Rot ist nur die Farbe der Revolution

Achte mal auf das Schild, worauf der Autoverkehr achten soll…

Der Mut zu eigenen Entscheidungen und zur eigenen Verantwortung ist in Deutschland eine rare Tugend, wie bereits Bismarck in bekanntem Ausspruch bemerkt hat. Vollkommen verlässt sie den Deutschen übrigens, wenn er oder sie sich eine Uniform anzieht – aber das nur nebenbei. So finden sich in diesem Land etliche Untertanen, welche dem selbst-denkenden Menschen so etwas wie »Es ist roooot!« zurufen, wenn dieser durch seine bewusste Entscheidung, das Rotlicht zu missachten, den Untertanen daran erinnert, dass dieser das selbständige Denken aufgegeben hat und sein Leben von einem elektronischen Schaltkreis takten lässt – und sei die Fahrbahn, die es zu überqueren gilt, auch noch so leer.

Uns begegnen diese konformistischen Menschen mit ihrer servilen Ergebenheit jeden Tag. Sie pochen auf die Einhaltung von Vorschriften, ohne dass sie diese jemals einer ganzheitlichen Bewertung unterzogen haben. Dinge hinterfragen, welche durch den Staat oder Gesetzgeber vorgegeben werden? Nicht in Deutschland, wo der »Führerbefehl« schon immer vor der Vernunft stand: »Das wird schon seine Richtigkeit haben!« Nur für wen, das wird zu selten gefragt.

Wir wissen natürlich, woher der Wind kommt und vor allem auch, wohin er weht: Es gilt, dem Autoverkehr gnadenlos Vorrang zu geben. Die Autolobby ist bereits seit den 1920er Jahren dabei, dies mit Einfluss auf die Politik und Gesetzgebung zu gewährleisten, um ihre Absätze zu sichern. Es geht um nichts anderes, als dem kapitalistischen (Auto)Markt mit seinem Mehrwertprinzip, stets ausreichend autogeile, zahlende AbnehmerInnen zuzuführen. Und so zielen auch nahezu sämtliche, in der Straßenverkehrsordnung (StVO) festgelegten Verhaltensregeln darauf ab, dies umzusetzen: Um dem motorisierten Verkehr höchstmögliche Geschwindigkeiten und ein gutes Fortkommen in der Stadt zu ermöglichen, wird dieser räumlich, also durch Unterteilung in Fahrbahn hier und Geh/Radweg dort, und zeitlich durch Ampeln, vom nicht-motorisierten Verkehr getrennt. Ampeln sind grundsätzlich dafür da, den Autoverkehr besser und flüssiger zu machen! In dieser Logik gilt, dass alles was langsamer oder schwächer ist (zu Fuß Gehende oder Radfahrende), als Störfaktoren gelten und einfach an den Rand des öffentlichen Raums gedrängt werden können – natürlich nur zu deren Sicherheit, aber eben nicht selten, ohne den versprochenen Schutz auf diesen »Schutzwegen« zu erfahren.

Wir Radfahrende werden dabei gesetzlich auf oft viel zu schmale Mehrzweckstreifen gezwungen, die uns allein durch ihre Anlage in Lebensgefahr bringen – von rechts durch sich öffnende Autotüren, von links durch viel zu knapp überholende Kraftfahrzeuge. Mit anderen Worten: Unsere Leichtigkeit und Flüssigkeit – und oft auch unsere Sicherheit – wird der Leichtigkeit und Flüssigkeit des Autoverkehrs untergeordnet. Dies ist diskriminierend und es ist nicht einzusehen, warum sich Radfahrende und zu Fuß Gehende dem unterordnen sollten. Das dies übrigens nicht nur ein paar Menschen so sehen, belegte bereits 2014 eine Studie des Bundesumweltamtes, bei der sich 82 Prozent der Deutschen dafür ausgesprochen haben, Städte und Gemeinden so umzugestalten, dass Wege besser zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln erledigt werden können. 82 Prozent!

Stattdessen droht Radfahrenden, die bei Rot über eine Ampel fahren, in Deutschland (im Gegensatz zu vielen anderen Ländern) ein Bußgeld von bis zu 180 Euro und ein Punkt in Flensburg. Wie dumm-blöd diese Regelung ist und warum diese Regelung abgeschafft gehört, werde ich anhand einiger Punkte begründen:

  • Radfahrerende sind viel flexibler, langsamer und bewegen sich viel aufmerksamer, als Kraftfahrzeuglenkende. Dies ist für uns überlebenswichtig, da wir keine Knautschzonen besitzen und wir es daher sowieso gewohnt sind, genaustens auf unsere Umgebung zu achten. Wir fahren mit offenen Augen und Ohren durch den Verkehr, denn aus jeder Einfahrt könnte ein Auto kommen, welches uns nicht auf der Rechnung hat. Dadurch, dass wir, anders als Autofahrer, keine Hülle um ums herum haben, nehmen wir zudem viel besser wahr, was um um uns herum geschieht. Und auch durch die fehlende Motorhaube können wir uns viel näher an Kreuzungen herantasten, als Autos. Kurz: Wir kriegen viel mehr mit, als Autofahrende und sind zudem aus überlebenswichtigen Selbstschutz gezwungen, viel genauer aufzupassen, als der Mensch im Blechpanzer.

Diese Argumente wiegen schon extrem schwer und alle, die schon mal Rad gefahren sind, wissen das. Aber es gibt noch weitere Punkte…

  • Selbst grüne Ampeln schützen uns Radfahrende nicht vor Unfällen, denn jedes rechts-abbiegende Fahrzeug ist für uns eine potenzielle Gefahr. Es ist daher für uns egal, ob wir bei rot oder grün über die Ampel fahren, denn wie wir alle wissen, gibt es tote RadfahrerInnen auch haufenweise an grünen Ampeln.
  • Ampeln machen den Radverkehr langsamer, und dadurch wird das alternative Verkehrsmittel auch weniger attraktiv. Müssen wir an einer roten Ampel halten (welche, wie bereits erklärt, für uns Radfahrende zumeist sinnlos sind), verlieren wir die Energie, die wir vorher mühsam aufgebaut haben. Das verlängert auch unsere Fahrtwege zeitlich. Und natürlich müssen wir beim Warten an (für uns unnötigen) roten Ampeln auch noch die Abgase der Autos einatmen – besonders dann, wenn der Verkehr wieder anrollt.

Es ist also ziemlich klar – wir sollten nicht an (allen) roten Ampeln halten (müssen). Ach, und übrigens – auch das Sicherheitsargument ist Blödsinn: Mindestens genauso gefährlich sind sich schnell öffnende Autotüren neben den Radwegen. Aber hier schreit kein Hahn nach.

Das dumpfe Befolgen von sinnlosen Regeln, ohne selbständig zu Denken und ohne eigene Aufmerksamkeit birgt aber auch andere Gefahren. Gehirnforscher Manfred Spitzer belegt in den von ihm diskutierten Forschungsergebnissen, dass, wenn wir unsere Hirnarbeit auslagern, unser Gedächtnis nachlässt, Nervenzellen absterben, und nachwachsende Zellen nicht überleben, weil sie nicht gebraucht werden. Wir schaden so langfristig unserem Körper und vor allem unserem Geist. Was wir früher mit dem Kopf gemacht haben, wird heute von Ampelschaltkreisen (und natürlich von Computern, Smartphones und Navis etc.) erledigt. Das berührt übrigens auch unsere Kritikfähigkeit (was aber dem Staat wohl auch ganz Recht sein dürfte).

Fazit

Die Sache ist ganz einfach: Rote Ampeln sollten für Radfahrende und zu Fuß gehende nur noch Vorfahrt-Achten-Signale sein! Wenn niemand behindert wird, darf die Straße überquert werden – fertig! Bei dieser Forderung handelt es sich um nichts anderes, als die sinnvolle Legalisierung vom bereits weit verbreiteten Verhalten, rote Ampeln – freilich immer unter Berücksichtigung der Sicherheit aller Beteiligten – zu überqueren. Radfahrer sollten nicht an roten Ampeln halten (müssen).

Und noch mal – Ampeln sind ausschließlich dafür da, den Autoverkehr besser und flüssiger zu machen. Es ist nicht einzusehen, warum sich Radfahrende und zu Fuß gehende dem unterordnen sollten. Wir kommen ohne diese häufig viel besser zu Recht. Das sind zum einen Verkehrsregeln des vergangenen Jahrhunderts, und zum anderen beleidigen die realen Situationen vor Ort regelmäßig meine Intelligenz. Wer dumm und blöd an einer leeren Straße vor einem schnöden, elektronischen Schaltkreis stehen bleiben möchte, solle dies von mir aus gern tun. Aber er oder sie soll gefälligst den Bullen in sich erschießen und die Fresse halten, wenn andere das selbständige Denken noch nicht aufgegeben haben und das tun, was diese insgeheim auch gern tun würden: Selbstbestimmt und verantwortlich handeln und leben.

Reicht das?

2018. Was haben wir mit unserem Engagement (in unserer Sache) erreicht? Seit den 1980er Jahren sind Menschen für die Umwelt, und in unserem Falle für einen vernunftsorientierten Verkehr, aktiv. Aber wird heute in Kiel und ganz allgemein weniger Auto gefahren? Hat sich die Situation bei den Luftschadstoffen bzgl. der Stickoxide und der Feinstäube verbessert? Wird das Autofahren erschwert und gleichzeitig mehr für die Radinfrastruktur getan? Wird das Verkehrsverhalten den Klimaschutzzielen gerecht? Handeln die Menschen in Mobilitätsfragen ganz allgemein verantwortungsbewusster? Die Realität beantwortet alle Fragen gnadenlos mit »nein«. Wir kommen nicht weiter. Warum ist das so, obwohl wir doch alle so wahnsinnig aktiv sind?

Die Antwort (auf die letzte Frage) kann nur durch eine schonungslose Selbstkritik erfolgen. Die zentralen Fragen sind dabei: »Reicht das, was wir tun?« und »Für wen tun wir das, was wir tun, eigentlich?«

Diese Fragen waren bereits in einigen, an anderer Stelle von mir veröffentlichten Publikationen und in meinem letzten Buch Gegenstand meiner Betrachtungen. In diesem Blog mögen diese möglicherweise initial als »off topic« erscheinen, aber ich denke, sie sind es nicht. Und so habe ich nach einem vergangenen Gespräch in »meiner Philosophenrunde« auch lange überlegt, ob ich dieses Kernthema hier, an dieser Stelle einmal zum Objekt der Betrachtungen machen soll, denn natürlich können die substanziellen Punkte hier nur kurz und oberflächlich umrissen werden. Ferner können die Antworten durchaus im Bezug auf das eigene Engagement von manchem als provokant – mithin als ungerecht empfunden – wahrgenommen werden. Es wird unbequem und unangenehm, nichts desto trotz ist es wichtig, diese Sachverhalte aus- und anzusprechen, wenn wir wirklich weiter kommen wollen, denn das herumdoktern auf der Symptomebene lässt uns akinetisch in der eingangs beschriebenden Realität verharren: Nichts ändert sich grundlegend (zum Besseren)!

Ohne lange Umschweife komme ich zur Sache, bzw. zu den Antworten auf die beiden zuvor genannten Kernfragen:

1. Nein, das Engagement der allermeisten reicht nicht aus.
2. Das Engagement wird zudem für sich selbst durchgeführt.

Das Engagement der meisten ist deswegen nicht ausreichend, weil es die auslösende Sytemspezifik nicht einmal ansatzweise berührt. Also das, was für die Missstände verantwortlich ist. Und würden wir es nicht alle bereits jetzt ahnen – es geht um die Systemspzifik der hegemonialen Ökonomie, den Kapitalismus, welcher in den fundamentalen Grundprozessen auf Konkurrenz, statt auf Miteinander aufbaut und so die Menschen entscheidend (zum negativen) prägt. Diese als normal taxierten Abläufe des kapitalistischen Wirtschaftens mit seinen zunehmend dereguliert wirkenden Marktkräften und Privatisierungen, aber vor allem durch seine starken seduktiven Eigenschaften, verändern die Persönlichkeiten, die Seelen der Menschen, hin zum Konsumismus und zur Bequemlichkeit – nicht zur Vernunft, Verantwortlichkeit oder Empathie.

Die Geschichte zeigt, dass Ansätze, Ideen und Engagement, welches das Potenzial in sich trägt oder trug, hoffnungsvoll zu erscheinen, nach kurzer Zeit vom System okkupiert und anstatt eine echte Wende einzuleiten nur dazu benutzt wird, sich selbst innerhalb des kapitalistischen Systems (mit einer Marktlücke) zu platzieren (und es somit weiter zu zementieren). Ob »Upcycle«, »Bio- oder Vegan-Produkte« oder »Lasten-Bike-Lösungen« – alles landet letztlich auf dem kapitalistischen Markt auf dem, und das muss klar sein, es nicht darum geht die Bedürfnisse der Menschen zu befriedigen, sondern einzig der Umsetzung der Realisierung des Mehrwertes dient, also der Rückverwandlung der Waren in mehr Geld, als zuvor in die Herstellung dieser Waren investiert wurde. Seit den späten 1970er Jahren sind Menschen, die sich einst vorstellten, mit bewusstem Konsum die Welt verändern zu können (Ökologiebewegung), inzwischen längst von Marketingfachleuten als »Lohas« (Lifestyle of Health and Sustainability) ausgemacht und einsortiert. Der kapitalistische Markt sorgt dafür (freilich mit den üblichen kapitalistischen Produktionsbedingungen) ihnen das anzubieten, was dieser neue Konsumententyp verlangt – hochwertige und stylische Produkte wie nachhaltige Naturholz-Bungalows oder Biowasser mit drei Spritzern unbehandelter Zitrone etc.

Wir müssen erkennen – so wird das nichts: Der jahrelang anerzogene Glaube, dass irgendetwas (entscheidendes) innerhalb dieses Systems mit den Werkzeugen und Konstruktionen des Systems zum Besseren verändert werden kann, ist ein Hirngespennst. Mit viel Mühe können vielleicht kleine Anpassungen oder minimale Veränderungen erreicht werden (meist lokal oder auf bestimmte, kleine Gruppen beschränkt) – aber das System selbst, welches die immensen Schäden in Flora, Fauna und Mensch verursacht, bleibt unangetastet.

Das wissen oder ahnen zumindest die Meisten. Und so muss schlussendlich festgestellt werden – und wir kommen somit zum Punkt zwei – dass das eigene Engagement letztlich nichts anderes als eine Alibihandlung für das eigene Gewissen darstellt. Das mag hart klingen, ist aber so.

Um diese Welt in eine Welt zu verändern, in der irgendwann einmal Menschen leben, die von ganz allein, aus der Einsicht in die Notwendigkeit, aus sich heraus, das richtige tun (in unserem Falle mehr Rad fahren), müssen wir nämlich nicht irgendetwas, sondern das (grundlegend) Richtige tun – der Kapitalismus mit seinen (normalen) Konsequenzen muss überwunden werden. Es kann derbei natürlich nicht ausreichen, wenn Mensch sich alle vier Wochen zur Critical Mass trifft, aber nach der Fahrt wieder in das System zurückkehrt und neben der Arbeit an der eigenen Wirkung (auf andere) mit dem eigenen, persönlichen »Weg nach oben« (ob am Arbeitsplatz oder Hochschule) beschäftigt ist. Die einzige, wirksame Handlungsalternative zur Überwindung der vorherrschenden Verhältnisse (hin zur Vernunft) kann ausschließlich eine umfassende »Kultur der konsequenten Verweigerung« sein, in der jede Mitverantwortung und Mitarbeit für die ›Marktwirtschaft‹ verweigert wird, nur noch »Dienst nach Vorschrift« gemacht und der kapitalistische Betrieb sabotiert wird, wo immer das möglich ist. Alle vier Wochen mit dem Rad und gekühltem Bierchen durch die Stadt zu fahren, Bio-Produkte zu kaufen oder den Müll zu trennen, reicht leider nicht – so fühlen wir uns allemal etwas besser, weil wir ja etwas tun. Weniger Hipster, dafür mehr (echte) Tat – das wärs!

Wer sich jetzt herausgefordert fühlt, hat nicht verstanden, worum es in diesem Artikel geht. Wer diesen Artikel als Denkanstoß erkennt, hingegen schon.

Wir sehen uns auf der übernächsten Mass – im Mai bin ich auf Tour.

Zeugen gesucht!

Ein Mitfahrender wurde auf dem Weg zur letzten CM von einem Autofahrer tätlich angegriffen. Es werden Zeugen gesucht! Zum Hergang:

Der Mitfahrende war auf der Kieler Bahnhofstraße auf dem Radweg unterwegs Richtung Treffpunkt. Der Radweg war (wie so häufig) durch Fahrzeuge zugeparkt. In diesem Fall allerdings ausnahmsweise nur einmal durch ein einzelnes Fahrzeug. Der Mitfahrende wollte keine Fußgänger gefährden, sodass er auf die Fahrbahn auswich (Einbahnstraße entgegen der Fahrtrichtung!). Nach der Passage des falschparkenden Fahrzeuges wollte er diese als Beweismittel fotografieren, um anschließend die Polizei zu rufen. Es handelte sich um einen anthrazitfarbenen Mercedes Kombi mit dem Kennzeichen KI-CF 90, soweit er sich erinnert. Der Fahrer war ein rothaariger, bärtiger, bierbäuchiger Mann mit hellblauem Pullover, der dann aber ausstieg, den Mitfahrenden erst bepöbelte, dann jagte, ihn angriff und zwei Mal zu Boden geworfen hat. Er wollte die Angelegenheit – Zitat: »Wie ein richtiger Mann mit ihm klären«. Der Fahrer war in Begleitung einer blonden älteren Frau (seine Mutter) mit graubrauner Strickjacke. Die beiden haben versucht, ihm das Handy und Portemonnaie zu entreißen. Zum Glück ist der der Mitfahrende bei all dem nur leicht verletzt worden und sein Sachschaden am Fahrrad und Klamotten ist gering. Es waren einige Passanten zugegen, die, soweit ohne eigene Gefährdung möglich, die Situation zu deeskalieren versuchten. Als die Polizei dann eintraf, wurde durch den Mitfahrenden Anzeige erstattet und Strafantrag gestellt.

Es werden Zeugen gesucht! Denn natürlich hat der Typ bei der Polizei angegeben, dass der Mitfahrende, der vom Angreifer selbst als »schmächtiger Affe« beschrieben wird, den Mercedesfahrer und seine Mutter zuerst angegriffen hätte und hat sofort Gegenanzeige erstattet. Hier werden wirklich dringend Zeugen gesucht, denn durch diese (und sei sie noch so abwegig) Gegenanzeige werden ermutlich beide Verfahren nach zwei Briefen von der Polizei bzw. Staatsanwaltschaft eingestellt und solch ein Horst darf mit so was einfach nicht durchkommen. Solchen Neandertalern gehört wegen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr in Verbindung mit Körperverletzung und Sachbeschädigung der Lappen für ein paar Monate oder länger entzogen, damit die »Schwanzverlängerung für den richtigen Mann« mal ein bisschen Pause bekommt. Wer weiß, was solche Typen sonst noch damit auf öffentlichen Wegen so anstellen. Nicht zu fassen.

Wer helfen kann, schickt mir bitte eine E-Mail. Ich stelle dann die Verbindung umgehend her. 

Update vom 11. April, 9:20 Uhr:

  1. Die Beurteilung »schmächtiger Affe« stammte vom Angreifer und nicht vom Angegriffenen über sich selbst – das wurde im Text berichtigt.
  2. Hinzufügung eines Fotos über »kreative Gegenmaßnahmen«, um das (asoziale) Zuparken des Radwegs zu erschweren…
„Kreative Gegenmaßnahmen“. Asoziales Zuparken des Radwegs erschwert.

Aus Kiel wird Schilda

Porsche jetzt ganz neu grüner als grün.

Die Kieler Nachrichten berichtete am Dienstag, dass Volkswagen ein Gutachten finanzieren will, welches in einer Studie verschiedene Maßnahmen durchrechnen soll, um die Luftqualität in Kiel zu verbessern. Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) setzte zur Bedingung zur Zusammenarbeit mit VW, dass das beauftragte Gutachterbüro unabhängig sein müsse und sieht diese Bedingung mit der von der Volkswagen AG ausgewählten ›PTV Group‹ als erfüllt an. Nur, es stellt sich heraus, dass die PTV Group zum Porsche Konzern gehört.

Warum nur überrascht mich eine solche Nachricht nicht (mehr)? Angeblich wusste Oberbürgermeister Kämpfer nichts über die Besitzverhältnisse des »unabhängigen Gutachterbüros«, aber ein einziger Blick in Wikipedia hätte genügt, um Klarheit über den Laden zu erlangen: Die PTV Group gehört zum Porsche Konzern, welcher wiederum 52 Prozent der Stimmenrechte an der Volkswagen AG besitzt.

Bravo! In Kiel schreibt also ein Gutachterbüro, welches Eigentum eines gewaltigen Autokonzerns ist, ein Gutachten, wie in Kiel die Luftqualität verbessert werden könnte, welche erst durch den Autoverkehr so beschissen ist, wie sie es ist.

Oberbürgermeister Kämpfer ist dennoch von der fachlichen Kompetenz des Unternehmens überzeugt, wie die KN am Donnerstag berichtete. Die Stadt arbeite schon sehr lange mit dem Unternehmen zusammen, es gehöre zu den Marktführern für Gutachten im Bereich Mobilität. Kämpfers Kommentar: »Es ist jetzt natürlich ein Problem des Anscheins da, mit dem wir umgehen müssen.« Kämpfer nennt es »Anschein«, wenn die Verursacher des Dieselskandals für Städte Gutachten bezahlen und dann bei ihren eigenen Firmen in Auftrag geben.

Halleluja Kapitalismus!

Keine Fahrverbote in Kiel

Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes bzgl. der Fahrverbotsdiskussion liegt seit einer Woche vor uns und es wurde von vielen frenetisch gefeiert. Mit meinem Kommentar dazu habe ich mich bisher extra zurück gehalten – aus gutem Grunde.

Direkt nach der Urteilsverkündung war mir die Rolle des Nörglers, also desjenigen, der mit seinen Worten nervt und stört, (wieder einmal) sicher. Dazu brauchte es gar nicht viel – es reichte ein schneller Blick in einige Artikel verschiedener, medialer Angebote: »Fahrverbote müssten aber verhältnismäßig sein und dürften nicht auf einen Schlag eingeführt werden. Voraussichtlich seien sie nur an wenigen Stellen zu erwarten.« (Zitat Spiegel). »Die Richter des obersten deutschen Verwaltungsgerichts halten Fahrverbote also für zulässig, verwiesen aber zugleich auf den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit hin. Die beklagten Städte Düsseldorf und Stuttgart müssten ihre Luftreinhaltepläne auf Verhältnismäßigkeit prüfen, urteilte das Gericht und forderte Übergangsfristen sowie die phasenweise Einführung der Fahrverbote.« (Zitat Zeit). Oder mit anderen Worten – es wird (logischerweise) nicht das geschehen, was eigentlich geschehen müsste.

Kieler SPD-Ratfraktion will, das Menschen sterben

Jaaaahaaa, das klingt hart, oder? Da steigt der Blutdruck in der SPD-Ratsfraktion. Ja sorry, aber wie bitte soll ich das sonst übersetzen, wenn die SPD in ihrer Pressemitteilung zum Thema den Satz: »Wir lehnen Fahrverbote für Dieselfahrzeuge in Kiel weiterhin ab.« rausfeuert und wir gleichzeitig alle wissen (sicher auch die Menschen in der SPD), dass rund 10.000 Menschen und mehr in Deutschland pro Jahr vorzeitig an Herz-Kreislauf-Erkrankungen sterben, welche durch Stickstoffdioxide ausgelöst wurden.

Naiv, naiver, SPD

Anstatt zu handeln und den Menschen in der Stadt mittels Fahrverboten für Dieselfahrzeuge eine schnelle und vor allem wirksame Erleichterung zu verschaffen, wendet sich diese hasenfüßige Kieler-SPD-Ratfraktion stattdessen gläubig an die »Moralinstanz Nummer 1« in Deutschland – die Autoindustrie. Ihre Forderung: Ihr seid die Verursacher – macht gefälligst eure Autos sauber! Prinzipiell stimme ich ja zu – diejenigen, die für den Dreck sorgen, sollen ihn auch verhindern. Nur, liebe Naivlinge in der SPD (und an die in den anderen bürgerlichen Parteien), wir sind hier nicht bei »Alice im Wunderland«, sondern in der Realität. Und genau so, wie sich das Meer niemals vor uns teilen wird oder wir von Adam und Eva abstammen, kann auch die Automobilindustrie sich die Abgase ihrer antiquierten Technik aus dem 19. Jahrhundert nicht einfach wegwünschen oder durch Zauberhand mittels Zauber-Elektronik in Sauerstoff umwandeln. Da wollen die verflixten chemischen und physikalischen Gesetze einfach nicht mitspielen.

Ein Hoch auf den Untergang dieser Automobilindustrie

Ach, ihr unbekümmerten, kapitalismusgläubigen SPD-Ratsmitglieder (und alle anderen aus den sonstigen Parteien, die es angeht), nehmt doch endlich mal zur Kenntnis, dass das, was die (deutsche) Autoindustrie kann, Lügen und Betrügen ist und bewusst den Tod von nicht wenigen Menschen in Kauf zu nehmen, sofern es ihren Absatz und somit ihren Profit sichert. Das war schon immer so, als BMW, VW und Audi bspw. geplant und bewusst mit den Nazis kollaborierten und dadurch groß und fett geworden sind, das ist heute so (siehe Abgasmessungsmanipulationsskandal), und das wird auch in Zukunft so bleiben. Da brauchen wir gar keine Krokodilstränen vergießen und wer heute noch an »freiwillige Selbstverpflichtungen« in kapitalistischen Unternehmen und Konzernen (hier die Automobilindustrie) glaubt, der glaubt sicher auch an den Osterhasen (oder an die unsichtbare, heilende Hand von Adam Smith). Ach, da fällt mir ein, der verdammte Hase huscht ja bald wieder durch unsere Gärten (sofern er noch nicht auf der Straße übergebrettert oder vergast wurde) – freut euch also schon mal.

Fazit

Es ist wie eigentlich immer – weitermachen. Wir müssen diesen menschenverachtenden Betrieb stören, wo immer wir können. Fahre jede Critical Mass mit, gehe auf die Straße und demonstriere für dein Recht auf körperliche Unversehrtheit. Wenn, wie stets in dieser Gesellschaft, ökonomische Interessen den Gesundheitsinteressen von Menschen vorangestellt werden, darf es kein Pardon geben. Gibt es auch nicht – zumindest von mir.

Streugut oder eher Streuschlecht?

Die Städte sind unermüdlich im Streueinsatz. Das ist gut.

Wir Radfahrende freuen uns darüber, dass, zumindest hier in Kiel, die Radwege relativ schnell geräumt und abgestreut werden. Es kann also weiter gefahren werden. Danke an die Stadt! Unglücklicherweise haben wir aber gleichfalls bis in das Frühjahr hinein immer wieder mit unangenehmen Nebenwirkungen zu kämpfen – dem Plattfuß. Der Verursacher: Streusplitt. Denn dieser hat mitunter Kanten, welche teilweise schärfer und spitzer sind, als Glaskanten. Wo fangen wir uns diese fiesen kleinen Dinger ein und wo nicht? Eine kurze Bestandsaufnahme.

Auf den letzten Mass-Fahrten wurde mir immer wieder von all den Plattfüßen, mit denen zur Zeit gekämpft wird, berichtet und welche »Freude« es bereitet, Schläuche zu tauschen oder zu flicken und regelmäßig die Streusplitt-Steinchen aus den Reifen (Mänteln) zu fummeln. Mich hat es kürzlich auch an einem Tag gleich zweimal erwischt – einmal sogar bei einem pannenreduzierten Reifen – einem sogenannten »Unplattbaren«, den ein Streusplitt-Steinchen glatt durchstochen hat.

Wie wird wo gestreut?

Diese Klagen hören wir in nahezu jeder Stadt in Deutschland von Fahrradfahrenden. Wir können aber schon feststellen, dass die Städte versuchen, diese Klagen ernst zu nehmen und versuchen im Winterdienst mittels unterschiedlichem Streugut die Problematik für Fahrräder zu entschärfen. In vielen Städten wird deshalb auf reinen Radwegen ausschließlich Streusalz unter Beachtung der Umweltvorschriften verwendet. Dies geschieht aber nicht nur, um die »Plattenproblematik« zu entschärfen, sondern auch deswegen, weil sich herausgestellt hat, dass sogenannte »abstumpfende Stoffe«, wie beispielsweise Splitt, aufgrund der kleinen Radaufstandsflächen von Fahrrädern nicht geeignet sind, den Kraftschluss zwischen Reifen und Fahrbahn wirksam zu verbessern. Fahrradreifen sind einfach zu schmal und haben zu wenig Auflagefläche, dass diese Streumittel einen Grip-Vorteil verschaffen könnten. In vielen Städten gelang es mittels dieser Maßnahmen, die »Plattenpannen« deutlich zu reduzieren.

Problemzonen

Es bleiben aber viele Problemzonen. Auf Fußwegen und an Haltestellenbereichen ist das Verwenden von Streusalz in der Regel nicht erlaubt und ebenso auch nicht auf kombinierten Wegen, welche von Radfahrenden und Zufußgehenden gleichermaßen genutzt werden dürfen. Hier dürfen nur abstumpfende Streumittel wie Granulat und Splitt verwendet werden, es sei denn, es handelt sich um besonders gefährliche Stellen, wie Brückenauf- und -abgänge (siehe Hörnbrücke), Rampen, Fußgängerüberwege sowie Wege mit starkem Gefälle usw.

Fazit

Die Städte tun, was sie können. Es ist lobenswert, dass hierbei die Umweltbedürfnisse die entscheidenden Faktoren sind. So können wir an der Grundproblematik wohl leider nicht viel ändern und müssen mit dem Problem leben. Wer es sich traut, kann anstatt auf kombinierten Fuß- und Radwegen lieber auf der Fahrbahn fahren, da diese in der Regel (mit Ausnahme der äußersten Ränder) frei von Granulatrückständen ist. Nur, bei den bedauerlicherweise immer wieder auftauchenden »Psychopathen hinter dem Kraftfahrzeug-Lenkrad«, ist diese Maßnahme aber nicht jedermanns oder jederfraus Sache. Was bleibt uns? Hoffen wir also auf ein rasches Winterende und eine darauf folgende, ebenso rasche Wegereinigung durch die städtischen Betriebe.

Strafantrag stellen – jetzt!

Auf Fahrrad- und Gehwegen werden mitunter Stickstoffdioxid-Werte bis zu 500 μg/m³ Luft gemessen – der zulässige Grenzwert von 40 μg/m³ Luft wird also um ein Vielfaches überschritten. Stickstoffdioxid ist sehr giftig und macht krank: Es löst Kopfschmerzen und Schwindel aus, höhere Konzentrationen verursachen Atemnot und führen langfristig zu Lungenödemen. Wird Stickstoffdioxid in Konzentrationen von 40–100 µg/m³ über längere Zeit eingeatmet, kommt es zwangsläufig zu gesundheitlichen Schäden: Asthma und Bronchitis, das Herzinfarktrisiko wird erhöht und es steigert die Todesrate. All dies ist wissenschaftlich eindeutig belegt.

Die meisten von uns sind schon lange mehr als sauer – in den Städten gibt es zu viel Stickstoffdioxid. Durch diese Abgase sterben jedes Jahr tausende Menschen – die Verursacher aber bleiben desinteressiert und denken nicht einmal im Traum daran, ihre (auch für sie) schädlichen Gewohnheiten zu überdenken. Wo Vernunft nicht von alleine kommt, muss (leider) angeordnet werden. Doch die Politik bleibt tatenlos. Es ist an der Zeit, das wir den Druck erhöhen.

Bereits im Herbst letzten Jahres hat die Deutsche Umwelthilfe als Verband im Namen aller, die Verantwortlichen aus der Politik aus eben diesem Grund mit einer Klage besehen. Sie werden damit vermutlich Erfolg haben, denn die Vorgaben der 39. BimSchV sind klar.

Aber neben einer solchen Verbandsklage hat aber auch jeder von uns die Möglichkeit, sich für seine Rechte einzubringen und dabei den Druck auf die Verantwortlichen zu erhöhen, denn alle von uns werden durch die Untätigkeit der politisch Verantwortlichen gesundheitlich geschädigt. Hier kann durchaus von (fahrlässiger) Körperverletzung gesprochen werden und somit ist es fraglos legitim eine Strafanzeige und/oder einen Strafantrag bei Polizei oder Staatsanwaltschaft (ich empfehle die StA Kiel) gegen den oder die Verantwortlichen zu stellen. Beide Exekutivorgane sind bei Kenntniserlangung einer (möglichen) Straftat verpflichtet, tätig zu werden und ggf. zu ermitteln.

Jetzt handeln!

Ich habe dies getan. Ich habe Strafanzeige und Strafantrag gegen die Verursacher gestellt.

Aber dabei soll es nicht bleiben, denn ich möchte hiermit alle bestärken, es mir gleich zu tun und darüber hinaus alle, die sich im Freundes- und Bekanntenkreis ebenfalls als Geschädigte sehen, zu motivieren, dies gleichermaßen zu tun!

Nutzt dazu gern meine Vorlagen oder schreibt selbst etwas – aber tretet für euer Recht ein, nicht tagtäglich auf unseren Straßen vergast werden zu müssen! Macht mit, holt andere ins Boot – bedecken wir sie reich mit unserem Unwillen. MACHT MIT!

Warum diese Aktion nicht ohne Wirkung bleiben wird.
Diese Aktion geschieht nicht etwa blauäugig. Nein, denn mit einer ähnlichen Aktion erwirkte ich mit etwa 1000 weiteren Menschen vor einigen Jahren bereits einen beachtlichen Erfolg. Der Erfolg war so bemerkenswert, dass mich nach dem Abschluss der Aktion der damalige Umweltminister (gegen sein Ministerium richtete sich der Protest) anrief und zu einem persönlichen Gespräch in sein Büro einlud, bei dem er mir gratulierte und ein bisschen aus dem Nähkästchen über die Wirksamkeit solcher »Massenproteste/Massenanzeigen« plauderte. An dieser öffentlicher Stelle werde ich nicht ins Detail gehen (können) – wer an weiteren Infos interessiert ist, darf mir gern schreiben – aber es ist sicher für alle leicht vorstellbar, was es für eine Behörde bedeuten kann, wenn diese sich urplötzlich mit mehreren hundert (oder gar tausenden?) Fällen konfrontiert sieht, wovon jeder einzelne Fall per Akte mit Geschäftszeichen angelegt, geprüft und beantwortet werden muss… Dieser »Zauber« kann mitunter erstaunliche Auswirkungen auf im Raum stehende Entscheidungen mit sich ziehen und dabei ist es überdies noch nicht einmal unbedingte Voraussetzung, ob eine Sache selbst (hier die Strafanträge/Strafanzeigen) in ihrer Eigenschaft Erfolg haben, oder nicht. Allein der entstehende Mehraufwand (der gern vermieden werden will) kann hinter den Kulissen bestimmte Dinge wie von Geisterhand anstoßen.

Downloads Vorlagen

Strafanzeige/Strafantrag StA Kiel (Open Dokument Text, .odt, mit eingebetteter Schriftart, 8.8 MB)

Strafanzeige/Strafantrag StA Kiel (Open Dokument Text, .odt, ohne eingebetteter Schriftart, 18.9 KB)

Strafanzeige/Strafantrag StA Kiel (Portable Document Format, .pdf, 58.4 KB)

Adresse/Kontakt Staatsanwaltschaft Kiel

Staatsanwaltschaft Kiel
Schützenwall 31-35
24114 Kiel

Tel.: 0431 604-0
Fax: 0431 604-3469
E-Mail: kontakt@staki.landsh.de

Januar: Alles coooool…

Viele LEDs, perfektes Corking – so kann es 2018 gern weitergehen. (Danke an Frank für das Bild!)

Ein neues Jahr, eine neue Chance den Verkehrswahnsinn, diese Idiotie aus Stau und Abgasen, zumindest innerstädtisch zu beseitigen. Wir, die Critical Mass, treten dafür ein.

Aufgrund der gezeigten Aggressivität einiger Autofahender gegen die Mitfahrenden der Mass bei der letzten Fahrt fuhr ich diesmal konsequent hinten. Es blieb aber diesmal (nahezu gespenstisch) ruhig und alles lief glatt – die Januar-Mass war ein wahres Refugium der Entspannung und gelassenen Coolness. Sicherlich ist das auch der recht stattlichen Anzahl von FahrerInnen zu verdanken, die diesmal am Start waren (75 wurden gezählt, andere zählten fast 100). Für eine Winter-Mass sehr ansehnlich. Nun, wie viele es auch letztlich genau waren, es zeigte sich deutlich, dass ab einer gewissen Menge an FahrerInnen der sich hinter der Mass befindliche Autoverkehr deutlich entspannter zeigt, als wenn nur 20 oder 30 Leutchen auf ihren Bikes unterwegs sind. Die Akzeptanz der Aktion ist dann offenbar höher. Ich schätze, dass das untere Minimum an FaherInnen 50 ist.

Sehr positiv fand ich, dass diesmal wieder sehr fleißig gecorkt wurde. Danke an alle CorkerInnen für die Sicherung des Zuges! Mir gefiel zudem, dass wir gegenseitig darauf achteten, die Abbiegespuren neben uns frei zu lassen (sofern wir gerade aus fuhren). Ebenfalls wurde immer wieder darauf geachtet, dass etwaig auftretende Lücken geschlossen wurden. Das alles fühlte sich wirklich gut an diesmal.

Gefreut habe ich mich besonders auch darüber, diesmal wieder neue Gesichter zu sichten und im Gespräch kennen zu lernen. Es ist schon spannend, was für Fragen sich stellen, wenn Mensch neu zur Critical Mass kommt – ich hatte schon fast vergessen, dass dies bei mir damals ja genau so war. Fein, es werden immer mehr….

Leute, so bleibt es mir jetzt zu schließen und zu sagen: Es war schön gestern! Wir sehen uns am 23. Februar?

Handelt endlich!

Zu radikal? Mitnichten. Innenstadtumweltzone für Kiel. Ein Segen für die Menschen. Das Leben in der Stadt würde aufblühen. 

Der exzessive und zugleich vielmals vernunftferne Gebrauch von privaten Kraftfahrzeugen mit Verbrennungsmotor, macht die politisch Verantwortlichen vieler Städte seit Jahrzehnten zu Mittätern der wissentlich gesundheitlichen Zerstörung der Menschen, die in diesen Städten leben und für deren Sicherheit und Schutz sie eigentlich Rechnung tragen sollten.

In weltweit 87 Prozent der Städte werden die Feinstaub-Grenzwerte der WHO regelmäßig überschritten. Hier in Kiel ist dies ebenfalls der Fall. Aus der Klage der Deutschen Umwelthilfe vom 28. November 2017 gegen die Stadt Kiel, geht hervor: »Der Jahresmittelgrenzwert für NO2 wurde in den vergangenen drei Jahren an den Messstellen kontinuierlich überschritten, ohne dass eine eindeutige Besserungstendenz zu beobachten wäre. […] Analysen benennen den lokalen Straßenverkehr als wesentliche Ursache der Stickstoffdioxidbelastungen in Kiel. Regelmäßig zeigen Ausbreitungsrechnungen, dass der Grenzwert nicht nur an den Messstellen, sondern auch an anderen Stellen im Stadtgebiet überschritten ist.«

Die Verantwortlichen der Stadt Kiel versuchen zwar seit einiger Zeit, dem Problem Herr zu werden, indem die Stadt mittels des aktuellen Luftreinhalteplan anhand einer Reihe abgeschlossener und laufender lokaler Maßnahmen versucht, die Luftbelastung in der Stadt zu verringern. Dies sind die Umlagerung von Verkehrsströmen, die teilweise Sperrung von Straßen für den Lastkraftverkehr (Bahnhofsstraße), die Förderung des ÖPNV, die Förderung des Radverkehrs sowie die Umsetzung von Mobilitätsmanagementmaßnahmen.

All dies klingt insgesamt erst mal gut, aber leider sind all diese Maßnahmen nicht nur nicht ausreichend, sie sind zudem, und leider muss dies gesagt werden, (wieder einmal) unter dem Strich nichts als interessengelenkte, politische Alibimaßnahmen, welche das wirklich heiße Eisen, welches es anzupacken gilt, um dem Problem Herr zu werden, nicht mal ansatzweise tangiert.

Dies ist grundsätzlich:

Die deutliche Verringerung des innerstädtischen, privaten Kraftfahrzeug-Verkehrs (besonders in sensiblen Bereichen) und die gleichzeitige, intensive Förderung des ÖPNV und des Radverkehrs.

Wie aber könnten, beziehungsweise müssten Maßnahmen aussehen, wenn sie denn tatsächlich Wirkung, also eine deutliche Verringerung von gesundheitsschädlichen Luftschadstoffen zum Ergebnis haben sollen? Die Einsicht in die Notwendigkeit bei den Pkw-Nutzenden reicht bedauerlicherweise, und sehr zu meinem Missfallen, nicht aus, dass sich ausreichend Menschen von allein dazu aufraffen, ihr für sich und die Allgemeinheit schadhaftes Verhalten zu ändern. Also muss diesen Uneinsichtigen leider das nutzen des privaten Kfz (nicht nur) im innerstädtischen Bereich mittels restriktiver Maßnahmen so unattraktiv wie nur möglich gemacht werden. Hier gibt es eine Menge von Maßnahmen, welche hier förderlich sein würden.

Das wären beispielsweise:

  • Die flächendeckende Einführung von Tempo 30 km/h innerstädtisch. Ausgenommen sind hier nur die großen Umgehungswege wie die B76 und Ostring – vielleicht noch der Westring. Aber auch dort sollte Tempo 50 km/h nicht überschritten werden dürfen. Tempo 30 km/h innerstädtisch hat zudem die positive Folge, dass der Geschwindigkeitsunterschied zwischen Kraft- und Radverkehr deutlich verringert wird, was die Folgen von etwaigen Unfällen zwischen Kraftfahrzeug und Rad für den Radverkehr deutlich reduziert.
  • Das Einrichten von innerstädtischen Umweltzonen (siehe mein Vorschlag für den Bereich Innenstadt, Bild oben), welche mit dem privaten Kfz nicht mehr oder nur noch in Ausnahmefällen (Menschen mit Beeinträchtigung oder ähnliches) befahren werden dürfen. Auch für den Lieferverkehr muss über Ausnahmen nachgedacht werden, aber bei all dem gilt – Vorgang hat immer der Mensch zu Fuß oder auf dem Rad! Um Menschen mit weitem Anfahrtsweg den Zugang zum Zentrum der Stadt zu ermöglichen, sollten kostenpflichtige Parkmöglichkeiten (Parkhäuser) an den Rändern der für den Individualverkehr gesperrten Zonen entstehen. Die Parkkosten sollten nach Fahrzeugtyp gestaffelt sein – ein Kleinwagen sollte für das Parken ein vielfaches weniger Bezahlen müssen, als ein Panzer (SUV) oder ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor mit hoher Leistung. Ob reine Elektrofahrzeuge (gemeint sind nicht die Mogelpackungen »Hybrid«) frei parken können sollten, ist sicher auch eine Überlegung wert.
  • Der Umbau der Fahrbahnen des Hauptverkehrsstraßennetzes in dem Sinne, dass dem ÖPNV und dem Radverkehr deutlich mehr und bessere Flächen zur Verfügung gestellt und gleichzeitig die Fahrspuren für den Individualverkehr deutlich eingeschränkt werden (siehe mein Artikel zum Umbau der Schönberger Straße/Werftstraße für eine schnelle Verbindung zwischen den beiden Stadtufern). Radschnellstraßen, bestens ausgebaut, müssen her und zwar entlang aller Hauptverkehrswege! Ebenfalls muss der Busverkehr und die (elektrische) Tram (in Planung) freie Fahrt haben. Schon jetzt sind einige Buslinien am Limit (voll besetzte Busse). Hier muss mit mehr Fahrzeugen oder/und anderer Frequenz gegen gesteuert werden. Ferner soll der ÖPNV kostenfrei für alle sein! Einfach nur Linie, Haltestelle und Fahrtzeiten auf dem Smartphone (App-Empfehlung für Android) checken, einsteigen und losfahren – statt das umständliche Bezahlgefummel zu ertragen. Allein dies wird viele weitere Menschen überzeugen, das Auto stehen zu lassen. Und, hier an dieser Stelle will ich bitte kein ökonomisches Gejammer hören – wer über 50 Milliarden »Volksvermögen« in der Bankenrettung auf nimmer wiedersehen versenken kann, um »im Internet surfenden Mitessern der Gesellschaft« ihre Existenz zu sichern, soll mir bitte nicht sagen, etwas so sinnvolles wie die Klimarettung inklusive aktiver Gesundheitsvorsorge der Menschen wäre nicht bezahlbar oder es nicht wert. Also – ÖPNV kostenlos machen! Jetzt!

Diese Maßnahmen sind meiner Ansicht nach in Kiel aus eigener Kraft und eigener Zuständigkeit umsetzbar. Unter Bundeszuständigkeit gehören zwei weitere Punkte, deren Umsetzung ich ebenfalls als sinnvoll bewerte und die ich hier ebenfalls noch anführen will.

Dies sind:

  • Eine Neuregelung des Straßenverkehrsrechts. Die StVO ist in den 1930 Jahren entwickelt worden mit dem einzigen Zweck, den aufkommenden Kraftfahrzeugverkehr Vorrang einzuräumen. Inzwischen gibt es immer mehr Verkehrsplaner, die offen dafür eintreten, dass diese Bevorzugung des Autos nicht nur nicht mehr haltbar, sondern eine weitere Entfaltung des Radverkehrs negativ beeinflusst. Ich zitiere der Einfachhalt halber aus einem anderem meiner Artikel, den ich vor fast zweieinhalb Jahren in einem Klima-Blog publizierte:
    ›Und es tut sich was, um die häufig die RadfahrerInnen diskriminierenden Verkehrsplanung zu ändern. »Ampeln, wie wir sie kennen, wurden entwickelt, um den Autoverkehr durch dicht bewohntes Gebiet zu lotsen. Störfaktoren wie FußgängerInnen und RadfahrerInnen sollten aus dem Weg geräumt werden. Sie haben hingegen Regeln bekommen, die sie alleine nicht hätten – das ist Diskriminierung«, erklärt Mobilitätsforscher Ulrich Leth von der TU Wien. Noch immer seien Ampelphasen zu starr, die Wartezeiten oft viel zu lang. »Das trägt nicht zur Regelbefolgung bei«, wertet Leth. Der Mobilitätsforscher ist der Überzeugung, dass RadfahrerInnen nicht an allen roten Ampeln halten sollten, denn RadfahrerInnen sind durch die fehlende Knautschzone von Natur aus schon viel aufmerksamer und haben zudem einen besseren Überblick, auch, weil diese keine Motorhaube haben und sich so an Kreuzungen viel besser herantasten können. Zudem geht jedes mal, wenn eine RadfahrerIn an einer Ampel anhalten muss, die Energie verloren, die vorher mühsam aufgebaut wurde. Mobilitätsforscher Leth fordert deshalb, dass die Innenstädte für RadfahrerInnen unbedingt attraktiver werden müssen. So gebe es in Brüssel und Basel bereits Pilotprojekte, wo RadfahrerInnen auch bei roten Ampeln rechts abbiegen dürfen. »Deutschland und Österreich hinken da hinterher. Auch die gelben Pfeile in Paris, an denen Radfahrer auch bei Rot abbiegen dürfen, sind eine große Attraktivitätssteigerung. In Frankreich sind schon ausgesprochen viele Kreuzungen entsprechend gekennzeichnet. Ein generelles Legalisieren des Rotfahren bietet übrigens das ›Idaho Stop Law‹ (von 1982) aus dem US-Bundesstaat Idaho. Es erlaubt Radfahrern, Ampeln wie Stoptafeln und Stoptafeln wie Nachrangtafeln zu behandeln. Leth fordert ein Umdenken bei der Verkehrsführung und -planung, damit die Eigenverantwortung gestärkt wird. Seiner Meinung nach ist der Straßenverkehr heute viel zu überreglementiert – oft ohne es zu merken auf Kosten des selbständigen Denkens. Nach Leths Meinung müssten mehr Begegnungszonen geschaffen werden, denn »wo Regeln wegfallen, gibt es eine geplante Unsicherheit. Die Verkehrsteilnehmer müssen wieder mehr miteinander kommunizieren, dafür muss jedoch auch die Geschwindigkeit angeglichen werden.«‹
  • Eine Neugegelung der Bußgelder für Verstöße im Straßenverkehr und eine flächendeckende und konsequente Kontrolle (mit ausreichendem Personal und Technik!) der gefahrenen Geschwindigkeiten und des Parkverhaltens von Pkw und Lkw. Es sollte über eine komplette Änderung für das Berechnen von Busgeldern für Geschwindigkeitsüberschreitungen und auch für sogenannte »Kavaliersdelikte« wie Falschparken nachgedacht werden. Als Vorbild könnte hier Finnland dienen, wo Behörden Verkehrsvergehen anhand des individuellen Einkommens berechnen. VerkehrssünderInnen zahlen also keinen Festbetrag für bestimmte Verstöße wie hier, sondern eine individuelle Strafe, die sich aus dem jeweiligen Verdienst errechnet. So musste beispielsweise ein finnischer Industrieller 95.000 Euro zahlen, weil er 27 km/h zu schnell fuhr oder Formel-1-Pilot Räikkönen musste 30.000 Euro dafür zahlen, dass er für seinen Bootsanhänger keine Papiere bei der Kontrolle vorzeigen konnte und zudem keine zusätzlichen Außenspiegel für das Gespann montiert hatte. Dieses Verfahren nenne ich konsistente soziale Gerechtigkeit zwischen ökonomisch verschieden aufgestellten Menschen innerhalb einer Gesellschaft. Während ein Mensch, welcher für einen Porsche 911 Carrera in der Grundausstattung mehr als 95.000 Euro aus dem Fenster schmeißt (anstatt mit dem Geld etwas sinnvolles zu tun), über ein 30 Euro Ticket milde lächelt, können die gleichen 30 Euro ökonomisch schwächer gestellte Menschen sehr wohl mehr oder wenig empfindlich treffen. Hier muss unbedingt eine Gleichwertigkeit unter Ungleichen hergestellt werden, denn Recht ist nur anwendbar unter Gleichwertigen.

Keine Frage, all diese Dinge sind umsetzbar. Zwar werden Autoindustrie und andere Wirtschaftsvertreter wahre Endzeitszenarien aus dem Hut zaubern und mittels bezahlter medialer Handlanger auf uns nieder prasseln lassen, aber dieser Beißreflex des Kapitals ist zum einen nichts neues und zum anderen haben diese Typen schon lange jedwede Legitimation verspielt, sich hierzu überhaupt in irgendeiner Form mahnend zu äußern: Die Autoindustrie verarscht uns seit Jahren auf höchst kriminelle Weise wissentlich mit ihren Abgasmanipulationen und ist damit nebenbei bemerkt für tausende von Toten durch die Folgen der Abgasbelastung verantwortlich (ich will mich hier einmal ganz klar positionieren: Wer mit dem heutigen Wissen gewappnet diesem Pack noch eine Auto mit Verbrennungsmotor abkauft, der verkauft seine Seele gleich mit) und der Rest der jammernden Wirtschaft (hier vor allem der Einzelhandel), jammert sowieso immer und grundsätzlich bei anstehenden Änderungen.

Dabei gibt es inzwischen genügend Beispiele, die bewiesen haben, dass umfassende Änderungen im städtischen Verkehr (Innenstadtsperrungen für Kfz usw.) zu mehr Umsätzen im Einzelhandel führte, weil die Menschen sich ihre Stadt wieder zurück eroberten. Die Menschen lebten auf und die Städte erblühten zu neuen Refugien des urbanen Lebens. Aber dazu muss das stinkende Relikt aus dem 19. Jahrhundert erst mal raus aus dem Stadtbild! Weg damit!

Für all dies braucht es natürlich bei den politisch Verantwortlichen einen gehörigen Arsch in der Hose. Die Einsicht in die Notwendigkeit muss zu einen Konsens durch die Parteienlandschaft führen. Immer mehr »Experten« sind davon überzeugt, dass eine solch umfangreiche Änderung nicht nur machbar ist, sondern auch extrem progressiv uns alle weiter bringen wird. Und es muss endlich etwas geschehen, denn wir haben keine Lust mehr Tag für Tag die Abgase dieser Schrott-Technik einzuatmen, nur weil sich die Industrie weiter dumm und dämlich verdienen will. Es reicht! Apropos Schrott-Technik: Zu guter Letzt seien diejenigen, die längere Strecken über 20 km zu fahren haben und daher auf eine motorisierte Fortbewegungsvariante angewiesen sind (sofern sie nicht Bahn oder Bus nutzen können), aufgefordert, die Technik aus dem 19. Jahrhundert dahin zu stecken, wo sie hingehört – in die Mottenkiste – und sich der Zukunft, dem elektrischen Antrieb zuzuwenden.