Der Herbst vertieft den Sommer

115 FahrerInnen fuhren die Oktober Critical Mass in Kiel. Es war dunkel und es kam daher eine Menge LED mit ans Rad. Wie immer fuhren Jung und Alt um die zwei Stunden durch Kiel. Joachim informierte mich per E-Mail, das er auf dem Kieler Blog ›Kiel Aktuell‹ einen Artikel zur Mass verfasst hat, den ich hier gern erwähne und verlinke. Die beiden Bilder stammen von Frank – vielen Dank dafür!

Die nächste Mass ist am 24. November. Vi ses!

Und wenn du denkst, dümmer geht’s nicht, kommt eine Autobild daher

Verdiente Geste für die Autobild… Foto: http://cycling.claude.de/2017/10/06/auto-bild-hetzer/

»DIE RADFAHRER SPINNEN – Sie treten, spucken, pöbeln. Sie rasen ohne Helm und Licht. Sie klauen uns die Straße. Sind Radfahrer wichtiger als wir Autofahrer?«

»Erst hetzte BILD die Deutschen gegen die Flüchtlinge auf und jetzt Autofahrer gegen Radfahrer. Ohne Hass wären die schon lange Pleite«, schreibt jemand auf Twitter zu dem unverantwortlichen Schund, was das Springer-Haus da mal wieder unter die Leute gerotzt hat. Claude, von CyclingClaude, schreibt dazu einen gepfefferten Artikel, welchen ich einfachhaltshalber – selbstredend mit freundlicher Genehmigung von Claude selbst – (leicht verändert) übernehme:

»Von Seite 38 bis 45 – so wichtig ist Euch das Thema – wird pauschalisiert und gehetzt, dass es kracht. Aus Sicht der Autofahrer und der Fußgänger (seit wann sind die cool für Euch?) wird der Radfahrer nieder gemacht. U.a. von selbst ernannten Verkehrsexperten. Natürlich gibt es Spackos unter den Radfahrern; unbenommen. Ihr stellt es aber so dar, als wenn das was Ihr schreibt nicht nur an der Tagesordnung wäre, sondern von den allermeisten Radfahrern so gelebt würde. Damit macht Ihr Radfahrer zum Freiwild auf der Straße!

Ihr kennt sicher den Durchschnitts-IQ Eurer Leser. Was glaubt Ihr, passiert nach dem Lesen Eures Schundartikels? Der motorisierte Mob fühlt sich im Recht, noch mehr im Recht als sonst. Der motorisierte Mob hupt, schneidet und spielt noch mehr den Oberlehrer bzw. Verkehrserzieher. Blöd nur, dass die selbsternannten Oberlehrer die Verkehrsregeln meist weniger kennen als der Papst ’nen Puff von innen. Aber egal. Mit Eurem Artikel haben sie nun einen Freibrief. Den werden sie ziehen. Der reicht als Legitimation.

Wie viele Radfahrer werden nun zusätzlich vom motorisierten Mob umgenietet, nur weil Ihr ihn aufgegeilt habt? Da hilft auch nicht die Seite 42, wo der radfahrende Auto-Bild-Redakteur Frank Rosin devot erzählt, wie er sich aus allem raus hält, weil er immer freundlich, zurückhaltend und vorausschauend Fahrrad fährt. Die Seite liest der gemeine Auto-Bild-Leser sowieso nicht. Dafür sorgt schon die fette Überschrift, die 1/3 der Seite einnimmt: „DAS MACHT DEN RADFAHRER WÜTEND!“

Was sollte Eure Leser auch interessieren, was den Radfahrer wütend macht? Deshalb hat sich Herr Rosin dann auch gar nicht die Mühe gemacht zu schreiben, was den Radfahrer wütend macht. Stattdessen schreibt er vom Stress auf der Straße, den sich Autofahrer gegenseitig machen, mit dem er jedoch als zurückhaltend devoter Radfahrer nichts zu tun hat. Danke, Herr Rosin. Gut gemacht. In der Redaktionssitzung einen Auftrag bekommen, die Hacken zusammen geschlagen und brav geliefert. Die Kollegen der Bike-Bild schämen sich heftigst fremd, vermute ich.

Unglaublich, liebe Leser, was im Artikel steht. Bspw. wird der „renommierte Publizist“ Harald Martenstein zitiert, der „in Berlin selbst gern auf dem Rad unterwegs“ ist, und deshalb anscheinend automatisch eine gewisse Qualifikation besitzt, seinen Senf als Experte dazu zu geben: „Fahrradfahrer sind eine Wespenplage – sie werden regelrecht wild, wenn man ihre Kreise stört.“ Auf die Palme bringt mich die folgende Passage: „Kein Vegetarier würde vor einem Steakhouse wutentbrannt mit Bananen auf Gäste werfen. Warum also hämmern einem Fahrradfahrer bei voller Fahrt aufs Autodach, während man sie überholt?“

Hauke Schrieber – so der Verfasser der Hetze – scheint gar nicht kapiert zu haben, was er da schreibt. Erstens würde ein Fahrradfahrer keinem Auto aufs Dach hauen, das einen bei voller Fahrt überholt. So bescheuert ist niemand; einfach zu gefährlich. Zweitens aber, lieber Herr Hauke Schrieber, wenn ein Auto so überholt, dass man mit Armlänge aufs Dach kommt, dann hat das Auto viel zu dicht überholt. Reflektieren Sie das bitte mal.

Stattdessen mein Rat, liebe Leser: Nicht kaufen, aber nehmt das Schundblatt beim nächsten Supermarktbesuch einfach mal in die Hand und riskiert ein Auge. Aber Vorsicht! Bitte nicht vor’s Zeitschriftenregal kotzen. Das kann nämlich schnell passieren.«

Den gibt es eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Außer vielleicht noch Claudes #drecksblattverstecken – mach‘ mit – Aktion zu erwähnen…

Wir dürfen das

Alltag für RadfahrerInnen. Der motorisierte Verkehr nimmt sich einfach das Recht andere zu gefährden. Bildquelle: www.bitte-freimachen.de

RadfahrerInnen und FußgängerInnen werden – vor allem in den Städten – tagein tagaus mit parkenden Autos auf Ihren Wegen konfrontiert. Zugestellte Straßeneinmündungen sowie zugeparkte Radfahrstreifen und Radwege prägen das Bild im Straßenverkehr. Unzufriedenheit und Frust bei den betroffenen RadfahrerInnen und FußgängerInnen ist die Folge. Dies sind die Ergebnisse des ADFC-Fahrradklimatests.

Dürfen die das? Nein, ihr dürft das nicht! Und diese Feststellung bezieht ihr Gewicht nicht in erster Linie aus den Paragraphen der StVO, sondern aus den grundlegenden Normen des sozialen Verhaltens gegenüber Mitmenschen. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club Niedersachsen und die Landesverkehrswacht haben daher die Aktion ›Bitte Freimachen‹ ins Leben gerufen. Mit Flyern im Postkartenformat sollen FalschparkerInnen auf Ihr Fehlverhalten hingewiesen werden. Laut ADFC werde dabei auf eine Belehrung mit dem erhobenen Zeigefinger bewusst verzichtet und ein positiver und aufklärender Hinweis soll für mehr Rücksicht und mehr verständnisvolles Miteinander im Straßenverkehr werben.

Daniel schreibt in seinem bekannten Blog dazu:

»Die Aktion ist durchaus gut gemeint und gibt Radfahrern wenigstens ein klitzkleines Mittel gegen Falschparker in die Hand. Und trotzdem zeugt sie von einer gewissen Hilflosigkeit und überdeckt das eigentliche Problem: Städte kommen ihren Pflichten bei der Verkehrsüberwachung nicht nach. Sie sind es nämlich, die Falschparker konsequent sanktionieren müssten. Postkarten werden bei den typischen »Nur mal kurz…«-Radwegparkern kein Verhalten ändern. Die fast lächerlich geringen deutschen Bußgelder allerdings auch nicht. Das wäre dann ein zweites eigentliches Problem. Geringe Kontrolldichte + niedrige Bußgelder = Falschparkerparadies Deutschland.«

Hier kann ich Daniel nur eines – nämlich zustimmen. Keine Frage, es gibt eine Menge Autofahrende, welche überlegt und sicherheitsbewusst ihre 1,5 Tonnen Stahl durch den Verkehr bewegen, durch den wir uns ohne Knautschzone durchackern. JedeR von uns macht jeden Tag hier oder dort solcherlei positive und erfreuliche Erfahrungen. Aber leider macht eben auch jedeR von uns Erfahrungen, die absolut gegensätzlich, nicht nur antisozial, sondern schlichtweg gefährdend, manchmal sogar lebensbedrohlich für uns bikende oder zu-Fuss-gehende sind. Wie lange noch?

Fazit

Es bleibt dabei: Wenn wir Radfahrende uns sicherer durch den urbanen Raum bewegen wollen, bedeutet dies fraglos, dass wir uns konsequent und mit Nachdruck für unsere Rechte (und Sicherheit) selbst stark machen müssen! Wie wir dabei erfolgreich vorgehen, habe ich hier beschrieben und wie so etwas dann konkret aussehen kann, kannst du hier lesen. Richtig, das erfordert sicherlich von dir ein bisschen »Arsch in der Hose«, aber es ist zum einen kein Hexenwerk und zum anderen lohnt es sich. Außerdem geht das Procedere von mal zu mal flotter von der Hand.

Letztlich muss uns allen klar sein, dass wir lernresistente Autofahrende nachhaltig nur erreichen, wenn Ordnungsämter und Polizei Hand in Hand über einen längeren Zeitraum konsequent gegen Radweg- und Falschparker vorgingen und zeigen, dass dieses Verhalten nicht geduldet wird. Dies gepaart mit empfindlicheren Strafen, würden das Problem in Windeseile beseitigen. Helfen wir dabei. Ich wünsche gute Jagd!

Welch Augenweide… Bye, bye, Assi!

Viel los im September

Leider konnte ich aufgrund Krankheit erneut nicht teilnehmen (Grrrr), aber die September-Zahlen sollten stimmen: Rund 240 Fahrerinnen und Fahrer fuhren die September Mass in Kiel. Das Wetter war hervorragend, wenn gleich es bereits zum Start um 19 Uhr dämmerte.

Ein besonderer Spaßvogel wurde diesmal in der Menge gesichtet – ein Typ mit nem Tranportfahrrad und einem Schild, auf dem geschrieben stand: »Critical Mass ist Nötigung«. Nun, so was buchen wir mal schmunzelnd unter »gesundem Volksempfinden« ab, denn natürlich ist die Critical Mass legal. Aber die Idee ist gar nicht mal so unwitzig und könnte uns dazu veranlassen, beim nächsten Mal auch Schilder zu tragen (obwohl die CM dann ja fast wie eine Demo aussehen könnte, was die CM ja bekanntlich nicht ist), auf denen beispielsweise geschrieben steht: »Autoabgase sind Nötigung« oder »Autostaus sind Nötigung« oder »KurzstreckenautofahrerInnen sind Nötigung« etc. Da fällt mensch ja eine Menge zu ein. Nun, wie auch immer – hier noch drei weitere Bilder mit Dank an Frank und an Lukas für die letzten fünf Bilder!

Eines der besagten Schilder, welches für verbreitetes Kopfschütteln sorgte.

Die nächste Fahrt ist am 27. Oktober! Vi ses!

Kiel: Döner jetzt 300 Euro

Radweg blockiert – Radelnde müssen in den fließenden Verkehr auf der Fahrbahn ausweichen. Gefährdung im Straßenverkehr!

Die Döner sind aber auch nur in Kiel dann so teuer, wenn Autofahrende meint, rücksichtstlos auf dem Radweg zu parken und ausgerechnet dann ein Radelnder mit »Arsch in der Hose« vorbei kommt und 110 anruft. Gut gemacht!

Mein Artikel über die Radweg-ParkerInnen und unsere Antwort darauf hat offenbar auch andere motiviert. Das ist fein. Folgende Nachricht bekam ich vorhin per Jabber/XMPP von einem engagierten Critical-Mass-Fahrenden:

»Naja, sie auf dem Radweg und ging in den Dönerladen. Ich also 110 angerufen, Typ an der Leitstelle super freundlich, meinte sofort „Jo, gerade Streife in der Nähe ich schick die mal, wir Radfahrer müssen ja zusammenhalten“. Streife kam innerhalb von 2-3 Minuten, beide Recht jung und motiviert, der eine sofort wieder zum Auto, Abschleppwagen rufen. Die Olle [Fahrerin] im Dönerladen bekommt nichts mit. Abschleppwagen auch innerhalb kürzester Zeit da, steht dann daneben, schon am Kran ausschwenken, kommt sie raus. Zetern beginnt. Dann, verschmitzt „Naja, kann ja nicht so teuer sein. Muss ja jetzt nicht abgeschleppt werden.“ Polizist grinst „Stimmt. Nennt sich jetzt verhinderte Umsetzung. 300€ kostet das.“ Ihre Kinnlade war dann auch erst mal unten. Naja, und ich steh daneben, irgendwann bekommt sie mit, dass ich wohl die Polizei gerufen habe, guckt mich ganz böse an. Ich grinse also freundlich zurück. Polizei und Abschleppdienst ziehen von dannen, sie steigt in ihre Blechbüchse und guckt mich an als ob sie mich überfahren will.«

An alle: Ich bitte um weitere Zuschriften. Lasst uns unsere Fahrwege sicherer machen! Jetzt! Kein Pardon mehr für Rücksichtslosigkeit! Ach, und ein Danke schön an die Beamten der Kieler Polizei.

 

Radweg? Halteverbot? Egal!

RadfahrerInnen müssen wegen falschparkenden Fahrzeugen immer wieder in den viel schnelleren und zudem viel schwereren Kraftfahrzeugverkehr einfädeln. Das ist kein Kavaliersdelikt, das ist eine Gefährdung, welche den Regelfall für eine Umsetzung (Abschleppen) darstellt. Also sofort 110 anrufen!

Warnblinker an und rauf auf den Radstreifen oder Radweg. Es reicht – zugeparkte Radwege (und Fußwege) gefährden die schwächsten Verkehrsteilnehmer. Es kommt immer wieder zu schweren Unfällen, weil Mensch auf dem Fahrrad sich wegen eines eben mal kurz (illegal) haltenden Autos zwischen rasende Metallmaschinen werfen muss. Es ist Zeit, zurück zu schlagen und unsere Rechte einzufordern!

Eine Ermunterung zum Mitmachen

Die Lösung ist dabei ganz einfach. Sie lautet: RadwegparkerInnen konsequent umsetzen lassen! Denn das wird teuer für den Halter oder Halterin und das ist (offenbar) die einzige Sprache, die von solchen Menschen verstanden wird.

Andreas Schwiede aus Berlin hat es dem ganzen Lande mit seinen beachtlichen Erfolgen in Berlin vorgemacht und in immer mehr Städten beginnen Radfahrende und FußgängerInnen sich gegen das rücksichtslose, vor allem aber das gefährliche Verhalten von Autofahrenden zu wehren. Höchste Zeit, dies in Kiel endlich auch mal flächendeckend zu tun – wir sind schließlich zahlreich. Je mehr Meldungen wir generieren, um so genervter ist die Polizei und ich garantiere (aus eigenen Erfahrungen), dass dann in Zukunft Maßnahmen im Vorab erfolgen, statt weg zu sehen.

Anleitung zum Handeln

Wie aber geht radelnder Mensch am besten vor, wenn dieseR auf ein solches Fahrzeug stößt? Den Spiegel abtreten? So etwas würden wir ja nie tun. Besser ist es, die verantwortlichen Ordnungskräfte zum Handeln aufzufordern. Andreas Schwiede hat diesbezüglich eine Anleitung online gestellt, die ich folgend etwas überarbeitet habe. Also Leute, bitte mitmachen – so geht’s:

Erstens: 110 anrufen (Leitstelle der Polizei): Mit dem eigenen Namen melden und sagen, dass du eine Verkehrsbehinderung melden willst.

  • Genauen Ort mit Stadtteil, Straße, Hausnummer/Kreuzung nennen.
  • Nicht sagen, dass du einen Falschparker melden willst! Du meldest eine Verkehrsbehinderung bzw. Verkehrsgefährdung!
  • Lasse keine Möglichkeit zum Missverstehen des Ortes zu!
  • Entweder vor Ort bleiben (besser) oder – falls nicht möglich – weiterfahren. 110 hat die Telefonnummer automatisch, Streife ruft dann zurück.
  • Wenn 110 auf App oder Online-Meldung der Ordnungsämter verweist, freundlich darauf hinweisen, dass diese Meldungen von den Ordnungsämtern nicht schnell genug bearbeitet werden. Und da Radfahrerende konkret behindert und gefährdet werden, muss sich jemand so schnell wie möglich vor Ort kümmern.
  • Wenn 110 versucht auf „Verkehrsordnungswidrigkeit“ herunterzustufen, entgegnen: „Nein, eine Behinderung, sogar Gefährdung! Regelfall liegt vor!“ (siehe Info ganz unten)

Zweitens: Eintreffen von Ordnungsamt oder Polizeistreife.

  • Bestenfalls: Streife kommt, holt orangefarbenen oder roten Block heraus, fragt über Funk das Kennzeichen ab und fängt an, aufzuschreiben. Dann kommt gleich der Abschleppwagen. Wenn der Fahrer vorher auftaucht, kommt es zu einer teuren „vermiedenen Umsetzung“.
  • Deine Personalien werden als Zeuge notiert (keine Angst, das hat keine Folgen für dich).

Was tun, wenn sich die Ordnungshüter verweigern?

Es kommt mitunter vor, dass die Polizei oder das Ordnungsamt versucht, die entsprechenden Maßnahmen zur Beseitigung der Gefährdung (Umsetzung) abzuwimmeln. Oder die Polizei auch mal gerne behauptet, dass für den ruhenden Verkehr die Ordnungsämter zuständig seien, was im Fall zugeparkter Radwege jedoch falsch ist, denn ein zugeparkter Radweg stellt eine Verkehrsgefährdung dar, deren Beseitigung tatsächlich in der Zuständigkeit der Polizei liegt. Wenn dies passiert, keine Panik – ruhig bleiben, es gibt kein Entkommen!

Folgend einige Argumentationshilfen:

Polizei: „Wir sind nicht für Falschparker zuständig, das ist Sache des Ordnungsamts.“
Antwort: „Sie sind zuständig, da das Ordnungsamt offensichtlich nicht verfügbar ist (sonst wäre es gekommen).

Polizei: „Das ist unverhältnismäßig, ich habe einen Ermessensspielraum.“
Antwort: Dies ist der Regelfall (wichtiges Stichwort, siehe Info ganz unten!!) für eine Umsetzung! Bitte beseitigen Sie die Verkehrsbehinderung.“

Polizei: holt grünen Block heraus, um Strafzettel zu schreiben oder sagt „Gut, dann schreiben wir eine Anzeige, wir müssen immer das mildeste Mittel wählen.“
Antwort: „Bitte beseitigen Sie die Verkehrsbehinderung! Das mildeste Mittel muss dazu ebenfalls geeignet sein (laut Allgemeinem Sicherheits- und Ordnungsgesetz, ASOG) – es muss also die Verkehrsbehinderung wirklich beseitigt werden – und das tut ein Strafzettel definitiv nicht!“ Vor einer  Umsetzung kommt als ›milderes Mittel‹ nur in Frage, dass man den Fahrer oder die Fahrerin ausfindig machen kann und dieseR das Fahrzeug selber entfernt (was aber ebenfalls nicht umsonst ist – Stichwort vermiedene Umsetzung).

Polizei: „Sie können doch vorbeifahren.“
Antwort: „VerkehrsteilnehmerInnen werden durch dieses Fahrzeug gefährdet. Beim Vorbeifahren müssen 1,5 m Sicherheitsabstand möglich sein (etliche Urteile) und zwar zu allen Seiten“.

Geht nicht, gibt’s nicht!

Manchmal weigern sich Beamte dennoch partout entsprechend zu handeln (meistens sind das notorische Autofreunde, welche – wer weiß das schon – vielleicht selbst gern mal so ihr Fahrzeug abstellen). Dann lasse dir als erstes von dem oder der BeamtenIn die Dienstkarte aushändigen (darauf steht die Dienstnummer). Anschließend rufe die Polizeidirektion an (0431 160-0) und verlange die Wachleitung. Das Gespräch verläuft dann in etwa so:

„Spreche ich mit dem Wachleiter/der Wachleiterin?“ (Erst versichern, ob du richtig verbunden bist, möglichst den Namen aufschreiben). Der Wachleitung mitteilen, dass eine Funkstreife vor Ort ist (wichtiger Hinweis, dass es dringend ist). Dann den Sachverhalt kurz erläutern, und unbedingt ansprechen, dass ein Regelfall für die Umsetzung laut Geschäftsanweisung der Polizei vorliegt und die Beamten vor Ort sich weigern, entsprechend zu handeln. Darum bitten, dass der Wachleiter oder die Wachleiterin die Beamten anruft und auffordert, gemäß der Geschäftsanweisung die Behinderung zu beseitigen!

Bestenfalls klappt es jetzt. Falls es nicht klappt: Alles aufschreiben und gern an mich schicken, damit es gesammelt, veröffentlicht und entsprechende Gespräche etc. mit den Vorgesetzten der Wachleiter geführt werden können.

Meine Vorgespräche mit dem Kieler Ordnungsamt

Bereits am 5. Juli habe ich mit Herrn Wille vom Ordnungsamt Kiel, als zuständigen Abteilungsleiter, über dieses Thema telefonisch gesprochen. Ich wollte mich mit ihm, vor der Veröffentlichung dieses Artikels, auf ein gemeinsames Vorgehen verständigen. Das Gespräch war freundlich und offen und seiner Aussage nach, liegt ihm diese Angelegenheit auch sehr am Herzen. Er bat mich allerdings, den Sachverhalt noch einmal schriftlich über die Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Kiel einzureichen, welche dann diese Mail an ihn als zuständigen Sachbearbeiter zukommen ließe und er auf diese dann offiziell antworten könne (Dienstweg). Eine Antwort sollte innerhalb weniger Tage erfolgen.

Die Tatsache, dass bis heute keine Antwort erfolgte, ist ein Fingerzeig darauf, dass auch das Kieler Ordnungsamt nicht sehr motiviert zu sein scheint, solcherlei Verstöße zu ahnden. Das ist sehr bedauerlich, denn von falschparkenden Fahrzeugen geht regelmäßig eine negative Vorbildwirkung aus – andere werden animiert, ebenso zu parken. Andersherum spräche sich ein konsequentes Abschleppen herum – wenn an einer Stelle regelmäßig abgeschleppt würde, merken sich das AutofahrerInnen. Strafloses Falschparken macht Autofahren attraktiver als es wirklich ist – wer davon ausgeht, immer in zweiter Reihe vor der Haustür, Eisdiele, Pommesbude parken zu können, fährt öfter Auto als angemessen.

Vielleicht kommt ja doch noch eine Antwort und eine gemeinsame Strategie zustande. Bis dahin rufe ich alle auf, mich bei der „Sichermachung“ unserer Wege zu unterstützen! Fragen dazu beantworte ich sehr gern per E-Mail (siehe Kontakt-Seite) oder stimme mich mit dir/euch ab.

Zweimal an einem Tag gesehen. Hier habe ich mal eben angehalten und Fotografiert. Tolle Leistung und Vorbildfunktion, Kieler Polizei…
Super oder? Hier müssen wir sogar noch in eine Kurve einfahren, was unsere Sichtbarkeit auf der Fahrbahn durch die Krümmung der Kurve zusätzlich verschlechtert – von den von hinten kommenden Fahrzeugen werden wir noch später wahrgenommen.
Diese Galerie ist beliebig erweiterbar….

 

Urteile für Regelfall für Umsetzung (Abschleppen) Radweg
Ist ein Radweg zugeparkt, MUSS die Polizei umsetzten lassen. Da ist nix mehr mit Ermessensspielraum. Weigert sich der/die BeamtIn dennoch, hat dies im Fall einer Beschwerde Konsequenzen für diese/n. Also, nicht nachgeben – Umsetzung einfordern!

OVG Münster (Beschluss vom 15.04.2011 – 5 A 954/10):

Das Abschleppen verbotswidrig abgestellter Fahrzeuge ist im Fall der Behinderung von anderen Verkehrsteilnehmern regelmäßig geboten. Entsprechendes gilt im Fall eines nicht nur unerheblichen Hineinragens eines Fahrzeugs in einen Radweg. Radfahrer müssen grundsätzlich nicht damit rechnen, dass der Radweg auch nur teilweise blockiert ist. Eine Behinderung liegt insbesondere vor, wenn der benutzungspflichtiger Radweg zu einem Drittel blockiert ist.

VG Düsseldorf (Urteil vom 29.11.2016 – 14 K 6395/16):

Ein seiner baulichen Gestaltung nach eindeutig für die Benutzung durch Radfahrer bestimmter Straßenteil ist auch ohne Kennzeichnung durch Zeichen 237 ein Radweg. – Ein parkendes Kfz darf [also auch hier] gebührenpflichtig abgeschleppt werden. Dies gilt im Regelfall auch dann, wenn der Zweck des Abschleppens allein in der Beseitigung des in einem verbotswidrigen Parken liegenden Rechtsverstoßes gelegen hat, ohne dass eine konkrete Verkehrsbehinderung vorgelegen haben muss.

⇒ Service: Dieser Text als pdf-Dokument für die Hosentasche 😉

Sie rollt und rollt und rollt…

Kurzer Halt in der Schlossstraße. Danke fürs Foto, Sandra! (Weitere Bilder am Ende des Artikels)

Und es ist kein Ende abzusehen. Das ist gut so. Die Juli-Critical Mass 2017 in Kiel ist gefahren. Genau, wie (nahezu) zeitgleich in dutzenden anderen Städten dieses Landes – vom Rest der Welt mal ganz abgesehen – haben sich hunderte bzw. tausende Menschen zusammen gefunden, um für eine großartige Sache einzutreten. Kein träges auf dem Sofa abhängen und highly important Comments posten – nein, raus und rauf aufs Bike und rein in die direkte Aktion! Ihr seid alle so was von großartig da draußen!

Was war?

Nachdem die Juni-CM ja so was von ins Wasser gefallen war, kamen diesmal (für mich und andere) überraschend etwas über 200 FahrerInnen zusammen. Und das, obwohl das Wetter im Vergleich zum Vormonat eigentlich nicht so wirklich besser war. Zu Beginn regnete es ebenfalls recht heftig, was sich aber zum Glück als einzelner Schauer erweisen sollte. Der Rest der Fahrt war dann zwar trocken, aber relativ kühl und fand durchweg unter bedecktem Himmel statt. Die Stimmung war dennoch super und wir hatten diesmal eine besonders groovy-Mischung: Viele Kinder, die Chopper waren endlich mal wieder mit dabei und insbesondere waren – für PassantInnen besonders nett anzusehen – viele witzige Rad-Typen (wozu die Chopper natürlich auch gehören) zu sehen. Die Hochräder sorgen hier immer wieder für Aufsehen. Ach ja – fast vergessen: Allen Soundrädern heißen Dank!

Die guten »Anderen«

Was lief so mit den anderen VerkehrsteilnehmerInnen? Hier möchte ich heute einmal ausdrücklich die KraftfahrzeuglenkerInnen für die aufgebrachte Geduld und vornehmlich vorsichtige Fahrweise in der Nähe des Verbandes loben! Ein solches vorbildliches Verhalten erleben wir nicht allzu oft – gerade im Bereich Westring, welcher von vielen Autofahrenden als Eigentum und allzu gern auch als Autobahn (da vierspurig) betrachtet wird, ist dies keine Selbstverständlichkeit. Vielen Dank dafür!

Die anderen »Anderen«

Mich persönlich stört es gewaltig, dass ich jetzt zum wiederholten Male feststellen musste, dass BussfahrerInnen der KVG sich dem Verband gegenüber sehr gefährlich verhalten haben, indem sie in den Verband einfuhren oder es versuchten – und dies mit manchmal beachtlicher Geschwindigkeit. Dies ist aus zweierlei Gründen ein unglaublicher Umstand – zum einen, ist die Masse eines Busses so groß, dass der oder die FahrerIn es nicht mal mitbekommen würde, wenn dieses Gefährt im hinteren Bereich einen Menschen vom Rad holt und überrollt. Und zum anderen, sollte gerade die KVG eine Verbundenheit mit uns erkennen, denn wir treten dafür ein, dass die Menschen aus ihren Karren raus kommen. Solche »UmsteigerInnen« fahren in der Regel dann nicht nur Rad, sondern auch immer wieder mal Bus.

Unter den Pkw gab es (selbstverständlich) zudem einige Knallköppe (unter anderem auch ein Fahrzeug der Malteser), die der Meinung waren, ihre Karossen als Waffe benutzen zu müssen, um es uns mal wieder so richtig zu zeigen. Die Glanzleistung vollbrachte allerdings der Typ in seinem VW Passat am Westring, Ecke Olshausenstraße. Dieser fuhr bereits extrem dicht mit immer wieder aufheulenden Motor hinter dem Verband her, um dann in eine Lücke vor zu stoßen und den Verband auf der Abbiegspur zur überholen. Dabei fuhr er ganz eindeutig vorsätzlich Schlangenlinien und benutzte exzessiv die Scheibenwaschanlage. Bei diesem Manöver hätte dieses Arschloch (Mensch muss die Dinge beim Namen nennen) fast eine Fahrerin vom Rad geholt.

Wer mich kennt, der weiß oder ahnt es zumindest, dass ich solcherlei Dinge selbst regle. Allerdings kann dies für die Sache und den Geist der Critical Mass hinderlich sein, denn wir sind zunächst einmal eine friedliche Gruppe, die nichts verbotenes macht. Daher werde ich in Zukunft die Fahrzeuge, die im Sinne § 315 (speziell § 315c) StGB u.a. auffällig werden und MitfahrerInnen gefährden, fotografieren und konsequent Strafantrag bei der Staatsanwaltschaft Kiel stellen. Die Zeit nehme ich mir sehr gern, zumal ich aus eigener Erfahrung weiß, dass die Sta Kiel, gerade wenn es um Gefährdung geht und zudem auch noch Kinder im Verband mitfahren, tatsächlich mit Aufwand ermittelt. Des Weiteren werde ich die KVG schriftlich dazu auffordern, auf ihre verwirrten Heißsporne in den großen Roten einzuwirken.

Hier kann ich nur alle ermuntern, es mir gleich zu tun. Gern auch in Abstimmung mit mir.

Jeden Monat versuche ich ja einen größeren Beitrag zu veröffentlichen. Dieses mal wird es um genau solche Themen gehen und wie wir darauf reagieren könnten. Dazu habe ich bereits vor einigen Wochen Kontakt zum Kieler Ordnungsamt aufgenommen – dazu aber, wie gesagt, in den nächsten Tagen mehr. Aber: Da ich weiß, dass es hinten immer mal wieder aufgrund solcher Vorfälle hirnloser AutofahrerInnen brennt, fahre ich in der Regel eh meist hinten oder im hinteren Bereich. Klar ist für mich hierbei, dass ich bei aller Nachsicht in einer Situation, in der ein durchgeknallter Kfz-Lenker (und es sind fast immer Männer oder die, die es noch werden wollen) das Auto verlässt und eine Mitfahrende oder einen Mitfahrer tätlich angreift, ich dabei nicht tatenlos zuschauen werde. Hier ist meine Grenze dann erreicht.

Was noch?

Gerade im hinteren Bereich ist es dieses mal zu größeren Lücken gekommen. Einmal so groß, dass ich ehrlicherweise zugeben muss, dass das Ende der Mass nicht mehr zum Verband gehörte. Die Lücke war ausreichend, dass ein Pkw ohne uns zu gefährden links abbiegen konnte. Daran sollten wir arbeiten – Lücken schließen, den Verband zusammen halten. Dies dient der Sicherheit Aller.

Ansonsten – an alle noch mal einen heißen Dank für diese schöne Fahrt! Wir sehen uns am 25. August!

Danke an Sandra und Frank für die Bilder!

Warum AutofahrerInnen uns hassen

Ist doch nur eine Lappalie… Da kann Mensch doch noch locker vorbei.

Natürlich tun dies nicht alle. Es gibt etliche, die rücksichtsvoll und verantwortungsvoll agieren. Aber wir stehen dennoch immer wieder vor der Frage, weshalb sich einige AutofahrerInnen uns RadfahrerInnen gegenüber beständig so verhalten, dass sie unseren Tod in Kauf nehmen. Warum vergessen sie immer wieder, dass ihr Fahrzeug gegen den ungeschützten Körper eines Radelnden eine tödliche Waffe sein kann und überholen Radfahrende oft viel zu knapp und zu schnell? Weshalb hupen sie radelnde Menschen gnadenlos fast vom Rad oder pöbeln rechtmäßig auf der Fahrbahn fahrende RadfahrerInnen regelmäßig an? Und weshalb werten viele Autofahrende mit zweierlei Maß? Tempoüberwachung der eigenen Geschwindigkeit wird als »Abzocke« abgeurteilt, aber gleichzeitig werden Nummernschilder für Fahrräder gefordert, damit Fehlverhalten von Radfahrenden besser kontrolliert werden können. Weshalb legen Autofahrende für sich die Regeln lasch aus (Parken auf Gehwegen, Parken auf Radwegen, Überhöhte Geschwindigkeit, zu niedrige Sicherheitsabstände etc.), fordern aber für RadlerInnen Führerscheine und Radkennzeichen? Diesen Fragen ist Tara Godddard in ihrer Doktorarbeit nachgegangen. Das Ergebnis ist erschreckend: Viele da draußen, mit ihren 1,5 Tonnen todbringenden Stahl unterm Hintern, haben mental leider noch nicht mal ihre Höhle verlassen.

Unser Verhalten wird stark von dem beeinflusst, was wir denken und glauben. Wenn bspw. RadfahrerInnen von AutofahrerInnen für unwichtig gehalten werden, dann werden sie schneller übersehen. Wir wissen, die Sicht auf Radfahrer ist häufig geprägt von dem Gefühl, diese hätten auf der Fahrbahn nichts zu suchen, weil dieses Recht dem Auto vorbehalten ist. Untersuchungen bspw. zeigten, dass FahrerInnen großer SUV seltener an FußgängerInnenüberwegen halten, als FahrerInnen kleinerer Wagen. Je größer oder schneller und vor allem teurer das Auto ist, desto überlegener halten sich die Insassen gegenüber alle anderen VerkehrsteilnehmerInnen.

Richtig, das klingt nach Steinzeitniveau, aber dies entspricht ganz klar unseren hierarchisch organisierten (kapitalistischen) Gesellschaften, die viele als normal ansehen. Statt einem Miteinander wird ausgegrenzt und klein gemacht. Autofahrende fühlen sich allein durch die Größe ihres Fahrzeuges in der privilegierten Mehrheit (optische Präsenz) und darum glauben diese sich auch als ganz oben in der Hierarchie stehend. Ganz automatisch werden daher auch mehr Rechte und Vorteile für sich selbst reklamiert, als sie den »niederen Schichten« zugestehen wollen – Beispiele habe ich in der Einleitung aufgeführt. Die Autogesellschaft ist gerade einmal hundert Jahre alt, dominiert aber heute den urbanen Raum vollständig und definiert die Verkehrsregeln für alle, auf Basis des allgemein anerkannten Glaubens, dass nur wer mit dem Auto fährt, mobil und frei (und fördernswert) ist. Häufig ist noch heute die 1950er Jahre-Einstellung vorzufinden, dass alle die kein Auto fahren, es sich entweder nicht leisten können oder StudentInnen sind. All dies führt dazu, dass je stärker sich eine Gruppe fühlt, desto ungenierter zeigt sie ihre Verachtung, diskriminiert die, die nicht dazu gehören, und schüchtert diese ein – in diesem Fall mit Hilfe ihres Autos.

Machtkampf mit der Keule

Klar muss sein, dass außer Autofahrenden kein anderer Mensch auf der Fahrbahn oder der gesamten Straße jemanden verletzen kann, ohne dabei selbst nicht auch verletzt zu werden. Wenn bspw. der oder die oft aus dem Hut gezauberte KampfradlerIn mit zu Fuß gehenden zusammen stößt, fallen in der Regel beide um. Bitter wird das zuvor beschriebene Selbstverständnis dann, wenn Goddard mit vielen Umfrageergebnissen in der Dissertation belegt, dass die überzeugtesten AutofahrerInnen beispielsweise gar nicht willens sind, sich nach Radfahrenden um zuschauen, wenn sie abbiegen. Sie sind ihnen tatsächlich egal (sie stehen ja unter ihnen)! Und je mehr sie RadfahrerInnen hassen, desto eher sind sie auch bereit, sie totzufahren.

Charakteristisch – der Überholzwang

Goddard hat herausgefunden, dass der Zwang zum Überholen vom Alter, der sozialen Stellung und dem Gefühl des Autofahrenden unterstützt wird, selbst im Recht zu sein. Fatal ist, dass ein Überholmanöver stets (auch) mit einem (wütenden) Bedürfnis einher geht, zu bestimmen, andere zu kontrollieren oder zu bestrafen. Die Grundlage dieser Gefühle ist der tief sitzende Glaube, dass RadfahrerInnen den Autoverkehr nicht aufhalten dürf(t)en.

Erstaunlich ist, schauen wir einmal in uns selbst als RadfahrerInnen hinein, dass wir dabei feststellen müssen, dass auch wir RadfahrerInnen diesen Glauben mitunter teilen. Es klingt absurd, aber es scheint so zu sein, denn, so Goddard, wenn wir auf dem Rad hinter uns ein Auto spüren, dann nehmen wir selbstverständlich an, dass der Fahrer ungeduldig wird, wenn er uns nicht überholen kann. Manche von uns versuchen Platz zu machen, wo gar keiner ist, bei anderen steigt der Adrenalinpegel. Das gleiche erleben übrigens AutofahrerInnen, die ein vor ihnen fahrendes Rad nicht überholen können – sie nehmen selbstverständlich an, dass die nachfolgenden AutofahrerInnen hinter ihnen vor Wut schäumen, weil sie den radelnden Menschen nicht überholen.

Regelverstöße durch Autofahrende als Kavaliersdelikt

Wir alle beobachten: In unserer Gesellschaft findet Wut auf Radfahrende, welche die Regeln nicht einhalten, viel Anerkennung und Zustimmung. Wann immer sich im Gespräch eine Gelegenheit bietet, wird auf Radfahrende geschimpft und es werden etliche Beispiele für ungeheuerliches Verhalten angeführt. Auf Autofahrende hingegen schimpft man nicht mit soviel Wut. Ihr Fehlverhalten sieht die Gesellschaft mit ungeheurer Nachsicht und bringt gleichzeitig viel Verständnis für die Begründungen auf, welche die ertappten für eklatante Regelverstöße anführen. Das geht bis weit in die Polizei und Staatsanwaltschaften hinein. Wir leben also in einer Gesellschaft, die das Autofahren als berechtigte Machtdemonstration allen anderen gegenüber akzeptiert und unterstützt.

Radfahrende werden gebrandmarkt

Ein weiteres Kennzeichen für die Dominanz einer Gruppe ist, dass je mehr Menschen RadfahrerInnen hassen, desto lauter wird auch darüber geredet und gefordert, dass diese kontrolliert werden müssten (ganz gleich, ob deren Regelverstöße wirklich erwähnenswert oder gar gefährlich für andere sind). Für die niederen RadfahrerInnen wird bspw. gefordert, dass sie Helme aufzusetzen und Warnwesten anzuziehen haben – sich also als RadfahrerIn von allen anderen unterscheidbar machen müssen. Was unter dem Deckmantel der Sicherheit durch (angeblich) bessere Sichtbarkeit verkauft wird, ist aber letztlich eine Stigmatisierung einer Gruppe, die es zudem sogar noch leichter macht, RadlerInnen aufs Korn zu nehmen: Wer als RadlerIn verkleidet ist, wird knapper überholt und eher geschnitten als Radfahrende, die eher wie FußgängerInnen aussehen, zeigen Studien.

Diese dominante Gruppe, die für sich selbst die Regeln lasch auslegt, schickt die aus ihrer Sicht unter ihnen liegende Gruppe dann auch hemmungslos auf freigegebene Gehwege und eine minimal-Radinfrastruktur, die sie aus ihrer beschränkten Sicht für sicherer oder ausreichend erklärt, ohne dass sie es wirklich ist. Eine solche Gesellschaft, macht Verkehrsregeln fast ausschließlich für den Autoverkehr, zum Nachteil aller anderen. FußgängerInnen und RadfahrerInnen müssen an zum Teil für sie total sinnfreien Ampeln warten oder Regeln einhalten, die sie aufgrund ihrer Wendigkeit, geringen Masse und viel besseren Übersicht gar nicht bräuchten.

Für uns Radfahrende bleibt es ein langer und anstrengender Weg, diese gesellschaftlichen Normen beständig zu bearbeiten und zu traktieren, um sie eines Tages zu Fall zu bringen. Ich muss zugeben, mein Kopfkino kann sich da wahrlich deutlich schöneres vorstellen…

Info: Link zur Dissertation »Exploring Drivers’ Attitudes and Behaviors toward Bicyclists: The Effect of Explicit and Implicit Attitudes on Self-Reported Safety Behaviors«