Zeugen gesucht!

Ein Mitfahrender wurde auf dem Weg zur letzten CM von einem Autofahrer tätlich angegriffen. Es werden Zeugen gesucht! Zum Hergang:

Der Mitfahrende war auf der Kieler Bahnhofstraße auf dem Radweg unterwegs Richtung Treffpunkt. Der Radweg war (wie so häufig) durch Fahrzeuge zugeparkt. In diesem Fall allerdings ausnahmsweise nur einmal durch ein einzelnes Fahrzeug. Der Mitfahrende wollte keine Fußgänger gefährden, sodass er auf die Fahrbahn auswich (Einbahnstraße entgegen der Fahrtrichtung!). Nach der Passage des falschparkenden Fahrzeuges wollte er diese als Beweismittel fotografieren, um anschließend die Polizei zu rufen. Es handelte sich um einen anthrazitfarbenen Mercedes Kombi mit dem Kennzeichen KI-CF 90, soweit er sich erinnert. Der Fahrer war ein rothaariger, bärtiger, bierbäuchiger Mann mit hellblauem Pullover, der dann aber ausstieg, den Mitfahrenden erst bepöbelte, dann jagte, ihn angriff und zwei Mal zu Boden geworfen hat. Er wollte die Angelegenheit – Zitat: »Wie ein richtiger Mann mit ihm klären«. Der Fahrer war in Begleitung einer blonden älteren Frau (seine Mutter) mit graubrauner Strickjacke. Die beiden haben versucht, ihm das Handy und Portemonnaie zu entreißen. Zum Glück ist der der Mitfahrende bei all dem nur leicht verletzt worden und sein Sachschaden am Fahrrad und Klamotten ist gering. Es waren einige Passanten zugegen, die, soweit ohne eigene Gefährdung möglich, die Situation zu deeskalieren versuchten. Als die Polizei dann eintraf, wurde durch den Mitfahrenden Anzeige erstattet und Strafantrag gestellt.

Es werden Zeugen gesucht! Denn natürlich hat der Typ bei der Polizei angegeben, dass der Mitfahrende, der vom Angreifer selbst als »schmächtiger Affe« beschrieben wird, den Mercedesfahrer und seine Mutter zuerst angegriffen hätte und hat sofort Gegenanzeige erstattet. Hier werden wirklich dringend Zeugen gesucht, denn durch diese (und sei sie noch so abwegig) Gegenanzeige werden ermutlich beide Verfahren nach zwei Briefen von der Polizei bzw. Staatsanwaltschaft eingestellt und solch ein Horst darf mit so was einfach nicht durchkommen. Solchen Neandertalern gehört wegen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr in Verbindung mit Körperverletzung und Sachbeschädigung der Lappen für ein paar Monate oder länger entzogen, damit die »Schwanzverlängerung für den richtigen Mann« mal ein bisschen Pause bekommt. Wer weiß, was solche Typen sonst noch damit auf öffentlichen Wegen so anstellen. Nicht zu fassen.

Wer helfen kann, schickt mir bitte eine E-Mail. Ich stelle dann die Verbindung umgehend her. 

Update vom 11. April, 9:20 Uhr:

  1. Die Beurteilung »schmächtiger Affe« stammte vom Angreifer und nicht vom Angegriffenen über sich selbst – das wurde im Text berichtigt.
  2. Hinzufügung eines Fotos über »kreative Gegenmaßnahmen«, um das (asoziale) Zuparken des Radwegs zu erschweren…
„Kreative Gegenmaßnahmen“. Asoziales Zuparken des Radwegs erschwert.

Aus Kiel wird Schilda

Porsche jetzt ganz neu grüner als grün.

Die Kieler Nachrichten berichtete am Dienstag, dass Volkswagen ein Gutachten finanzieren will, welches in einer Studie verschiedene Maßnahmen durchrechnen soll, um die Luftqualität in Kiel zu verbessern. Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) setzte zur Bedingung zur Zusammenarbeit mit VW, dass das beauftragte Gutachterbüro unabhängig sein müsse und sieht diese Bedingung mit der von der Volkswagen AG ausgewählten ›PTV Group‹ als erfüllt an. Nur, es stellt sich heraus, dass die PTV Group zum Porsche Konzern gehört.

Warum nur überrascht mich eine solche Nachricht nicht (mehr)? Angeblich wusste Oberbürgermeister Kämpfer nichts über die Besitzverhältnisse des »unabhängigen Gutachterbüros«, aber ein einziger Blick in Wikipedia hätte genügt, um Klarheit über den Laden zu erlangen: Die PTV Group gehört zum Porsche Konzern, welcher wiederum 52 Prozent der Stimmenrechte an der Volkswagen AG besitzt.

Bravo! In Kiel schreibt also ein Gutachterbüro, welches Eigentum eines gewaltigen Autokonzerns ist, ein Gutachten, wie in Kiel die Luftqualität verbessert werden könnte, welche erst durch den Autoverkehr so beschissen ist, wie sie es ist.

Oberbürgermeister Kämpfer ist dennoch von der fachlichen Kompetenz des Unternehmens überzeugt, wie die KN am Donnerstag berichtete. Die Stadt arbeite schon sehr lange mit dem Unternehmen zusammen, es gehöre zu den Marktführern für Gutachten im Bereich Mobilität. Kämpfers Kommentar: »Es ist jetzt natürlich ein Problem des Anscheins da, mit dem wir umgehen müssen.« Kämpfer nennt es »Anschein«, wenn die Verursacher des Dieselskandals für Städte Gutachten bezahlen und dann bei ihren eigenen Firmen in Auftrag geben.

Halleluja Kapitalismus!

Keine Fahrverbote in Kiel

Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes bzgl. der Fahrverbotsdiskussion liegt seit einer Woche vor uns und es wurde von vielen frenetisch gefeiert. Mit meinem Kommentar dazu habe ich mich bisher extra zurück gehalten – aus gutem Grunde.

Direkt nach der Urteilsverkündung war mir die Rolle des Nörglers, also desjenigen, der mit seinen Worten nervt und stört, (wieder einmal) sicher. Dazu brauchte es gar nicht viel – es reichte ein schneller Blick in einige Artikel verschiedener, medialer Angebote: »Fahrverbote müssten aber verhältnismäßig sein und dürften nicht auf einen Schlag eingeführt werden. Voraussichtlich seien sie nur an wenigen Stellen zu erwarten.« (Zitat Spiegel). »Die Richter des obersten deutschen Verwaltungsgerichts halten Fahrverbote also für zulässig, verwiesen aber zugleich auf den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit hin. Die beklagten Städte Düsseldorf und Stuttgart müssten ihre Luftreinhaltepläne auf Verhältnismäßigkeit prüfen, urteilte das Gericht und forderte Übergangsfristen sowie die phasenweise Einführung der Fahrverbote.« (Zitat Zeit). Oder mit anderen Worten – es wird (logischerweise) nicht das geschehen, was eigentlich geschehen müsste.

Kieler SPD-Ratfraktion will, das Menschen sterben

Jaaaahaaa, das klingt hart, oder? Da steigt der Blutdruck in der SPD-Ratsfraktion. Ja sorry, aber wie bitte soll ich das sonst übersetzen, wenn die SPD in ihrer Pressemitteilung zum Thema den Satz: »Wir lehnen Fahrverbote für Dieselfahrzeuge in Kiel weiterhin ab.« rausfeuert und wir gleichzeitig alle wissen (sicher auch die Menschen in der SPD), dass rund 10.000 Menschen und mehr in Deutschland pro Jahr vorzeitig an Herz-Kreislauf-Erkrankungen sterben, welche durch Stickstoffdioxide ausgelöst wurden.

Naiv, naiver, SPD

Anstatt zu handeln und den Menschen in der Stadt mittels Fahrverboten für Dieselfahrzeuge eine schnelle und vor allem wirksame Erleichterung zu verschaffen, wendet sich diese hasenfüßige Kieler-SPD-Ratfraktion stattdessen gläubig an die »Moralinstanz Nummer 1« in Deutschland – die Autoindustrie. Ihre Forderung: Ihr seid die Verursacher – macht gefälligst eure Autos sauber! Prinzipiell stimme ich ja zu – diejenigen, die für den Dreck sorgen, sollen ihn auch verhindern. Nur, liebe Naivlinge in der SPD (und an die in den anderen bürgerlichen Parteien), wir sind hier nicht bei »Alice im Wunderland«, sondern in der Realität. Und genau so, wie sich das Meer niemals vor uns teilen wird oder wir von Adam und Eva abstammen, kann auch die Automobilindustrie sich die Abgase ihrer antiquierten Technik aus dem 19. Jahrhundert nicht einfach wegwünschen oder durch Zauberhand mittels Zauber-Elektronik in Sauerstoff umwandeln. Da wollen die verflixten chemischen und physikalischen Gesetze einfach nicht mitspielen.

Ein Hoch auf den Untergang dieser Automobilindustrie

Ach, ihr unbekümmerten, kapitalismusgläubigen SPD-Ratsmitglieder (und alle anderen aus den sonstigen Parteien, die es angeht), nehmt doch endlich mal zur Kenntnis, dass das, was die (deutsche) Autoindustrie kann, Lügen und Betrügen ist und bewusst den Tod von nicht wenigen Menschen in Kauf zu nehmen, sofern es ihren Absatz und somit ihren Profit sichert. Das war schon immer so, als BMW, VW und Audi bspw. geplant und bewusst mit den Nazis kollaborierten und dadurch groß und fett geworden sind, das ist heute so (siehe Abgasmessungsmanipulationsskandal), und das wird auch in Zukunft so bleiben. Da brauchen wir gar keine Krokodilstränen vergießen und wer heute noch an »freiwillige Selbstverpflichtungen« in kapitalistischen Unternehmen und Konzernen (hier die Automobilindustrie) glaubt, der glaubt sicher auch an den Osterhasen (oder an die unsichtbare, heilende Hand von Adam Smith). Ach, da fällt mir ein, der verdammte Hase huscht ja bald wieder durch unsere Gärten (sofern er noch nicht auf der Straße übergebrettert oder vergast wurde) – freut euch also schon mal.

Fazit

Es ist wie eigentlich immer – weitermachen. Wir müssen diesen menschenverachtenden Betrieb stören, wo immer wir können. Fahre jede Critical Mass mit, gehe auf die Straße und demonstriere für dein Recht auf körperliche Unversehrtheit. Wenn, wie stets in dieser Gesellschaft, ökonomische Interessen den Gesundheitsinteressen von Menschen vorangestellt werden, darf es kein Pardon geben. Gibt es auch nicht – zumindest von mir.

Streugut oder eher Streuschlecht?

Die Städte sind unermüdlich im Streueinsatz. Das ist gut.

Wir Radfahrende freuen uns darüber, dass, zumindest hier in Kiel, die Radwege relativ schnell geräumt und abgestreut werden. Es kann also weiter gefahren werden. Danke an die Stadt! Unglücklicherweise haben wir aber gleichfalls bis in das Frühjahr hinein immer wieder mit unangenehmen Nebenwirkungen zu kämpfen – dem Plattfuß. Der Verursacher: Streusplitt. Denn dieser hat mitunter Kanten, welche teilweise schärfer und spitzer sind, als Glaskanten. Wo fangen wir uns diese fiesen kleinen Dinger ein und wo nicht? Eine kurze Bestandsaufnahme.

Auf den letzten Mass-Fahrten wurde mir immer wieder von all den Plattfüßen, mit denen zur Zeit gekämpft wird, berichtet und welche »Freude« es bereitet, Schläuche zu tauschen oder zu flicken und regelmäßig die Streusplitt-Steinchen aus den Reifen (Mänteln) zu fummeln. Mich hat es kürzlich auch an einem Tag gleich zweimal erwischt – einmal sogar bei einem pannenreduzierten Reifen – einem sogenannten »Unplattbaren«, den ein Streusplitt-Steinchen glatt durchstochen hat.

Wie wird wo gestreut?

Diese Klagen hören wir in nahezu jeder Stadt in Deutschland von Fahrradfahrenden. Wir können aber schon feststellen, dass die Städte versuchen, diese Klagen ernst zu nehmen und versuchen im Winterdienst mittels unterschiedlichem Streugut die Problematik für Fahrräder zu entschärfen. In vielen Städten wird deshalb auf reinen Radwegen ausschließlich Streusalz unter Beachtung der Umweltvorschriften verwendet. Dies geschieht aber nicht nur, um die »Plattenproblematik« zu entschärfen, sondern auch deswegen, weil sich herausgestellt hat, dass sogenannte »abstumpfende Stoffe«, wie beispielsweise Splitt, aufgrund der kleinen Radaufstandsflächen von Fahrrädern nicht geeignet sind, den Kraftschluss zwischen Reifen und Fahrbahn wirksam zu verbessern. Fahrradreifen sind einfach zu schmal und haben zu wenig Auflagefläche, dass diese Streumittel einen Grip-Vorteil verschaffen könnten. In vielen Städten gelang es mittels dieser Maßnahmen, die »Plattenpannen« deutlich zu reduzieren.

Problemzonen

Es bleiben aber viele Problemzonen. Auf Fußwegen und an Haltestellenbereichen ist das Verwenden von Streusalz in der Regel nicht erlaubt und ebenso auch nicht auf kombinierten Wegen, welche von Radfahrenden und Zufußgehenden gleichermaßen genutzt werden dürfen. Hier dürfen nur abstumpfende Streumittel wie Granulat und Splitt verwendet werden, es sei denn, es handelt sich um besonders gefährliche Stellen, wie Brückenauf- und -abgänge (siehe Hörnbrücke), Rampen, Fußgängerüberwege sowie Wege mit starkem Gefälle usw.

Fazit

Die Städte tun, was sie können. Es ist lobenswert, dass hierbei die Umweltbedürfnisse die entscheidenden Faktoren sind. So können wir an der Grundproblematik wohl leider nicht viel ändern und müssen mit dem Problem leben. Wer es sich traut, kann anstatt auf kombinierten Fuß- und Radwegen lieber auf der Fahrbahn fahren, da diese in der Regel (mit Ausnahme der äußersten Ränder) frei von Granulatrückständen ist. Nur, bei den bedauerlicherweise immer wieder auftauchenden »Psychopathen hinter dem Kraftfahrzeug-Lenkrad«, ist diese Maßnahme aber nicht jedermanns oder jederfraus Sache. Was bleibt uns? Hoffen wir also auf ein rasches Winterende und eine darauf folgende, ebenso rasche Wegereinigung durch die städtischen Betriebe.

Strafantrag stellen – jetzt!

Auf Fahrrad- und Gehwegen werden mitunter Stickstoffdioxid-Werte bis zu 500 μg/m³ Luft gemessen – der zulässige Grenzwert von 40 μg/m³ Luft wird also um ein Vielfaches überschritten. Stickstoffdioxid ist sehr giftig und macht krank: Es löst Kopfschmerzen und Schwindel aus, höhere Konzentrationen verursachen Atemnot und führen langfristig zu Lungenödemen. Wird Stickstoffdioxid in Konzentrationen von 40–100 µg/m³ über längere Zeit eingeatmet, kommt es zwangsläufig zu gesundheitlichen Schäden: Asthma und Bronchitis, das Herzinfarktrisiko wird erhöht und es steigert die Todesrate. All dies ist wissenschaftlich eindeutig belegt.

Die meisten von uns sind schon lange mehr als sauer – in den Städten gibt es zu viel Stickstoffdioxid. Durch diese Abgase sterben jedes Jahr tausende Menschen – die Verursacher aber bleiben desinteressiert und denken nicht einmal im Traum daran, ihre (auch für sie) schädlichen Gewohnheiten zu überdenken. Wo Vernunft nicht von alleine kommt, muss (leider) angeordnet werden. Doch die Politik bleibt tatenlos. Es ist an der Zeit, das wir den Druck erhöhen.

Bereits im Herbst letzten Jahres hat die Deutsche Umwelthilfe als Verband im Namen aller, die Verantwortlichen aus der Politik aus eben diesem Grund mit einer Klage besehen. Sie werden damit vermutlich Erfolg haben, denn die Vorgaben der 39. BimSchV sind klar.

Aber neben einer solchen Verbandsklage hat aber auch jeder von uns die Möglichkeit, sich für seine Rechte einzubringen und dabei den Druck auf die Verantwortlichen zu erhöhen, denn alle von uns werden durch die Untätigkeit der politisch Verantwortlichen gesundheitlich geschädigt. Hier kann durchaus von (fahrlässiger) Körperverletzung gesprochen werden und somit ist es fraglos legitim eine Strafanzeige und/oder einen Strafantrag bei Polizei oder Staatsanwaltschaft (ich empfehle die StA Kiel) gegen den oder die Verantwortlichen zu stellen. Beide Exekutivorgane sind bei Kenntniserlangung einer (möglichen) Straftat verpflichtet, tätig zu werden und ggf. zu ermitteln.

Jetzt handeln!

Ich habe dies getan. Ich habe Strafanzeige und Strafantrag gegen die Verursacher gestellt.

Aber dabei soll es nicht bleiben, denn ich möchte hiermit alle bestärken, es mir gleich zu tun und darüber hinaus alle, die sich im Freundes- und Bekanntenkreis ebenfalls als Geschädigte sehen, zu motivieren, dies gleichermaßen zu tun!

Nutzt dazu gern meine Vorlagen oder schreibt selbst etwas – aber tretet für euer Recht ein, nicht tagtäglich auf unseren Straßen vergast werden zu müssen! Macht mit, holt andere ins Boot – bedecken wir sie reich mit unserem Unwillen. MACHT MIT!

Warum diese Aktion nicht ohne Wirkung bleiben wird.

Downloads Vorlagen

Strafanzeige/Strafantrag StA Kiel (Open Dokument Text, .odt, mit eingebetteter Schriftart, 8.8 MB)

Strafanzeige/Strafantrag StA Kiel (Open Dokument Text, .odt, ohne eingebetteter Schriftart, 18.9 KB)

Strafanzeige/Strafantrag StA Kiel (Portable Document Format, .pdf, 58.4 KB)

Adresse/Kontakt Staatsanwaltschaft Kiel

Staatsanwaltschaft Kiel
Schützenwall 31-35
24114 Kiel

Tel.: 0431 604-0
Fax: 0431 604-3469
E-Mail: kontakt@staki.landsh.de

Januar: Alles coooool…

Viele LEDs, perfektes Corking – so kann es 2018 gern weitergehen. (Danke an Frank für das Bild!)

Ein neues Jahr, eine neue Chance den Verkehrswahnsinn, diese Idiotie aus Stau und Abgasen, zumindest innerstädtisch zu beseitigen. Wir, die Critical Mass, treten dafür ein.

Aufgrund der gezeigten Aggressivität einiger Autofahender gegen die Mitfahrenden der Mass bei der letzten Fahrt fuhr ich diesmal konsequent hinten. Es blieb aber diesmal (nahezu gespenstisch) ruhig und alles lief glatt – die Januar-Mass war ein wahres Refugium der Entspannung und gelassenen Coolness. Sicherlich ist das auch der recht stattlichen Anzahl von FahrerInnen zu verdanken, die diesmal am Start waren (75 wurden gezählt, andere zählten fast 100). Für eine Winter-Mass sehr ansehnlich. Nun, wie viele es auch letztlich genau waren, es zeigte sich deutlich, dass ab einer gewissen Menge an FahrerInnen der sich hinter der Mass befindliche Autoverkehr deutlich entspannter zeigt, als wenn nur 20 oder 30 Leutchen auf ihren Bikes unterwegs sind. Die Akzeptanz der Aktion ist dann offenbar höher. Ich schätze, dass das untere Minimum an FaherInnen 50 ist.

Sehr positiv fand ich, dass diesmal wieder sehr fleißig gecorkt wurde. Danke an alle CorkerInnen für die Sicherung des Zuges! Mir gefiel zudem, dass wir gegenseitig darauf achteten, die Abbiegespuren neben uns frei zu lassen (sofern wir gerade aus fuhren). Ebenfalls wurde immer wieder darauf geachtet, dass etwaig auftretende Lücken geschlossen wurden. Das alles fühlte sich wirklich gut an diesmal.

Gefreut habe ich mich besonders auch darüber, diesmal wieder neue Gesichter zu sichten und im Gespräch kennen zu lernen. Es ist schon spannend, was für Fragen sich stellen, wenn Mensch neu zur Critical Mass kommt – ich hatte schon fast vergessen, dass dies bei mir damals ja genau so war. Fein, es werden immer mehr….

Leute, so bleibt es mir jetzt zu schließen und zu sagen: Es war schön gestern! Wir sehen uns am 23. Februar?

Handelt endlich!

Zu radikal? Mitnichten. Innenstadtumweltzone für Kiel. Ein Segen für die Menschen. Das Leben in der Stadt würde aufblühen. 

Der exzessive und zugleich vielmals vernunftferne Gebrauch von privaten Kraftfahrzeugen mit Verbrennungsmotor, macht die politisch Verantwortlichen vieler Städte seit Jahrzehnten zu Mittätern der wissentlich gesundheitlichen Zerstörung der Menschen, die in diesen Städten leben und für deren Sicherheit und Schutz sie eigentlich Rechnung tragen sollten.

In weltweit 87 Prozent der Städte werden die Feinstaub-Grenzwerte der WHO regelmäßig überschritten. Hier in Kiel ist dies ebenfalls der Fall. Aus der Klage der Deutschen Umwelthilfe vom 28. November 2017 gegen die Stadt Kiel, geht hervor: »Der Jahresmittelgrenzwert für NO2 wurde in den vergangenen drei Jahren an den Messstellen kontinuierlich überschritten, ohne dass eine eindeutige Besserungstendenz zu beobachten wäre. […] Analysen benennen den lokalen Straßenverkehr als wesentliche Ursache der Stickstoffdioxidbelastungen in Kiel. Regelmäßig zeigen Ausbreitungsrechnungen, dass der Grenzwert nicht nur an den Messstellen, sondern auch an anderen Stellen im Stadtgebiet überschritten ist.«

Die Verantwortlichen der Stadt Kiel versuchen zwar seit einiger Zeit, dem Problem Herr zu werden, indem die Stadt mittels des aktuellen Luftreinhalteplan anhand einer Reihe abgeschlossener und laufender lokaler Maßnahmen versucht, die Luftbelastung in der Stadt zu verringern. Dies sind die Umlagerung von Verkehrsströmen, die teilweise Sperrung von Straßen für den Lastkraftverkehr (Bahnhofsstraße), die Förderung des ÖPNV, die Förderung des Radverkehrs sowie die Umsetzung von Mobilitätsmanagementmaßnahmen.

All dies klingt insgesamt erst mal gut, aber leider sind all diese Maßnahmen nicht nur nicht ausreichend, sie sind zudem, und leider muss dies gesagt werden, (wieder einmal) unter dem Strich nichts als interessengelenkte, politische Alibimaßnahmen, welche das wirklich heiße Eisen, welches es anzupacken gilt, um dem Problem Herr zu werden, nicht mal ansatzweise tangiert.

Dies ist grundsätzlich:

Die deutliche Verringerung des innerstädtischen, privaten Kraftfahrzeug-Verkehrs (besonders in sensiblen Bereichen) und die gleichzeitige, intensive Förderung des ÖPNV und des Radverkehrs.

Wie aber könnten, beziehungsweise müssten Maßnahmen aussehen, wenn sie denn tatsächlich Wirkung, also eine deutliche Verringerung von gesundheitsschädlichen Luftschadstoffen zum Ergebnis haben sollen? Die Einsicht in die Notwendigkeit bei den Pkw-Nutzenden reicht bedauerlicherweise, und sehr zu meinem Missfallen, nicht aus, dass sich ausreichend Menschen von allein dazu aufraffen, ihr für sich und die Allgemeinheit schadhaftes Verhalten zu ändern. Also muss diesen Uneinsichtigen leider das nutzen des privaten Kfz (nicht nur) im innerstädtischen Bereich mittels restriktiver Maßnahmen so unattraktiv wie nur möglich gemacht werden. Hier gibt es eine Menge von Maßnahmen, welche hier förderlich sein würden.

Das wären beispielsweise:

  • Die flächendeckende Einführung von Tempo 30 km/h innerstädtisch. Ausgenommen sind hier nur die großen Umgehungswege wie die B76 und Ostring – vielleicht noch der Westring. Aber auch dort sollte Tempo 50 km/h nicht überschritten werden dürfen. Tempo 30 km/h innerstädtisch hat zudem die positive Folge, dass der Geschwindigkeitsunterschied zwischen Kraft- und Radverkehr deutlich verringert wird, was die Folgen von etwaigen Unfällen zwischen Kraftfahrzeug und Rad für den Radverkehr deutlich reduziert.
  • Das Einrichten von innerstädtischen Umweltzonen (siehe mein Vorschlag für den Bereich Innenstadt, Bild oben), welche mit dem privaten Kfz nicht mehr oder nur noch in Ausnahmefällen (Menschen mit Beeinträchtigung oder ähnliches) befahren werden dürfen. Auch für den Lieferverkehr muss über Ausnahmen nachgedacht werden, aber bei all dem gilt – Vorgang hat immer der Mensch zu Fuß oder auf dem Rad! Um Menschen mit weitem Anfahrtsweg den Zugang zum Zentrum der Stadt zu ermöglichen, sollten kostenpflichtige Parkmöglichkeiten (Parkhäuser) an den Rändern der für den Individualverkehr gesperrten Zonen entstehen. Die Parkkosten sollten nach Fahrzeugtyp gestaffelt sein – ein Kleinwagen sollte für das Parken ein vielfaches weniger Bezahlen müssen, als ein Panzer (SUV) oder ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor mit hoher Leistung. Ob reine Elektrofahrzeuge (gemeint sind nicht die Mogelpackungen »Hybrid«) frei parken können sollten, ist sicher auch eine Überlegung wert.
  • Der Umbau der Fahrbahnen des Hauptverkehrsstraßennetzes in dem Sinne, dass dem ÖPNV und dem Radverkehr deutlich mehr und bessere Flächen zur Verfügung gestellt und gleichzeitig die Fahrspuren für den Individualverkehr deutlich eingeschränkt werden (siehe mein Artikel zum Umbau der Schönberger Straße/Werftstraße für eine schnelle Verbindung zwischen den beiden Stadtufern). Radschnellstraßen, bestens ausgebaut, müssen her und zwar entlang aller Hauptverkehrswege! Ebenfalls muss der Busverkehr und die (elektrische) Tram (in Planung) freie Fahrt haben. Schon jetzt sind einige Buslinien am Limit (voll besetzte Busse). Hier muss mit mehr Fahrzeugen oder/und anderer Frequenz gegen gesteuert werden. Ferner soll der ÖPNV kostenfrei für alle sein! Einfach nur Linie, Haltestelle und Fahrtzeiten auf dem Smartphone (App-Empfehlung für Android) checken, einsteigen und losfahren – statt das umständliche Bezahlgefummel zu ertragen. Allein dies wird viele weitere Menschen überzeugen, das Auto stehen zu lassen. Und, hier an dieser Stelle will ich bitte kein ökonomisches Gejammer hören – wer über 50 Milliarden »Volksvermögen« in der Bankenrettung auf nimmer wiedersehen versenken kann, um »im Internet surfenden Mitessern der Gesellschaft« ihre Existenz zu sichern, soll mir bitte nicht sagen, etwas so sinnvolles wie die Klimarettung inklusive aktiver Gesundheitsvorsorge der Menschen wäre nicht bezahlbar oder es nicht wert. Also – ÖPNV kostenlos machen! Jetzt!

Diese Maßnahmen sind meiner Ansicht nach in Kiel aus eigener Kraft und eigener Zuständigkeit umsetzbar. Unter Bundeszuständigkeit gehören zwei weitere Punkte, deren Umsetzung ich ebenfalls als sinnvoll bewerte und die ich hier ebenfalls noch anführen will.

Dies sind:

  • Eine Neuregelung des Straßenverkehrsrechts. Die StVO ist in den 1930 Jahren entwickelt worden mit dem einzigen Zweck, den aufkommenden Kraftfahrzeugverkehr Vorrang einzuräumen. Inzwischen gibt es immer mehr Verkehrsplaner, die offen dafür eintreten, dass diese Bevorzugung des Autos nicht nur nicht mehr haltbar, sondern eine weitere Entfaltung des Radverkehrs negativ beeinflusst. Ich zitiere der Einfachhalt halber aus einem anderem meiner Artikel, den ich vor fast zweieinhalb Jahren in einem Klima-Blog publizierte:
    ›Und es tut sich was, um die häufig die RadfahrerInnen diskriminierenden Verkehrsplanung zu ändern. »Ampeln, wie wir sie kennen, wurden entwickelt, um den Autoverkehr durch dicht bewohntes Gebiet zu lotsen. Störfaktoren wie FußgängerInnen und RadfahrerInnen sollten aus dem Weg geräumt werden. Sie haben hingegen Regeln bekommen, die sie alleine nicht hätten – das ist Diskriminierung«, erklärt Mobilitätsforscher Ulrich Leth von der TU Wien. Noch immer seien Ampelphasen zu starr, die Wartezeiten oft viel zu lang. »Das trägt nicht zur Regelbefolgung bei«, wertet Leth. Der Mobilitätsforscher ist der Überzeugung, dass RadfahrerInnen nicht an allen roten Ampeln halten sollten, denn RadfahrerInnen sind durch die fehlende Knautschzone von Natur aus schon viel aufmerksamer und haben zudem einen besseren Überblick, auch, weil diese keine Motorhaube haben und sich so an Kreuzungen viel besser herantasten können. Zudem geht jedes mal, wenn eine RadfahrerIn an einer Ampel anhalten muss, die Energie verloren, die vorher mühsam aufgebaut wurde. Mobilitätsforscher Leth fordert deshalb, dass die Innenstädte für RadfahrerInnen unbedingt attraktiver werden müssen. So gebe es in Brüssel und Basel bereits Pilotprojekte, wo RadfahrerInnen auch bei roten Ampeln rechts abbiegen dürfen. »Deutschland und Österreich hinken da hinterher. Auch die gelben Pfeile in Paris, an denen Radfahrer auch bei Rot abbiegen dürfen, sind eine große Attraktivitätssteigerung. In Frankreich sind schon ausgesprochen viele Kreuzungen entsprechend gekennzeichnet. Ein generelles Legalisieren des Rotfahren bietet übrigens das ›Idaho Stop Law‹ (von 1982) aus dem US-Bundesstaat Idaho. Es erlaubt Radfahrern, Ampeln wie Stoptafeln und Stoptafeln wie Nachrangtafeln zu behandeln. Leth fordert ein Umdenken bei der Verkehrsführung und -planung, damit die Eigenverantwortung gestärkt wird. Seiner Meinung nach ist der Straßenverkehr heute viel zu überreglementiert – oft ohne es zu merken auf Kosten des selbständigen Denkens. Nach Leths Meinung müssten mehr Begegnungszonen geschaffen werden, denn »wo Regeln wegfallen, gibt es eine geplante Unsicherheit. Die Verkehrsteilnehmer müssen wieder mehr miteinander kommunizieren, dafür muss jedoch auch die Geschwindigkeit angeglichen werden.«‹
  • Eine Neugegelung der Bußgelder für Verstöße im Straßenverkehr und eine flächendeckende und konsequente Kontrolle (mit ausreichendem Personal und Technik!) der gefahrenen Geschwindigkeiten und des Parkverhaltens von Pkw und Lkw. Es sollte über eine komplette Änderung für das Berechnen von Busgeldern für Geschwindigkeitsüberschreitungen und auch für sogenannte »Kavaliersdelikte« wie Falschparken nachgedacht werden. Als Vorbild könnte hier Finnland dienen, wo Behörden Verkehrsvergehen anhand des individuellen Einkommens berechnen. VerkehrssünderInnen zahlen also keinen Festbetrag für bestimmte Verstöße wie hier, sondern eine individuelle Strafe, die sich aus dem jeweiligen Verdienst errechnet. So musste beispielsweise ein finnischer Industrieller 95.000 Euro zahlen, weil er 27 km/h zu schnell fuhr oder Formel-1-Pilot Räikkönen musste 30.000 Euro dafür zahlen, dass er für seinen Bootsanhänger keine Papiere bei der Kontrolle vorzeigen konnte und zudem keine zusätzlichen Außenspiegel für das Gespann montiert hatte. Dieses Verfahren nenne ich konsistente soziale Gerechtigkeit zwischen ökonomisch verschieden aufgestellten Menschen innerhalb einer Gesellschaft. Während ein Mensch, welcher für einen Porsche 911 Carrera in der Grundausstattung mehr als 95.000 Euro aus dem Fenster schmeißt (anstatt mit dem Geld etwas sinnvolles zu tun), über ein 30 Euro Ticket milde lächelt, können die gleichen 30 Euro ökonomisch schwächer gestellte Menschen sehr wohl mehr oder wenig empfindlich treffen. Hier muss unbedingt eine Gleichwertigkeit unter Ungleichen hergestellt werden, denn Recht ist nur anwendbar unter Gleichwertigen.

Keine Frage, all diese Dinge sind umsetzbar. Zwar werden Autoindustrie und andere Wirtschaftsvertreter wahre Endzeitszenarien aus dem Hut zaubern und mittels bezahlter medialer Handlanger auf uns nieder prasseln lassen, aber dieser Beißreflex des Kapitals ist zum einen nichts neues und zum anderen haben diese Typen schon lange jedwede Legitimation verspielt, sich hierzu überhaupt in irgendeiner Form mahnend zu äußern: Die Autoindustrie verarscht uns seit Jahren auf höchst kriminelle Weise wissentlich mit ihren Abgasmanipulationen und ist damit nebenbei bemerkt für tausende von Toten durch die Folgen der Abgasbelastung verantwortlich (ich will mich hier einmal ganz klar positionieren: Wer mit dem heutigen Wissen gewappnet diesem Pack noch eine Auto mit Verbrennungsmotor abkauft, der verkauft seine Seele gleich mit) und der Rest der jammernden Wirtschaft (hier vor allem der Einzelhandel), jammert sowieso immer und grundsätzlich bei anstehenden Änderungen.

Dabei gibt es inzwischen genügend Beispiele, die bewiesen haben, dass umfassende Änderungen im städtischen Verkehr (Innenstadtsperrungen für Kfz usw.) zu mehr Umsätzen im Einzelhandel führte, weil die Menschen sich ihre Stadt wieder zurück eroberten. Die Menschen lebten auf und die Städte erblühten zu neuen Refugien des urbanen Lebens. Aber dazu muss das stinkende Relikt aus dem 19. Jahrhundert erst mal raus aus dem Stadtbild! Weg damit!

Für all dies braucht es natürlich bei den politisch Verantwortlichen einen gehörigen Arsch in der Hose. Die Einsicht in die Notwendigkeit muss zu einen Konsens durch die Parteienlandschaft führen. Immer mehr »Experten« sind davon überzeugt, dass eine solch umfangreiche Änderung nicht nur machbar ist, sondern auch extrem progressiv uns alle weiter bringen wird. Und es muss endlich etwas geschehen, denn wir haben keine Lust mehr Tag für Tag die Abgase dieser Schrott-Technik einzuatmen, nur weil sich die Industrie weiter dumm und dämlich verdienen will. Es reicht! Apropos Schrott-Technik: Zu guter Letzt seien diejenigen, die längere Strecken über 20 km zu fahren haben und daher auf eine motorisierte Fortbewegungsvariante angewiesen sind (sofern sie nicht Bahn oder Bus nutzen können), aufgefordert, die Technik aus dem 19. Jahrhundert dahin zu stecken, wo sie hingehört – in die Mottenkiste – und sich der Zukunft, dem elektrischen Antrieb zuzuwenden.

Dezember: Kälte und viel, viel doof

Danke an Frank für das Bild (November-Fahrt)

Die letzte Fahrt des Jahres 2017 in Kiel ist gefahren. Erfreulich war, das es erneut um die 40 FahrerInnen schafften, ihre Figuren vom warmen Sofa raus aufs Fahrrad zu bewegen, um bei 0°C für eine vernunftbezogene, städtische Verkehrswende einzutreten. Sehr unerfreulich hingegen war, und für mich in dieser Konzentration nach zwei Jahren Critical Mass auch so noch nie erlebt, dass wir so viel Arroganz, Impertinenz, Anmaßung und (gefährliche) Respektlosigkeit von Seiten der motorisierten Verkehrsteilnehmer erleben mussten. Die hier zur Schau getragene, zum Teil für Leib und Leben der CM-Teilnehmenden lebensgefährliche Rotzigkeit dieser Asozialen, legitimiert nachträglich die von mir in meinem letzten Artikel gewählte Schärfe der Diktion. Es ist nicht nur richtig, sondern nötig, auch in der Zukunft solcherlei Dummdreistigkeit klar zu benennen und so gleichzeitig klare Kante zu zeigen.

Zur Fahrt an sich gibt es eigentlich nicht viel zu sagen. Sie verlief (prinzipiell) ruhig und entspannt. Worüber aber gesprochen werden muss, ist bereits in der Einleitung dieses Artikels deutlich geworden. Bevor ich aber loslege, ist es mir an dieser Stelle nocheinmal wichtig, allen Lesenden deutlich zu machen, dass ich weder die Critical Mass veranstalte, noch die in diesem Blog veröffentlichten Beiträge einen Anspruch der Allgemeingültigkeit »im Namen der Critical Mass« erheben (können)! Ich bin lediglich ein Teil vom Ganzen und berichte aus meiner Sicht von den Dingen rund um die Critical Mass! Alles klar? Dann kann es ja weiter gehen.

Was stimmt bei euch nicht?

Bei der gestrigen Fahrt wurde der Fahrrad-Verband der Critical Mass von Beginn an von dauerhupenden, sich gefährlich in den Verband eindrängelnden oder riskant schnell und dicht den Verband überholenden, pöbelnden, autofahrenden Delinquenten bedrängt, bedroht und gefährdet. »Das Auge des Gesetzes« hätte hier seine wahre Freude haben können – von der einfachen Ordnungswidrigkeit bis hin zum Straftatbestand (Mitfahrer wurden sogar aus einem Auto mit Reizgas besprüht – s. Nachtrag unten) war alles mehrfach vertreten. Mit den Einnahmen von Strafgeldern hätten wir der Polizei glatt ihr nächstes Betriebsfest finanzieren können.

Und in der Tat – diesmal haben sie wirklich alles gegeben, wobei mich dieser Typ (er war aber nur einer von Vielen), in seinem aufgemotzten Audi, samt obligat durch die eigene »Männlichkeit« zu beeindruckender, auf dem Beifahrersitz platzierter, junger (blonder) Frau (sorry Leute, das ist nicht sexistisch – das war tatsächlich so), am meisten »beeindruckte«. Nachdem ihm der Geifer anfing förmlich aus den Mundwinkeln zu tropfen, habe ich ernsthaft darüber nachgedacht, ob ich es mit jemanden zu tun habe, der gerade erst aufrecht gehen gelernt oder von den Bäumen gestiegen ist. Es gibt Menschen, die fordern den Führerschein für werdende Eltern, ich hingegen fordere endlich einen Kfz-Führerschein, in der nicht nur theoretisches Wissen und das praktische Bewegen von Kraftfahrzeugen abgefragt und geprüft, sondern auch begutachtet wird, ob mehr als drei Hirnzellen in den für soziales und vernünftiges Miteinander zuständigen Gehirnarealen vorhanden sind.

Das stellenweise vollkommen vernunftferne, zudem auch massiv-gefährliche Gebaren dieser pöbelnden und hupenden, sozialschwachen Witzfiguren, legt ein solch krankes Selbstverständnis darüber, wer was für sich beansprucht und in welcher Form dies durchgeboxt wird, vieler AutofahrerInnen offen, dass es höchste Zeit wird, hier massiv gegen zu lenken. Wenn Teile der Gesellschaft so derartig die Nerven verlieren und vollkommen durchdrehen, nur weil sich diese in ihrer »freien Fahrt für freie BürgerInnen« für einen kurzen Augenblick behindert fühlen (zur Abwechslung mal nicht durch sich selbst und ihre Autos, sondern von einem Fahrrad-Verband, der überdies nichts verbotenes tut!!), dann ist das (auch) Ausdruck der tiefen Krise, in der diese Gesellschaft inzwischen steckt. Das unser Gesellschaftssystem generell durchdringende und alles bestimmende Gegeneinander des Wettbewerbs bringt solche Verhaltensweisen konsequent hervor: Alles was Schwächer ist wird weggedrängt, wenn es der eigenen Freiheitsausübung im Wege steht. Der Philosoph John Hacker-Wright beschreibt ziemlich präzise diese, unsere (kapitalistische) Gesellschaftsordnung: »Eine Gesellschaft bösartiger Egoisten kann Kultur weder erwerben noch erhalten.«

Was tun?

Aber ich will nicht zu tief in soziologische und philosophische Bereiche vordringen. Fakt ist, wir müssen etwas tun. Mein Fazit kann nur sein, dass sich ein solches Verhalten auf keinen Fall durch fortdauerndes, kritik- und folgenloses hinnehmen und »sich gefallen lassen« selbst legitimieren darf! Hier müssen klare Grenzen und Widerstand aufgezeigt werden und es muss konsequent der gegen die Schwächeren gerichteten Gewalt – ob gegen uns Radfahrende oder Zufußgehende – entgegen getreten werden.

Klar ist aber auch, dass die Critical Mass hierzu nicht die optimale Veranstaltungsform ist, denn dazu fahren dort zu viele Menschen (darunter ja auch Kinder) mit, die nachgerade (und ausschließlich) friedlich für ihr Recht auf Teilhabe am öffentlichen Raum eintreten oder ganz einfach nur den Spaß am Radfahren durch ihre Stadt genießen wollen. Aber zum Glück sind die Charaktere der Fahrenden der Critical Mass so mannigfaltig, wie die offene Gesellschaft, für die wir alle eintreten – auch hier gibt es nicht wenige, die sich der Gewalt im Notfall ebenfalls mit Gewalt entgegenstellen. Das ist gut so und ich zähle mich ebenfalls dazu.

Aber auch fernab der wunderbaren Veranstaltung der Critical Mass, gibt es genügend Möglichkeiten, die Gewalt, welche von diesen Spinnern gegen Schwächere ausgeht, zu bändigen. Dazu möchte ich diejenigen ermuntern, die ebenso wie ich die Schnauze voll davon haben, dass FahrerInnen von Blechpanzern meinen, dass sie den von ihnen gefühlten Anspruch auf die Fahrbahnen – den sie überhaupt nicht haben – mit bloßer Gewalt ihrer Blechmassen durchdrücken zu können.

Abschließendes

Eine Anmerkung von mir zum technischen Ablauf der Fahrt – meiner Meinung nach ist es bei so wenigen Mitfahrenden wie gestern schon angezeigt, konsequent darauf zu achten, dass wir nur eine Fahrspur benutzen. Natürlich ist dies bei MitfahrerInnen-Zahlen jenseits der 100 schon rein technisch nicht mehr möglich, aber bei 40, 50 FahrerInnen, sollte dies machbar sein. Das wäre dann nicht nur 100%ig StVO-konform, sondern auch fair.

Und ein letzter Satz richtet sich an die KVG – erneut musste ich beobachten, dass Busse der KVG mit unvernünftig hoher Geschwindigkeit den Verband überholten. Die KVG sollte prinzipiell doch wie wir daran interessiert sein, eine Verkehrswende herbei zu führen. Das Gefährden von Teilnehmenden der Critical Mass ist dabei dann nur als Dummheit zu bewerten. Nur ein einziger Bus (entlang des Wall/Kaistraße), fuhr an diesem Abend bedacht und vorsichtig neben dem Verband her.

 Nachtrag vom 30. Dezember, 20:00 Uhr: 

Ich habe soeben eine E-Mail eines Teilnehmers der hier beschriebenen Fahrt erhalten. Er berichtet mir darin, dass er aus einem vorbeifahrenden Auto mit Reizgas attakiert worden ist! Ja, richtig gelesen. Es geschah kurz nach Beginn, nachdem wir den Bereich NDR/Schifffahrtsmuseum passiert hatten (das war dann ungefähr der Bereich, in der wir es mit dem von mir beschriebenen Affen in seinem Prolo-Audi zu tun hatten / Anmk. von mir). Die Reizgas-Attacke geschah offenbar, als den hinter uns hupenden Autos Platz gemacht wurde und diese dann den Zug überholten. Der vom Reizgas im Gesicht getroffene Fahrer konnte die Fahrt nicht fortsetzen und musste von Passanten in ein nahegelegens Restaurant verbracht werden, wo er sich seine Augen spülen konnte. Dieser Vorfall stellt somit die absolute Krönung dar und zeigt, dass hier jetzt Konsequenzen folgen müssen. Dazu einige Fragen an alle:

1. Gibt es noch weitere Betroffene, die auch besprüht worden sind?
2. Hat vielleicht jemand gefilmt/fotografiert und die vorbeikommenden Autos im Bild? (Der Angriff dürfte aus dem 3. Auto derer gekommen sein, welche uns in Höhe des Schloß nacheinander überholten)

Der Betroffene denkt darüber nach einen Strafantrag zu stellen. Bitte mich kontakten – ich leite die E-Mails an ihn weiter.

 Nachtrag vom 30. Dezember, 20:40 Uhr: 

Soeben melden sich zwei weitere betroffene Fahrer…

 Nachtrag vom 31. Dezember, 13:00 Uhr: 

Noch zwei weitere Geschädigte haben sich gemeldet. Zitat: »Ursprünglich dachte ich, dass es Scheibenwischwasser von einem Auto wäre, das mich da ansprüht. Meine Lippen haben kurz gebrannt, nix schlimmes… Am selben Abend war ich dann noch mit Freunden essen und habe mir eine Wimper aus dem Auge reiben wollen, woraufhin dieses ebenfalls sehr stark brannte und tränte.. Auswaschen probiert, war aber nicht möglich, ich konnte mir das nicht erklären, aber durch [Name von mir entfernt] bin ich ins grübeln gekommen… Meine Freundin klagte am nächsten Tag ebenfalls über brennende Augen beim verreiben. Alles was ich vom Auto noch weiß ist, dass es sich um einen grauen, zumindest dunklen VW Golf handelt.«

Gut, nun meine Fragen: Hat jemand diesen VW Golf ebenfalls bemerkt und sich vielleicht sogar das Kennzeichen gemerkt? Dann bitte unbedingt melden!

Die selbe Scheiße jeden Tag

Fahrradstadt Kiel – ein Papiertiger. Maßnahmen nur dort, wo sie dem Autofan nicht wehtun.

Heute wird fast der gesamte urbane Raum (städtisches Gebiet) durch das Kraftfahrzeug mit Verbrennungsmotor dominiert. Unsere Gesellschaft ist dem Auto verfallen und diese Sucht hat enorme Konsequenzen zur Folge. Manche dieser Konsequenzen sind ohne Zeitverzug sicht- und greifbar, andere treten erst postwendend nach Jahren, meist violent und unumkehrbar, zu Tage.

Mit Blech zugemüllte Stadtbilder und zeitweilige Dauerblockaden auf den Fahrbahnen. Jeden Tag erleben wir als Radfahrende, inzwischen innerlich mehr oder weniger von der allgemeinen Idiotie desillusioniert, wie sich Stoßstange an Stoßstange, nicht selten von EinzelfahrerInnen bewegt, im Berufsverkehr aneinander reihen und sich durch das städtische Gebiet dahinschleppen. Auf unseren Fahrrädern sind wir zudem oft noch zügiger unterwegs. Mein oft gedachter, zynischer Gedanke, dass der Mensch hinter dem Lenkrad ja nur das eine Auto vor und hinter sich sieht – sich die Lage für ihn also als gar nicht so schlimm darstellt – ist lediglich Hilfsinstrument, um nicht vollständig an der Beschränktheit dieser Menschen zu verzweifeln. Letztlich fragen wir uns doch alle: Wie kann es sein, dass sich autofahrende Menschen dieser Idiotie nicht bewusst werden?

Wir könnten so schlau sein

Heute können alle alles leichter erfahren, sofern wir die richtigen Werkzeuge dazu einsetzen. Wir könnten uns beispielsweise fragen: Würden viele Zivilisationskrankheiten wie Übergewicht aus Bewegungsmangel und die daraus resultierenden Krankheiten wie Hypertonie etc. deutlich abnehmen, wenn wir mehr mit dem Fahrrad fahren würden? Würden dann die Menschen im Allgemeinen nicht gesünder, kräftiger, belastbarer und ausgeglichener sein? Könnten wir schwere Krankheiten wie Krebs, Lungenerkrankungen und Allergien verhindern, wenn wir weniger Autofahren würden? Diese Fragen werden aber von einer Überzahl der Mitglieder dieser Gesellschaft nicht gestellt oder beiseite geschoben und eine Gesellschaft, die sich solche Fragen nicht stellt, ist schwer krank.

Wie konnte es dazu kommen?

Die Vorherrschaft des Autos entspringt zum einen aus einem gefühlten, angenommenen Nutzeffekt einer persönlichen Unabhängigkeit, welche es ermöglicht jederzeit, in einem für sich privaten, kleinen Raum, der das persönliche Bedürfnis nach Annehmlichkeit, Behaglichkeit, Gemütlichkeit, Komfort und Vorzug zu erfüllen scheint, nahezu überall hin zu gelangen. Dies ist mit Blick auf die heutige Verkehrs- und Parkplatzsituation natürlich lächerlich.

Zum anderen, weil das Benutzen des Automobils die nachteiligen, aber vom Menschen nicht unbedingt als negative Seiten wahrgenommen Wesenszüge wie Bequemlichkeit, Gleichgültigkeit, Interesselosigkeit, Passivität, Teilnahmslosigkeit und Trägheit protegiert und die daraus resultierenden, negativen Folgen für den Autofahrenden selbst, vor allem aber für seine Umwelt, ausgeblendet werden. Und das Ausblenden dieser Konsequenzen erscheint einfach, denn wie beim Rauchen sind die Folgen des negativen Handelns für den Autofahrenden nicht sofort spürbar, sondern wirken erst langfristig – wenngleich dann aber auch sehr üppig und häufig sehr massiv.

Illusionen über Illusionen

Betrachten wir den gefühlten Nutzeffekt des Autos etwas näher, so zeigt sich, dass dieser in den allermeisten Fällen auf Illusionen beruht. Der Prozentsatz der Menschen, welcher das Auto dazu benutzt, um spontan oder überhaupt längere Stecken zurückzulegen, ist verschwindend gering. Die allermeisten Fahrten mit dem Auto geschehen auf Kurz-Strecken, also auf Strecken, die auch spielend anders zurückgelegt werden könnten. Ein eindrucksvolles Beispiel ist hierbei der Weg zur Arbeit – eine allseits beliebte Rechtfertigung für die eigene PKW-Nutzung: Eine Studie des Bundesministeriums für Verkehr und Infrastruktur belegt, dass ganze 24,6 Millionen der 30 Millionen pendelnden AutofahrerInnen ihren Arbeitsweg statt mit dem Auto beispielsweise auch mit dem E-Bike oder sogar mit dem Fahrrad zurücklegen könnten, da 82 Prozent der pendelnden Menschen einen Arbeitsweg von unter 25 Kilometern und jedeR Zweite sogar weniger als zehn Kilometer zur Arbeit fährt. Was also vielfach übrig bleibt, ist die eigene Bequemlichkeit

Alle Daumen runter

Freilich gibt es auch Fälle, in denen aus irgendwelchen Gründen auf ein Auto mit Verbrennungsmotor zurückgegriffen werden muss, aber auch dann braucht Vernunft nicht abgeschaltet sein: Warum muss Mensch 2 Tonnen Stahl, Glas und Kunststoff im SUV, Limousine oder Porsche bewegen, um 80 kg Mensch von A nach B zu fahren? Das möchte ich doch einmal sachlich erklärt bekommen! Ein solches Monstrum zu fahren kann vor dem Hintergrund der Klimarealitäten und gesundheitlichen Auswirkungen auf die Menschen der Umgebung weder Ausdruck eines »persönlichen Erfolges« noch »cool« sein, sondern ist vielmehr dissozialer Ausdruck infantilen Ungebildetseins und deshalb vollkommen uncool! Dies solltest du solchen Leuten auch eindeutig mit dem »Daumen runter« (oder einem Symbol deiner Wahl) signalisieren – und zwar jedes mal, wenn dir ein solch Ewiggestriger im öffentlichen Raum begegnet.

Verheerende Bilanz

Autofahrende müssen sich den Realitäten ihres Handelns stellen: All die bequemen, gleichgültigen Ignoranten, die nicht bereit sind, sich über nachhaltige Mobilität Gedanken zu machen und das Benutzen von Fahrrad, E-Bike, Bus- und Bahnen, das Bilden von Fahrgemeinschaften oder von mir aus auch den Umstieg auf ein Elektroauto ablehnen, penetrieren, schädigen und vergiften Kinder, Erwachsene (natürlich auch sich selbst) und die Umwelt mit Schwefeldioxid SO2, Kohlen(stoff)dioxid CO2 , Kohlen(stoff)monoxid CO, Stickoxide Nox, Benzol C6H6, Rußpartikel, Lärmemissionen. Es ist schier unglaublich, dass dies von dieser Gesellschaft als alternativlos akzeptiert wird!

Den urbanen Raum zurück erkämpfen – Vorbild Fahrradstadt Kiel?

Kiel soll nach dem Willen von Ulf Kämpfer Fahrradstadt Nummer 1 werden und mit verschiedenen Projekten (Velorouten, Campusräder, Kieler Bögen) wird zumindest scheinbar in Kiel stetig etwas für die Radfahrenden getan. All dies stellt in seiner Vielzahl allerdings nur kosmetischen Mumpitz dar. Wer öfter oder gar täglich vom Ostufer aufs Westufer oder umgekehrt unterwegs ist, kriegt (s)einen Horror auf Werft- und Schönberger Straße (hierzu habe ich bereits im letzten Jahr einen umfangreichen Artikel veröffentlicht). Aber auch im Innenstadtbereich finden wir den blanken Horror vor – insbesondere in den Hauptverkehrszeiten ist Radfahren auf den Fahrbahnen (und benutzungspflichtigen Radwegen) nicht selten ein Himmelfahrtskommando. Wie oft bin ich in der Herzog-Friedrich-Straße, Königsweg/Schülperbaum, rund um den Exerzierplatz »im Krieg« mit vollkommen überforderten KraftfahrzeuglenkerInnen, die sich in der Blechlawine gegenseitig blockieren.

Nein, Kiel ist in Sachen Fahrrad-Stadt nichts als ein Papiertiger, ein Maulheld. Wirklich entscheidende und progressive Projekte, wie beispielsweise den Umbau der Werft- und Schönberger Straße für eine schnelle Fahrt vom einen Stadtufer auf das andere oder das konsequente dichtmachen des gesamten Innenstadtbereichs für den Kraftfahrzeugverkehr, werden (vermutlich) nicht mal angedacht. Einige Städte haben dies trotz Riesen-Gejammers des Einzelhandels (die Jammern sowieso immer) durch gezogen – mit dem Ergebnis, dass die Innenstädte aufblühten, die Menschen sich in ihre Städte neu verliebten und auch der Einzelhandel kleinlaut zugeben musste, dass ihre ökonomischen Interessen gewahrt oder gar verbessert wurden. Und betrachten wir die anstehenden Fahrverbote aufgrund der regelmäßig überschrittenen Höchstwerte von Luftschadstoffen, setzt Kiel statt auf bewährte Methoden der Luftreinhaltung (weniger Verkehr, niedrigere Geschwindigkeiten) offenbar lieber auf unbewiesene Methoden wie Kohlendioxid-schluckende Fahrbahnbelege oder Mooswände. Wir werden nicht nur von Autokonzernen verarscht, die bewusst die Abgaswerte ihrer Scheiß-Karren manipulieren, sondern auch von den verantwortlichen in den Gremien und Parteien.

Aber auch der Zustand vieler Strecken ist in Kiel ein Graus. Viele benutzungspflichtige Radwege sind beispielsweise mit gefährlichen Revisionsdeckeln (mit zum Teil gefährlich herausragenden Kanten, an denen radelnder im stumpfen Winkel sich schön abpacken kann) übersät oder im Winter schlecht gestreut. Zwei Mal habe ich mich diesen Herbst/Winter bereits gehörig auf die Fresse gepackt – einmal im Ellerbeker Weg (keine Benutzungspflicht) und einmal auf der Klappbrücke, trotz sehr moderater Geschwindigkeit.

Fazit

Es bleibt uns nichts anderes übrig – wir müssen weiter Druck machen. Und zwar gehörig. Das heißt politisch und auch in der (direkten) Aktion, durch Präsenz! Betrachte ich meine eigenen Erlebnisse mit rücksichtslosen AutofahrerInnen, die lebensgefährlich für uns werden können, wird sicher noch so manches Teil durch die Gegend fliegen. Aber auch an einige radelnden GenossInnen möchte ich noch einen freundlichen Gruß senden – ich finde es ebenfalls nicht besonders lustig, in der Goethestraße mit unbeleuchteten Bikes zusammen zu knallen. Verdammt, so eine blinkende Klemmleuchte bekommt ihr für nen Euro im 1-Euro-Laden. Ach, und Jungs – bekloppte Rennen (wer ist der schnellste Radfahrer) bewerte ich ebenfalls eher als Kompensation für einen als zu klein wahrgenommenen, eigenen Pimmel. Lasst das mal und seid lieber cool.

Der Herbst vertieft den Sommer

115 FahrerInnen fuhren die Oktober Critical Mass in Kiel. Es war dunkel und es kam daher eine Menge LED mit ans Rad. Wie immer fuhren Jung und Alt um die zwei Stunden durch Kiel. Joachim informierte mich per E-Mail, das er auf dem Kieler Blog ›Kiel Aktuell‹ einen Artikel zur Mass verfasst hat, den ich hier gern erwähne und verlinke. Die beiden Bilder stammen von Frank – vielen Dank dafür!

Die nächste Mass ist am 24. November. Vi ses!