegrenze des Verletzungsschutzes liegt deutlich tiefer! […] die Einwirkdauer ist dabei entscheidend! Aus der Sicht der Traumatomechanik wären bei Unfällen mit derartiger Einwirkschwere schwerste, wenn nicht tödliche Kopfverletzungen zu erwarten.«

Der bereits Eingangs zitierte Dr. Adolf Müller, Chefarzt der Klinik für Neurochirugie am Krankenhaus Barmherzige Brüder in Regensburg, erläuterte im OrthoJournal Ausgabe 12, dass Fahrradhelme zudem vollkommen anders aufgebaut sind, als beispielsweise Motorradhelme: »Motorradhelme haben nämlich zusätzlich einen Puffer aus Styrodur. Dieses Innenleben des Motorradhelmes puffert bei einem Unfall die Aufprallenergie ab, welche dann nicht meht unvermindert auf das weiche Hirngewebe unterhalb der harten Knochenschale einwirken kann. Der Fahrradhelm hat einen solchen wirksamen Puffer aber nicht. Durch seine Hartschale kann der Radhelm lediglich begrenzt im Niedriggeschwindigkeitsbereich Weichteilverletzungen und Schädelbrüche verhindern – aber auch nur dann, wenn man entsprechend aufschlägt. Aufgrund der fehlenden Pufferwirkung und Knautschzone wird jedoch bei Unfällen mit höherer Geschwindigkeit das Gehirn stark durchgeschüttelt und es kommt zu Scherbewegungen und Anprallverletzungen an der harten Knochenkapsel, die direkt zu Einblutungen und Verletzungen des Hirngewebes führen. […] Aus neurochirurgischer Sicht ist der Fahrradhelm im niedrigen Geschwindigkeitsbereich sicher ein wirksamer zusätzlicher Schutz.«

All dies zeigt, dass die Schutzwirkung eines Fahrradhelms überschätzt wird, denn seine Fähigkeit zur Energieaufnahme ist viel zu begrenzt. Seine Schutzwirkung ist nur bei sehr geringen Geschwindigkeiten gegeben und hier auch nur dann, wenn sich der Sturz ähnlich der Laborbedingungen vollzöge. Dies aber ist in der Realität eben häufig nicht der Fall.

Frage: Kann der Fahrradhelm unter dem Strich sogar schaden?

Immer wieder liest man, dass Fahrradhelme den effektiven Radius des Kopfes vergrößern und so das Risiko der hochgefährlichen Rotationsbeschleunigungen durch den größeren Hebelweg sogar erhöhen. Die hierzu gemachten Studien sind widersprüchlich und auch hier wurden häufig keine vergleichenden Untersuchungen mit und ohne Helm angestellt. Somit soll diese Behauptung gegen das Helmtragen hier vorerst ohne Bewertung bleiben.

Ein anderer Aspekt ist allerdings relevant. Bei der genauen Betrachtung der Unfallstatistiken zeigt sich nämlich, dass die Helmtragequote bei Unfallopfern höher ist als die Helmtragequote der Gesamtbevölkerung. Klingt verquaxt, aber das bedeutet lediglich, dass HelmträgerInnen öfter verunglücken, als NichthelmträgerInnen. Das Stichwort hierbei ist »Risikokompensation«. Als Ende der 1980er Jahre das Antiblockiersystem (ABS) in Kraftfahrzeugen eingeführt wurde, war ebenfalls zu beobachten, dass FahrerInnen von Autos mit ABS im Unfallgeschehen überproportional häufig vertreten waren. Sie hatten durch riskantere Fahrweise den faktischen Sicherheitsvorteil des ABS verspielt. Ähnliches ist bei fahrradfahrenden HelmträgerInnen zu beobachten – die trügerisch geglaubte Sicherheit, dass der Helm schützt, führt zu riskanterer Fahrweise auf dem Rad. All dies sind Vorgänge die sich im Unterbewussten abspielen, genauso wie das Phänomen, welches in der Studie von I. Walker »Drivers overtaking bicyclists: Objective data on the effects of riding position, helmet use, vehicle type and apparent gender.« (Radfahrer, die mit »viel« Abstand überholt werden wollen, brauchen lange Haare und keinen Helm) offenbart wurde: HelmträgerInnen werden von anderen Verkehrsteilnehmern riskanter überholt.

Ein weiterer negativer Aspekt ist, dass Helmwerbung Radfahren als gefährliche Tätigkeit darstellt, obwohl sie dies, wie Anfangs bewiesen, überhaupt nicht ist. Das allgemeine Radfahren geht also auch schon allein deshalb zurück, weil Radfahren als gefährlich dargestellt wird und die Angst vor Verletzungen vom Fahrradfahren abhält. In Neuseeland bspw. hat Helmwerbung zu einer drastischen Erhöhung der Helmtragequote geführt (je nach Altersgruppe etwa Verdoppelung der Quote innerhalb von drei Jahren). Im Gegenzug nahmen aber das Radfahren um rund 19 Prozent ab. Dies wurde in der Studie von Paul A. Scuffham, John D. Langley: »Trends in cycle injury in new zealand under voluntary helmet use, Accid. Anal. and Prev., Vol. 29, No. 1, pp. 1-9,1997« nachgewiesen. Als in verschiedenen Bundesstaaten Australiens die Helmpflicht für RadfahrerInnen eingeführt wurde, ging die Anzahl der RadfahrerInnen sogar um 36 Prozent zurück – vor Einführung der Helmpflicht war die Tendenz der Fahrradnutzung hingegend steigend. Dies geht aus der Studie von Dorothy L. Robinson: »Cycle helmet laws – facts, figures and consequences« hervor.

Mit anderen Worten – werden Helme vorgeschrieben, nimmt die Anzahl der Fahrradfahrenden ab. Dies ist nicht nur mit negativen Folgen für die gesellschaftliche Gesundheit verbunden, da regelmäßige Bewegung bekanntlich das Risiko von Herz- und Kreislauferkrankungen mindert – nein, auch die Gefährdung für die »übriggebliebenden« Radfahrenden steigt. Klingt merkwürdig, ist aber so. Hier hilft der Blick auf unsere Nachbarn in den Niederlanden und Dänemark weiter: In beiden Ländern existiert ein sehr hoher Anteil an Radverkehr und der Helm wird von den RadlerInnen strikt abgelehnt. Dennoch, oder gerade deswegen, ist dort das Risiko, als Fahrradfahrende zu verunglücken, so niedrig wie in keinem anderen Land.

Die Aufklärung derbei ist einfach: Je mehr geradelt wird, umso achtsamer fahren die Autofahrenden, da sie jederzeit mit Radfahrenden rechnen müssen. Dadurch kommt es zu weniger Unfällen. Bei zunehmendem Radverkehr nimmt das individuelle Verletzungs- und Todesrisiko ab und umgekehrt steigt es bei sinkendem Radverkehr.

Fazit

Wir müssen also erkennen, dass die Schutzwirkung eines Fahrradhelms zum einen überschätzt wird, da seine Fähigkeit zur Energieaufnahme sehr begrenzt ist. Zum anderen wäre das Tragen von Helmen für AutofahrerInnen und FußgängerInnen eher angezeigt, da diese viel öfter an schweren Kopfverletzungen verunfallen als RadlerInnen – für beide Gruppen wird aber kein Helm gefordert. Schon deshalb sollte eine allgemeine Forderung nach einer Helmpflicht ausschließlich für RadlerInnen ausgeschlossen sein. Und zu guter letzt zeigt sich, dass das verordnete Tragen von Helmen zur Abnahme der Radelnden und damit auch der Abnahme der gesellschaftlichen Gesundheit führt und zudem die verbleibenden RadlerInnen stärker gefährdet werden, als wenn mehr Menschen auf dem Rad unterwegs wären.

Letztlich muss jede und jeder selbst entscheiden, ob sie oder er Helm trägt oder nicht. Ich persönlich trage in aller Regel keinen Helm, aus eben all den zuvor genannten Gründen. Aber wie heißt es doch so schön: Keine Regel ohne Ausnahme. Bei schwierigen Wege/Wetterverhältnissen im Herbst/Winter oder starkem Regen/Sturm greife ich dann doch ab und an, wenngleich dies nur nur sehr selten vorkommt, zum Helm – mit Regenkappenüberzug in Signal-Gelb. PuristInnen mögen es mir nachsehen.

Undenkbar: In Kopenhagen (hier im Bild) und den Niederlanden wird das Helmtragen durchweg abgelehnt. Nirgends ist Radfahren sicherer als dort. Foto: Zugvogel, CC0 1.0 Universal (via Wikimedia Commons)